Werbeartikel-Branche: Effiziente Werbung mit Giveaways
Fast jeder besitzt einen Werbe-Kugelschreiber. Durch den häufigeren Kontakt, ist die Werbeform besonders Intensiv.
Foto: apDüsseldorf. Wer meint, Werbeartikel erschöpfen sich in bunten Kugelschreibern, USB-Sticks mit Firmenlogo und bedruckten Kaffeebechern, der irrt. Hier, in der Halle 13 der Werbeartikel-Messe PSI in Düsseldorf, stehen viele pfiffige Erfinder, die ihre Schätze anpreisen.
Marc-Andre Graewer ist einer von ihnen. Der 21-Jährige hat einen Becherhalter entwickelt, mit dem er heiße Plastikbecher problemlos halten kann. „Klappi“, so der Name des kleinen Werbeartikels, kann zusammengeklappt am Schlüsselbund befestigt werden. Die Idee sei ihm in einer seiner Kaffeepausen gekommen, erzählt der Industriemechaniker, der beim Autokonzern Daimler arbeitet.
Einige Messestände weiter geht es um eine Hülle für den Tablet-PC, die nicht nur schützen, sondern auch reinigen kann. Oder auch um einen Flaschenöffner, der an der Flasche bleibt und sie markiert. Oder gar um eine Uhr, die nicht an der Wand hängt, sondern dreidimensional in einer Raumecke.
Die Branche der Werbeartikel-Hersteller wächst unverdrossen: Im vergangenen Jahr lag ihr Gesamtumsatz bei 3,46 Milliarden Euro, das waren 16 Prozent mehr als 2009. Damit spendieren Unternehmen mehr Geld für Werbepräsente als etwa für Radio-Spots oder für Onlinewerbung. Besonders mittelgroße Unternehmen mit 50 bis 249 Mitarbeitern haben sich 2011 stärker als bisher mit Werbeartikeln eingedeckt.
Im Gegensatz zur klassischen Werbung, die meist ein redaktionelles Programm unterbricht und dadurch von Konsumenten als störend empfunden wird, stoßen die verschenkten Werbeartikel in der Regel auf freudige Abnehmer. Wer sagt schon nein, wenn er von einem Lieferanten einen Schlüsselanhänger, eine Plüschfigur oder einen Zollstock überreicht bekommt? Selbst Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern geben im Jahr durchschnittlich 1 430 Euro für solche Giveaways aus – kleine Dinge, die Kunden nicht nur im Büro, sondern auch zu Hause verwenden können.
Doch lohnen sich die Ausgaben für die werbetreibenden Unternehmen überhaupt? Ja, meint der Gesamtverband der Werbeartikelwirtschaft (GWW) und belegt dies mit einer neuartigen Werbewirkungsstudie, die gestern vorgestellt wurde.
Auch süße Werbeartikel kommen immer gut an.
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Nach einer Online-Befragung von 2 000 Konsumenten kam heraus, dass jeder von ihnen im Schnitt 30 Werbeartikel besitzt. Die Langlebigkeit ist groß: 37 Prozent der Produkte sind länger als zwei Jahre im Gebrauch, 75 Prozent sind älter als ein halbes Jahr. Auch der Streuverlust sei gering, betont Patrick Politze, Vorstandschef des Verbandes GWW: 86 Prozent der Empfänger nutzten den Artikel selbst.
Qualität ist wichtiges Merkmal
Ausgehend von der Berechnung, dass jede Person statistisch gesehen einmal am Tag einen Werbeartikel benutzt, ergibt sich eine Reichweite der Werbeartikel von 88 Prozent. Mit diesem Spitzenwert liegt die Werbeform sogar vor der Reichweite von Massenmedien wie Radio und TV. Auch in der Frage der Werbeerinnerung weisen Werbeartikel mit 57 Prozent einen doppelt so hohen Wert aus wie Fernseh-Spots.
Mit dieser erstmals erhobenen Werbewirkungsstudie und ihren erbaulichen Ergebnissen will die Branche ihr Selbstverständnis als gleichberechtigte Werbeform stärken. „Werbeartikel stellen eine gleichwertige Werbeform dar“, sagt Verbandschef Politze mit Nachdruck. Es scheint, als sei es bislang nicht immer klar gewesen, wo die bunten Spardosen, beflockten T-Shirts und Massagebälle, die die Hallen der PSI-Messe bevölkern, in der Werbelandschaft tatsächlich anzusiedeln sind.
In Deutschland gibt es rund 5 000 Anbieter von Werbeartikeln. Viele von ihnen sind Kleinunternehmen. So wie J. Blumberg aus Bielefeld – 1977 gegründet von Jürgen Blumberg. Sein Sohn Volker Blumberg, seit den 90er-Jahren ebenfalls in dem Zwei-Mann-Betrieb tätig, will auf der Messe nach neuen pfiffigen Ideen suchen. Wichtig dabei: Die Qualität der Produkte muss stimmen. Wenn ein Werbemittel allzu schnell defekt ist, wirft das ein schlechtes Licht auf das werbende Unternehmen. Bei seinen Kunden, so erzählt der Mitinhaber, seien nach wie vor USB-Sticks der Renner, außerdem LED-Taschenlampen und Filz-Schlüsselanhänger. Echter Wollfilz, fügt er hinzu, keine Billigware aus Polyester.
Doch nicht alle Werbeartikel, die als Neuheiten gepriesen werden, finden überall Anklang. Eine Nasenpfeife etwa hat – wenn man sie umdreht – eine zweite Funktion als Flaschenöffner. Muster seien bereits an Werbetreibende wie Allianz und Würth geschickt worden, erzählt Erfinder Stefan Ebner – und atmet wie zur Bekräftigung noch einmal in die flaschenöffnende Nasenpfeife.