Geopolitik: Eine geopolitisch brisante Wahl: Taiwans Präsidentschaftswahl entscheidet über China-Kurs
Taipeh, Kinmen. Wu Tseng-dong weiß, wie sich ein Angriff der chinesischen Volksbefreiungsarmee auf Taiwan anhört. „Ich war sieben Monate alt, als die Volksrepublik China 1958 unsere Insel Kinmen angriff“, erzählt der Schmied. Luftschutzkeller, Geschützdonner und das Heulen der Granaten waren bis zu seinem 20. Lebensjahr Alltag. Denn China schoss nach dem kurzen Krieg noch lange Propaganda-Flugblätter mit Granaten auf die Insel.
Mehr als eine Million Geschosse schlugen vermutlich in den 20 Jahren auf Kinmen und kleineren Inseln ein. Heute sind sie eine riesige Rohstoffquelle. Aus ihnen produziert der Schmied Messer unter der Marke „Maestro Wu“.
Sein hagerer Körper beugt sich über eine der schweren Granatenhülsen und schweißt ein Stück Stahl heraus. 15 Minuten später hat er ein Küchenmesser geschmiedet. „Das sind Symbole des Friedens“, sagt er.
65 Jahre ist der letzte Angriff Chinas auf Taiwan her. Das Thema jedoch ist brisant wie lange nicht mehr. Denn Taiwan ist zugleich Spieler wie Spielball im Großmachtkonflikt zwischen den USA und China. Die Republik China, so nennt sich die Insel offiziell selbst, hat eine eigene demokratisch gewählte Regierung, eine eigene Währung und ein eigenes Militär. Aber die kommunistische Führung in Peking sieht die Insel als abtrünnige Provinz und pocht auf die Wiedervereinigung – notfalls militärisch.