Steve-Jobs-Biographie
Die dunklen Seiten des „iGods“

Für seine Biographie über Steve Jobs kam Walter Isaacson ganz nah an den Apple-Gründer heran. In dem Buch zeichnet der Autor ein durchaus komplexes Bild des „iGods“ - und spart auch die dunklen Seiten nicht aus.
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San FranciscoEs ist das mit der größten Spannung erwartete Buch des Jahres: Walter Isaacsons autorisierte Biografie des verstorbenen Apple-Mitgründers Steve Jobs. In 40 langen Gesprächen und Telefonaten ist er Jobs so nahe gekommen wie wohl kein anderer Journalist zuvor. Herausgekommen ist ein tiefer Einblick in ein Leben, das geprägt war von tiefen Abstürzen und überwältigenden Erfolgen.

Wie bei jeder autorisierten Biografie bestand auch diesmal das Risiko, in schön geschriebener Belanglosigkeit zu versinken und ein verzerrtes Abbild einer sorgsam zurechtfrisierten Teilwahrheit abzuliefern. Isaacson hat diese Gefahr meisterlich überwunden. Er zeichnet ein lebendiges Bild eines faszinierenden Menschen mit einer komplexen Persönlichkeit.

Isaacson betont im Vorwort, dass Jobs den Inhalt des Buchs in keiner Weise beeinflusst und auch nicht das Recht verlangt hat, es vor Veröffentlichung zu lesen. Mehr noch: Jobs’ Ehefrau Laurene Powell ermunterte Isaacson ausdrücklich, die Wahrheit zu schreiben. „Es gibt Teile in seinem Leben und seiner Persönlichkeit, die ziemlich übel sind, und das ist die Wahrheit. Ich will nicht, dass es weißgewaschen wird“, zitiert der Autor den Wunsch Powells, die seit 1991 mit Steve Jobs verheiratet war.

Mit der Zeit öffnete sich Jobs selbst immer mehr. Zunächst reagierte er reserviert auf eine lange Liste von Interviewpartnern, die Isaacson zusätzlich befragen wollte, von alten Weggefährten bis zu notorischen Gegnern und Menschen, die Jobs am Rande des Weges zerbrochen zurückgelassen hat. Später ermunterte er diese Personen, offen zu sprechen und nichts auszulassen. Die Interviews mit Jobs fanden alle in einer schweren Zeit statt, als nach 2009 bereits abzusehen war, dass die gesundheitlichen Probleme dramatischer waren als gedacht. Das letzte Gespräch war noch kurz vor dem Tod Steve Jobs’ am 5. Oktober. So bekommt der Leser das ungeschminkte Bild eines Mannes, dessen Leben von früher Kindheit an von Dramen und einem unbeugsamen Sendungsbewusstsein geprägt war. Ein Mensch mit zwei Gesichtern, eine Art moderner Jekyll & Hyde.

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