Geldanlage: Tech-Fonds als Highflyer: Das Geheimnis von 263 Prozent Rendite
Frankfurt. Eine durchschnittliche Rendite von 43,2 Prozent - zu den erfolgreichsten Fondsanlegern zählen wohl diejenigen, die im vergangenen Jahr auf Produkte für Technologie-Aktien gesetzt haben. Die Tech-Produkte waren mit großem Abstand 2023 am ertragreichsten. Zu diesem Ergebnis kommt André Härtel von Scope Fund Analysis, der für das Handelsblatt die durchschnittlichen Erträge von Fonds in 36 Anlagegruppen errechnet hat. Der Top-Gewinner unter ihnen schaffte sogar eine Rendite von 263 Prozent.
Aber: „Für solch märchenhafte Ergebnisse müssen Anleger hohe Risiken eingehen, auch weil Tech-Aktien 2022 regelrecht eingebrochen waren“, warnt Härtel. So liegt etwa der Spitzenreiter-Fonds trotz seiner „märchenhaften“ Rendite momentan immer noch 75 Prozent unter seinem Top-Anteilspreis vom November 2021.
In diesem Sinne waren Anleger in dieser Woche bereit, Risiken einzugehen. Die Geschäftsentwicklung des weltgrößten Halbleiterkonzerns TSMC aus Taiwan stimmte positiv und sorgte dafür, dass der technologielastige Nasdaq 100 am Donnerstag auf ein neues Rekordhoch stieg.
Um die Entwicklungschancen der Tech-Produkte abzuschätzen, stellt das Handelsblatt einige der ertragreichsten Tech-Fonds des vergangenen Jahres vor und gibt Einblicke in die jeweils aktuelle Strategie.
Hype um Künstliche Intelligenz brachte Stimmungswende
Die große Stimmungswende für das Segment nach dem Ausverkauf brachte Anfang vergangenen Jahres der Hype um Künstliche Intelligenz. „Das trieb auch die Bewertungen nach oben“, sagt Härtel. Viele der Aktien seien jetzt teurer. Während die Titel im breiten MSCI-Weltaktienindex ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von durchschnittlich 19 erreichen, kommt das Pendant für den Tech-Sektor auf viel höhere 35.
Doch Anleger bekommen es im Tech-Segment nicht nur mit Bewertungsfragen zu tun. Die größten Fonds-Highflyer mit dreistelligen Renditen konzentrieren sich auf Unternehmen, deren Geschäft stark an die Themen Blockchain als dezentralisierte Datenbank und an Kryptowährungen gekoppelt ist. Bei einer solch starken Konzentration warnen Finanzexperten vor einem sogenannten Klumpenrisiko.
Viele der größten Gewinner sind börsennotierte Fonds, kurz ETF. Sie sind zusammengesetzt wie ein bestimmter Index, der in der Regel einmal pro Quartal nach definierten Regeln angepasst wird. Auch das kann ein gesteigertes Klumpenrisiko für Anleger bedeuten. Zum Vergleich: Ein klassischer, aktiv gemanagter Fonds darf maximal zehn Prozent seiner Gelder in einen Titel investieren. Demgegenüber sind die Regeln für Indexfonds viel lockerer. Das Limit liegt bei 35 Prozent, die restlichen Fondsbestandteile können jeweils bis zu 20 Prozent ausmachen.
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Das Handelsblatt stellt vier Top-Tech-Fonds des vergangenen Jahres und ihre aktuellen Strategien vor. Drei von ihnen werden schon mindestens fünf Jahre angeboten und warfen über diesen Zeitraum im Schnitt jeweils mehr als 20 Prozent Rendite jährlich ab, was ebenfalls überdurchschnittlich ist:
Rund um die digitale Vermögensanlage
Van Eck Crypto and Blockchain Innovators Ucits ETF (2023: 263,0 Prozent): Der Indexfonds investiert in Unternehmen mit Geschäftsmodellen rund um digitale Vermögensanlagen. Das Produkt hatte im Verlauf des Sektor-Crashs bis Ende 2022 vom Höchstwert aus gemessen extreme 91 Prozent an Wert verloren. Dennoch blickt Anlageexperte Matthew Sigel vom US-Geldverwalter Van Eck optimistisch nach vorn.
Größte Position im Fonds ist die Kryptowährungs-Handelsbörse Coinbase. „Die jüngsten Kursgewinne der Aktie machen mir Hoffnung, dass es weitergehen wird“, sagt Sigel in New York.
Sein Optimismus hat vor allem einen Grund: „Der Bitcoin wird in diesem Jahr neue Rekorde erzielen“, erwartet er. Das sei für die eigene Strategie besonders wichtig, weil die Positionen im Fonds mehr oder weniger stark von einer guten Bitcoin-Entwicklung abhängig seien.
Die Währung hatte bis Ende vorletzten Jahres in 14 Monaten drei Viertel an Wert verloren, steuert seitdem aber auf Erholungskurs. Diese Stimmungswende zugunsten des Bitcoins wird laut Sigel die Nachfrage nach der Kryptowährung ebenso beleben wie die im Januar erstmals zugelassenen Bitcoin-ETFs in den USA. Deshalb vertraut Sigel auch auf die zweitgrößte Position im Fonds: Marathon Digital Holdings. Es handle sich um eines der größten Unternehmen zum Schürfen von Bitcoin. Der Van-Eck-Experte argumentiert mit den geringen Kosten der Firma und einer guten Bilanz.
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Alle Fondspositionen seien mehr oder weniger stark an die Bitcoin-Preisentwicklung gekoppelt. Auf klassische Bewertungs-Kennziffern wie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis will er deshalb nicht schauen. „Wir haben viele kleine Gesellschaften, die stark wachsen, sodass diese Kennziffer auch schnell kleiner werden kann.“
Den Kurs gehalten
BIT Global Internet Leaders 30 RI (2023: 76,9 Prozent, 5 Jahre p.a.: 29,6 Prozent): Jan Beckers kennt die Höhen und Tiefen von Tech-Investments. Dennoch hatte es den Gründer und Chefstrategen des Geldverwalters BIT Capital hart getroffen ebenso wie seine Kunden: Der Flaggschifffonds verlor bis Ende 2022 in wenig mehr als einem Jahr zwei Drittel an Wert. „Das war für alle Tech-Investoren ein besonders schweres Jahr“, gibt er zu.
BIT Capital-Gründer Jan Beckers: „Generative KI ist die am schnellsten wachsende Technologie mit Wirtschafts-Impact“
Doch Beckers bleibt bei seiner Strategie: „Wir sind froh, den Kurs gehalten zu haben, wirklich spannende Tech-Firmen zu finden, bevor die Mehrheit der Anleger darauf aufmerksam wird“, sagt er. Viele seiner ausgewählten Firmen hätten im vergangenen Jahr den unternehmerischen Durchbruch geschafft.
Größte Position im Fonds ist die brasilianische Digitalbank Nubank, Teil der börsennotierten Nu Holdings. Der Umsatz hat sich in zwei Jahren verfünffacht.
Kaspi, eine in Kasachstan ansässigen Finanzgesellschaft, gehört ebenfalls zu den Unternehmen, von denen sich Beckers viel verspricht. „Kerngeschäft ist eine Super-App, mit der Nutzer alles machen können“, formuliert er begeistert. Der Umsatz wachse mit 40 Prozent jährlich, der Gewinn noch stärker - bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur zehn.
Großes Vertrauen hat der BIT-Capital-Gründer auch in die Sprachschule Duolingo. Das Unternehmen werfe seit vergangenem Jahr Gewinne ab. Die Firma sei sehr effizient organisiert, weil die Inhalte größtenteils durch KI erstellt würden. Er schwärmt: „Ich schätze die Gewinnmarge auf 30 Prozent.“
Stärker auf Chipfirmen konzentriert
Wisdom Tree Artificial Intelligence Ucits ETF (2023: 49,8 Prozent, 5 Jahre p.a.: 22,8 Prozent ): Der US-Verwalter Wisdom Tree orientiert seinen Fonds für Aktien mit KI-Verbindung an einem entsprechenden Index der Börse Nasdaq. Enthalten sind knapp 70 Werte, wobei die Einzelanteile maximal bei drei Prozent liegen.
Den höchsten Anteil im Fonds hat der Chiphersteller Advanced Micro Devices. Danach folgen eher weniger bekannte Namen wie Sentinelone, Uipath, PKSHA Technology und Media Tek. Rund zwei Drittel der Gelder stecken in US-Werten, was für Technologieprodukte ein moderater Anteil ist.
Der Fonds ist laut Gannatti stärker auf Chipfirmen konzentriert. „Und wir wollen eine starke Verbindung der Unternehmen zum Thema KI, die Aktienbewertungen sind uns weniger wichtig“, sagt er und räumt ein: „Für einen typischen aktiven Fondsmanager wäre das sicher ungewöhnlich.“
Apple, Microsoft und Co.
SPDR MSCI World Technology Ucits ETF (2023: 48,2 Prozent, 5 Jahre p.a.: 25,0 Prozent p.a.): Unter den Tech-Aktien-Indizes gehört insbesondere der MSCI World Information Technology zu den populären. Gleich mehrere Vermögensverwalter bieten ETFs auf diesen Index an - darunter State Street Global Advisors SSGA.
Der MSCI World Information Technology richtet sich nach den Börsenwerten der enthaltenen Firmen und ist damit stark auf die Wall Street und die Mega-Konzerne konzentriert: Allein Apple und Microsoft machen rund 40 Prozent aus. Damit liegt ein Konzentrationsrisiko vor, das bei den stark gestiegenen Kursen im vergangenen Jahr allerdings belohnt wurde.
„Anleger fragen sich natürlich: ,Muss ich dabei sein, oder ist es schon zu spät?'“, sagt Markus Weis, bei SSGA in Deutschland verantwortlich für die Indexfonds. Er beobachtet einen starken technologischen Schub, von dem niemand sagen könne, ob oder wann er vorbei sei.
Weis registriert eine gewisse Monopolstellung der Großkonzerne, die auf ihren Feldern kaum gefährdet seien. So könne man das Vertrauen auf Apple oder Microsoft begründen: „Die führen in der Technologie und sind hochinnovativ“, urteilt er.