Berkshire Hathaway: Buffett-Weggefährte Charlie Munger mit 99 Jahren gestorben
Denver. Charlie Munger, der engste Vertraute und Weggefährte von Investorenlegende Warren Buffett, ist im Alter von 99 Jahren gestorben. Buffett betonte in einer Mitteilung am Dienstag, ohne Mungers Inspiration und Weisheit hätte deren Investmentholding Berkshire Hathaway nie den aktuellen Status erreicht. Munger sei am Dienstagmorgen in einem Krankenhaus in Kalifornien gestorben, hieß es ohne weitere Details. Er lebte in Los Angeles.
Munger war Jahrzehnte zusammen mit Buffett (93) bei Berkshire Hathaway aktiv. Er war Vizeverwaltungsratschef und einer der größten Aktionäre. Das machte ihn ebenfalls zu einem Milliardär. Sein Vermögen wurde auf 2,6 Milliarden Dollar geschätzt. Den Großteil davon hielt er in Berkshire-Aktien.
Berkshire Hathaway wurde unter Buffett und Munger zu einem der größten Konzerne Amerikas. Zu dem Konglomerat aus Omaha, Nebraska, gehören unter anderem eine Versicherungs-, eine Energie und eine Industriesparte, sowie rund 80 kleine und mittelständische Unternehmen. Das gut 300 Milliarden Dollar schwere Investmentportfolio wird von Anlegern auf der ganzen Welt aufmerksam verfolgt.
„So einen wie ihn treffe ich nie wieder"
Es war eine Art Blind Date, über das Buffett und Munger einst zusammenfanden: Ein Ehepaar aus Omaha lud Warren Buffett und Charlie Munger im Jahr 1959 zu einem gemeinsamen Mittagessen ein. Die beiden Vermögensverwalter seien sich so ähnlich, dass sie sich einfach kennen lernen mussten, lautete ihre Motivation. „Und es hat sofort geklickt“, wie Buffett 2018 erzählte. „Charlie hat über seine eigenen Witze gelacht, so wie ich das auch immer mache. Und ich wusste: So einen wie ihn treffe ich nie wieder.“
Dieses Mittagessen war der Beginn einer langen und lukrativen Freundschaft. Munger, studierter Jurist, war selbst ein erfolgreicher Investor, bevor er sich 1978 mit Buffett zusammentat.
Er überzeugte Buffett, seinen Investmentansatz zu ändern. „Statt passable Unternehmen zu guten Preisen zu kaufen, wollte Munger lieber exzellente Unternehmen zu passablen Preisen kaufen“, sagt David Kass, Finanzprofessor an der University of Maryland, der Berkshire schon lange verfolgt.
Das habe Berkshire schließlich zum Durchbruch verholfen, auch wenn es zunächst nicht einfach war, Buffett zu überzeugen. Schließlich habe er sich aber auf Mungers Vorstoß eingelassen. „Es war die Kraft von Charlies Verstand. Er hat meinen Horizont erweitert", räumte Buffett einst ein.
Der Mann mit knappen und oft scharfzüngigen Aussagen
Munger und Buffett haben die Hauptversammlungen des Konzerns zu einem großen Spektakel gemacht, das jährlich rund 40.000 Aktionäre aus aller Welt an den Konzernsitz nach Omaha lockte. Die beiden haben viele Anteilseigner zu Millionären gemacht, und wurden daher wie Rockstars gefeiert. „Berkshire hat eine ungewöhnlich hohe Zahl an loyalen Aktionären, die die Aktie so schnell nicht verkaufen“, sagte Buffett-Kenner Lawrence Cunningham, der mehrere Bücher über Berkshire geschrieben hat.
Von 1964 bis 2022 erzielte Berkshire eine Rendite von rund vier Millionen Prozent. Damit übertraf das Konglomerat den breit gefassten S&P 500, der im selben Zeitraum um 25.000 Prozent zulegte, um ein Vielfaches.
Stundenlang saßen Buffett und Munger auf der Bühne und beantworteten Fragen der Aktionäre – zum Geschäft und zu allen Lebenslagen. „Er war sehr klar und direkt in seinen Aussagen und hat einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg von Berkshire Hathaway geleistet“, so Zypora Kupferberg, die für Berkshire in Deutschland nach geeigneten Übernahmekandidaten sucht. Die beiden Investoren waren ein eingespieltes Team. Während Buffett gerne ausschweifend antwortete, fiel Munger durch seine knappen und oft scharfzüngigen Aussagen auf.
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Bitcoin sei „Rattengift hoch zwei“ und sollte in den USA verboten werden, hatte Munger bereits vor Jahren klargestellt. Für Investmentbanker und Zockerstrategien an der Wall Street hatte Munger ebenfalls wenig übrig. Gleiches galt für Risikokapitalgeber. „Es ist sehr schwierig, Geld gut zu investieren, und ich glaube, es ist fast unmöglich, dies immer wieder mit Risikokapital zu tun“, sagte Munger noch im Oktober in einem Podcast. „Manche Geschäfte sind so heiß, und man muss so schnell entscheiden, dass es nur noch ein Glücksspiel ist.“
Ratschläge für ein erfülltes Leben
Die nahbare und bodenständige Art von Munger und Buffett „hat eine ganze Generation von Investmentmanagern angelockt, die regelmäßig zu den Hauptversammlungen gereist sind und die Briefe an die Aktionäre genau studiert haben“, sagte Whitney Tilson vom Analysehaus Empire Research, der schon 26 Mal bei dem Aktionärstreffen in Omaha war und dort regelmäßig ein Event für Buffett-Fans ausrichtet.
„Wir alle wollten bessere Stockpicker werden und mehr Geld verdienen. Aber was uns wirklich an diese Männer fesselte, waren ihre Ratschläge für ein erfülltes Leben – indem sie den Menschen beibrachten, klar zu denken, ehrlich zu sich selbst zu sein, aus Fehlern zu lernen und Katastrophen zu vermeiden."
Mit seiner nüchternen und risikoaversen Art habe Munger den Berkshire-Chef immer wieder davor bewahrt, Fehler zu machen. „Buffett nannte Munger gern ‚den abscheulichen Nein-Sager‛, weil er ihn davon abhielt, in riskante Unternehmen zu investieren“, erinnert sich Kass von der University of Maryland.
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Munger hinterlässt sechs Kinder aus zwei Ehen, 15 Enkel und sieben Großenkel. Wie Buffett war er „ein großer Philanthrop, der sich stark für die Jugend engagiert hat“, so Kupferberg. Er war auch ein Fan von Architektur und wäre am 1. Januar 100 Jahre alt geworden.
Die Nachfolge haben Buffett und Munger bereits vor Jahren geregelt. Schon 2018 machte Buffett Greg Abel, der die Energiesparte leitet, und Ajit Jain, Chef des Versicherungsgeschäfts, neben Munger zu stellvertretenden Verwaltungsratschefs. Abel soll eines Tages den CEO-Posten übernehmen.
Um die Zukunft von Berkshire machte sich Munger schon vor Jahren keine großen Sorgen. „Selbst wenn Berkshire nie wieder ein anderes Unternehmen kaufen würde, nichts anderes mit den Barreserven anstellen würde, als Aktien zurückzukaufen: Es wäre immer noch ein wunderbares Investment“, sagte er 2015 im Gespräch mit dem Handelsblatt.
Buffett machte erst vergangene Woche eine Anspielung auf sein fortgeschrittenes Alter. Kurz vor Thanksgiving führte er wie jedes Jahr detailliert auf, wie viel er an verschiedene Stiftungen spendete, und teilte zudem mit, dass seine drei Kinder über sein Testament und sein Vermögen verfügen werden, das er zu 99 Prozent für gemeinnützige Stiftungen vorgesehen hat. „Mit 93 fühle ich mich gut“, so Buffett, „aber mir ist völlig klar, dass ich in der Verlängerung spiele.“
Mit Agenturmaterial