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Indien und das Freedom 251Chaos um das billigste Smartphone der Welt

Ein Smartphone zum Preis von etwas mehr als 3,30 Euro sollte Indien verändern. Doch nun wachsen die Zweifel bei Verbrauchern und der Konkurrenz. Sogar von Betrug ist die Rede.Frederic Spohr 20.02.2016 - 17:07 Uhr Artikel anhören

Das Chaos rund um das billigste Smartphone der Welt wächst.

Foto: dpa

Bangkok. Diesem Ansturm konnte die Seite nicht standhalten: Nur wenige Minuten nach dem Verkaufsstart des mutmaßlich billigsten Smartphones der Welt brachen die Server des Herstellers Ringing Bells zusammen. 600.000 Klicks pro Sekunde seien einfach zu viel, teilte die Firma auf ihrer Website mit. So mancher Inder wollte das nicht akzeptieren. Hunderte versammelten sich vor dem Büro des Herstellers und protestierten.

Das ist nicht die einzige Panne: Der kurze Hype um das Smartphone namens „Freedom 251“ wandelt sich mehr und mehr zu einer allgemeinen Verwirrung. Das Telefon für umgerechnet gerade einmal 3,30 Euro sollte eigentlich in Windeseile das gesamte Land digitalisieren; auf der Launch-Party waren auch prominente Politiker der Regierungspartei anwesend.

Hersteller Ringing Bells verspricht auf seiner Website auch den ärmsten Bauern des Landes die „allerneueste Technik“ zur Verfügung zu stellen. Die Schlagzeile über das billigste Smartphone der Welt ging um die Welt.

Doch jetzt häufen sich die Peinlichkeiten. Und es wachsen die Zweifel, wie ein Smartphone von dieser Qualität überhaupt zu dem Preis hergestellt werden kann. Der Verband der indischen Smartphone-Industrie hält es für absolut unmöglich, ein solches Handy zu diesem Preis zu produzieren. Und der Abgeordnete Kirit Somaiya von der Regierungspartei BJP warnt auf seiner Facebook-Seite bereits: „Das ist ein großer Betrug!“

SAVDHAN BEAWAREOf FREEDOM 251 Mobile* FREEDOM 251 a Smartphone copy of ₹251 is nothing but Fraud * It is...

Posted by Kirit Somaiya on Donnerstag, 18. Februar 2016

Es scheint tatsächlich zu schön, um wahr zu sein: Für den Preis eines Starbucks-Kaffees sollen die Kunden immerhin 8 Gigabyte Speicherplatz, einen Vierkernprozessor mit 1,3 Gigahertz sowie ein vier Zoll großes Display bekommen. Der Präsident von Ringing Bells, Ashok Chadha, erklärte den Wunderpreis so: Sein Unternehmen würde sparen, indem es in Indien produziere und staatliche Unterstützung im Rahmen der „Make in India“-Kampagne nutze. Angesichts der großen Stückzahlen könnte er zudem die Teile im Großhandel äußerst billig einkaufen. Auch der ausschließliche Online-Vertrieb würde Kosten einsparen.

Doch der Verband der indischen Smartphone-Industrie hält diese Argumentation für unglaubwürdig. Allein das Material für ein solches Produkt koste im Großhandel mindestens 2.700 Rupien (35 Euro), heißt es in einem Brief des Verbandes an die Regierung: „Insgesamt kann man ein solches Produkt nicht für weniger als 4100 Rupien (50 Euro) verkaufen“, stellt der Verband fest.

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Und wenn doch? Dann wäre der derzeit boomende indische Smartphone-Markt wohl schon bald gesättigt. Noch haben erst 200 Millionen der 1,2 Milliarden Inder ein Smartphone. Entsprechend groß ist der Andrang: Einige Inder twitterten bereits, sie hätten gleich mehrere Modelle bestellt – und warten nun sehnsüchtig auf Ende Juni. Dann sollen die ersten Modelle nämlich ausgeliefert werden.

Doch angesichts mehrerer Kuriositäten scheint vielen Beobachtern mittlerweile fraglich, dass die Kunden dann tatsächlich ein Päckchen von Ringing Bells erhalten werden. Kratzt man etwas Farbe von den auf Launch-Party verteilten Handys ab, erscheint der Schriftzug der Marke Adcom. Das indische Unternehmen vertreibt leicht modifizierte Smartphones chinesischer Herkunft für den indischen Markt.

Es zeigt sich: Hinter dem als Freedom 251 vorgestellten Gerät verbirgt sich eigentlich ein leicht modifiziertes Gerät vom Typ Adcom Ikon 4, das in Indien derzeit für rund 50 Euro zu haben ist. Allein das Gehäuse kostet in etwa so viel, wie nun das Freedom 251 kosten soll. Ringing Bells zufolge handelt es sich bei dem vorgestellten Modell um einen Prototypen. An die Kunden werde später eine andere Version ausgeliefert – und die könne eben deutlich billiger produziert werden.

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Doch das Vertrauen in die Firma schwindet. Dem Abgeordneten Somaiya zufolge hat die erst vor wenigen Monaten gegründete Firma noch nicht einmal eine Lizenz, Handys zu produzieren und zu verkaufen. Es scheint fraglich, dass ein Neuling innerhalb so kurzer Zeit so große Produktionskapazität aufbauen kann – zumal die Firma bisher offenbar noch nicht einmal Fabriken besitzt. Die werde man aber schnell noch aufbauen, sagte Ringing Bells-Präsident Chadha bei der Eröffnungsfeier.

Unprofessionell wirkt auch der Webauftritt des Herstellers. Wer in der Bestellmaske bei der Anzahl der Handys 0,5 statt einer ganzen Zahl einträgt, bekommt nicht etwa eine Fehlermeldung – stattdessen wird einfach der halbe Preis angezeigt.

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