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ConsultingNeuer Beratungskonzern sieht sich als „Alternative zu Accenture“

Die deutsche IT-Beratung Q_Perior und die französische Wavestone sind fusioniert. Sie versprechen internationales Wachstum bei hoher Rentabilität. Eine erste Übernahme ist geglückt. Tanja Kewes 23.01.2024 - 08:56 Uhr

Düsseldorf. Allein zu klein, zusammen ein Herausforderer: So lässt sich die Fusion der IT- und Managementberatungen Q_Perior aus München und der Pariser Wavestone zusammenfassen, die zum Ende des Jahres mittels Anteilstausch abgeschlossen wurde.

Als „eine geniale Chance“ beschreibt Karsten Höppner, Mitgründer und langjähriger CEO der deutschen Q_Perior, den Zusammenschluss: „Wir sind nun die europäische Alternative zur amerikanischen Accenture und zu den Beratern der international führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften“, sagte der 56-Jährige im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Das sind – angesichts der Marktmacht von Accenture, Deloitte, PWC, KPMG und EY – große Worte. Aber unter dem gemeinsamen Namen Wavestone ist mit dem Zusammenschluss eine neue europäische Größe bei den IT- und Managementberatungen entstanden. Die Marke Q_Perior soll derweil ab Juni vom Markt verschwinden. 

Der Aktienkurs Wavestones hat sich seit Bekanntgabe der Fusionspläne im Sommer von rund 50 auf 60 Euro erhöht. Die Marktkapitalisierung beträgt 1,6 Milliarden Euro. Die in Paris notierte Aktie wird von Analysten zudem weit überwiegend zum Kauf empfohlen. 

Selbst Konkurrenz zollt gewissen Respekt

Selbst die Konkurrenz zollt einen gewissen Respekt. So sagt Burkhard Wagner, geschäftsführender Gesellschafter der Beratung Advyce & Company: „Die Fusion von Q_Perior und Wavestone ist ein spannender Fall.“ Sie zeige, dass die Konsolidierung des zersplitterten europäischen Beratungsmarktes unaufhaltsam voranschreite, und dass dabei sogar auch die Börse mitspielen könne.

Die neue Gesellschaft hat rund 5500 Mitarbeiter und steht für ein Geschäft von 818 Millionen Euro Umsatz. Q_Perior/Wavestone rückt damit an die Management- und Technologieberatung Bearing Point heran. Die niederländische Gesellschaft machte 2022 rund 862 Millionen Euro Umsatz.

Die ebenfalls börsennotierten Beratungskonzerne Capgemini und Accenture sind zwar deutlich größer und umfassender positioniert. Sie bieten die ganze Bandbreite von Strategie über Implementierung bis Outsourcing. Die französische Capgemeni machte 2022 einen Umsatz von 22 Milliarden Euro, die amerikanische Accenture von 64 Milliarden Dollar. 

Aber: Die Branchenkonjunktur hat sich gerade für die Beratungsriesen eingetrübt. Die Boomzeiten mit Zuwachsraten von 20 Prozent und mehr scheinen vorbei zu sein. Branchenführer McKinsey hatte schon für 2022 ein nur noch einstelliges Wachstum gemeldet, die weltweite Nummer zwei, die Boston Consulting Group, nur noch ein Plus von elf Prozent – nach 25 Prozent im Vorjahr.

Die IT- und Managementberatungskonzerne zeigten sich robuster – zunächst. Accenture meldete jedoch für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2023/24 (September bis November) nur noch ein Wachstum von drei Prozent, Capgemini für das dritte Quartal 2023 (Juli bis September) ein Plus von 2,3 Prozent.

Die Wachstumsziele von Q_Perior/Wavestone sind mit 15 Prozent pro Jahr ambitioniert. Bis 2025 strebt das neue Unternehmen, das von Höppner als COO und Pascal Imbert als CEO geführt wird, einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro an.

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Dieses Geschäftsvolumen gilt als Minimum für eine internationale Expansion. Die deutsche Nummer eins, die Strategieberatung Roland Berger etwa, hofft diese Größenordnung dieses Jahr auch zu erreichen.

Die Profitabilität von Q_Perior/Wavestone soll zudem steigen. Für das Geschäftsjahr 2024/25 ist ein Ebit von mindestens 130 Millionen Euro geplant, und damit eine Marge von 15 Prozent.

Wir wollen uns nun internationaler aufstellen und auch unsere Profitabilität wieder steigern.
Karsten Höppner
Mitgründer Q_Perior

Ob das gelingen kann? Branchenexperten wie Jörg Hossenfelder vom Marktanalysten Lünendonk sehen grundsätzlich Chancen: „Der Zusammenschluss ist wirtschaftlich sinnvoll. Die Abhängigkeit von einzelnen Märkten wird reduziert. Mit dem Kapital können zudem die internationale Expansion sowie wichtige Investitionen – zum Beispiel in Technologie – finanziert werden.“

Aber: Für Q_Perior/Wavestone ist der Zusammenschluss plus Expansionspläne auch eine Flucht nach vorn. „Q_Perior und Wavestone haben jeweils ihre regionalen Wachstumsmöglichkeiten sehr gut genutzt“, erklärt Karsten Höppner. „Wir wollen uns nun internationaler aufstellen und auch unsere Profitabilität wieder steigern.“

Während Wavestone zuletzt eine Ebit-Marge von 14,5 Prozent erreicht hatte, war die von Q_Perior auf 8,1 Prozent gesunken. Die deutsche Gesellschaft hatte beim Wachstum stark auf externe Mitarbeiter gesetzt.  Das habe flexibel gemacht und ein zweistelliges Wachstum erlaubt, sei aber auch teuer gewesen, erläutert Höppner.

Die Partner ergänzen sich

Fusionsschmerzen sind bei den beiden Gesellschaften eher nicht zu erwarten. Q_Perior und Wavestone sind bereits seit 2019 in einer Kooperation verbunden. Ihr Geschäftsfeld  ist sehr ähnlich. Sie konzentrieren sich dabei beide zudem auf Beratungsprojekte und ihre Implementierung, bieten keine umfassende Strategie-, Restrukturierungs- oder Transformationsberatung wie McKinsey, Boston Consulting oder Roland Berger und übernehmen auch kein Outsourcing wie Accenture.

Dazu ergänzen sie sich in ihren Regionen. Wavestone ist stark bei französischen Konzernen engagiert, Q_Perior bei deutschen. Zu den wichtigsten Kunden zählen BMW, Crédit Agricole, Deutsche Bahn, EDF, EnBW, L'Oréal, LVMH, SNCF, Société Générale, Swiss RE und TotalEnergies1.

International ist Q_Perior/Wavestone noch wenig bekannt. In den wichtigen Märkten Großbritannien und USA gab es bisher nur erste Standorte und ein Geschäftsvolumen im zweistelligen Millioneneurobereich. Das soll nun stark ausgebaut werden. 

Ein erster Schritt: In den USA hat Wavestone nun die Beratungsgesellschaft Aspirant mit Sitz in Pittsburgh übernommen. Damit hat die Beratung jetzt rund 250 Mitarbeiter in den USA und kommt dort auf ein Geschäftsvolumen von 70 Millionen Dollar. 

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Erstpublikation: 20.01.2024, 15:55 Uhr.

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