Deutsche Bahn: Ohne Arbeitszeit-Deal wird es keine Lösung geben

„Faules Pack, sitzen da vorne geschützt in ihrem Führerstand und melden sich dennoch ständig krank. Und den Hals bekommen sie auch nicht voll“, brummte neulich ein Fahrgast in einer S-Bahn Richtung Frankfurt, die mal wieder deutlich verspätet war. Wer häufig mit der Deutschen Bahn fährt, hört in diesen Tagen immer wieder solche Aussagen über die Lokführer.
Tatsächlich ist die Zuverlässigkeit des Staatskonzerns ein regelrechtes Desaster. Nun drohen ab dem 8. Januar auch noch neue Streiks der Gewerkschaft GDL, wenn es bei den Verhandlungen schlecht läuft, sogar unbefristete.
Und doch ist es unfair, wenn Fahrgäste demnächst ihren gesamten Frust über das Bahnfahren in Deutschland vor allem an jenen Menschen auslassen, die im Führerstand sitzen. Weder sind sie gierig, noch sind die Forderungen der GDL grundsätzlich falsch.
Forderungen der GDL sind nachvollziehbar
Dazu ein paar Fakten: Zwar ist der Bruttolohn der Lokführer im mittleren Lohnbereich nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in den neun Jahren bis 2022 um immerhin 533 Euro auf 3735 Euro gestiegen. Doch das ansehnliche Gehalt würde auf real 3152 Euro schrumpfen, wenn man die Inflation berücksichtigt.
Dass die GDL nun ein ordentliches Plus fordert, ist daher wenig überraschend. Auch bei einem anderen Transportunternehmen, der Lufthansa, liegen aus ganz ähnlichen Gründen hohe Tarifforderungen auf dem Tisch.
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Ohnehin scheitert eine Lösung mit der GDL derzeit an einer anderen Forderung: einer kürzeren Arbeitszeit für Schichtarbeiter bei vollem Lohnausgleich. Bislang weigert sich die Bahn-Führung, überhaupt darüber zu reden. Man könne gar nicht so viel Personal aufbauen, um die dadurch entstehenden Lücken zu schließen.
Die Begründung mag inhaltlich nachvollziehbar sein. Am Ende wird die Strategie der Weigerung aber nicht aufgehen. Ohne einen Deal beim Thema Arbeitszeit wird es in dem Tarifkonflikt keine Lösung geben.
Tarifverhandlungen: Die GDL wird nicht nachgeben
GDL-Chef Claus Weselsky wird nicht nachgeben. Er hat gerade beim Bahn-Rivalen Netinera die 35-Stunden-Woche durchgesetzt. Das erhöht den Druck auf das Bahn-Management, ebenfalls an dieser Stelle zu einer Lösung zu kommen.
Bis zum 7. Januar ist noch etwas Zeit. Vielleicht gelingt es bis dahin, den Gesprächsfaden mit der GDL wieder aufzunehmen und lange Streiks doch noch abzuwenden. Den gebeutelten Fahrgästen wäre es zu wünschen. Dem Unternehmen im Übrigen auch. Erstens droht der Konzern sonst seine Kunden endgültig zu vergraulen. Zweitens braucht die Bahn dringend Personal. Gute Arbeitsbedingungen sind eine Voraussetzung dafür, es auch zu bekommen.
Erstpublikation: 20.12.2023, 11:47 Uhr.