Signa-Pleite: Signa will fehlendes Geld über Massekredit auftreiben
Düsseldorf. Signas Sanierungsvorstand Erhard Grossnigg gibt nicht auf. Erst im Dezember vergangenen Jahres hatte er versucht, über Genussscheine knapp 350 Millionen Euro von Investoren für insolvente Gesellschaften aus dem Reich von Immobilieninvestor René Benko einzusammeln. Jedoch offenbar ohne Erfolg.
Jetzt versucht Signa Finanzkreisen zufolge, auf andere Art an frisches Geld zu kommen. Die österreichische Raiffeisenbank oder der Bauunternehmer und Signa-Investor Hans Peter Haselsteiner könnten Signa einen sogenannten Massekredit gewähren, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten. Die Höhe des angedachten Darlehens ist unbekannt.
Weder der Insolvenzverwalter der Signa Holding noch die Raiffeisenbank oder Haselsteiner wollten sich auf Anfrage zu einem etwaigen Massedarlehen äußern.
Mehr Zeit für mehr Geld
Mit dem Massekredit will Signa mehr Zeit gewinnen, um die Immobilien im Bestand der Gesellschaften zu verkaufen. Auf diese Art erhofft sich Signa offenbar, bessere Preise zu erzielen und somit auch mehr Geld für die Gläubiger herausschlagen zu können. Insgesamt haben die Signa Holding, die Signa Prime und die Signa Development bei 94 Gläubigern Verbindlichkeiten im Volumen von mehr als 14 Milliarden Euro.
Bei einem Massekredit stellen Darlehensgeber insolventen Gesellschaften frisches Geld zur Verfügung. Die Forderungen aus diesem Kredit genießen Vorrang vor den offenen Ansprüchen der Altgläubiger. Haselsteiner und die Raiffeisenbank hatten beide vor der Insolvenz in René Benkos Firmengeflecht investiert oder diesem Kredite gewährt.
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Aus Gesellschafterkreisen ist zu hören, dass nie eine Chance bestanden habe, dass Sanierungsvorstand Grossnigg 350 Millionen Euro über Genussscheine zusammenbekomme. Kaum ein Gesellschafter habe ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, weiteres Geld in Form von Genussrechten in die Signa Prime oder die Signa Development zu stecken. „Das hätte doch ohnehin nur für wenige Monate gereicht“, sagte ein Insider. „Was wäre denn damit gewonnen gewesen?“
Signa-Restrukturierer blitzt mit Bettelbrief ab
Zudem irritierte die Gesellschafter, dass Grossnigg die „Bettelbriefe“, wie sie einer der Insider nennt, schon am 22. Dezember 2023 versendet hatte – also knapp eine Woche vor dem eigentlichen Insolvenzantrag von Signa Prime und Signa Development. Angesichts der immer noch völligen Intransparenz der Finanzströme in der Signa-Gruppe könne er sich nicht vorstellen, frisches Kapital bereitzustellen, sagte ein Gesellschafter.
Die Gesellschaften Signa Prime, Signa Development und die Signa Holding sind derzeit in einem sogenannten Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung: Das Management bleibt an Bord, bekommt aber einen Aufpasser zur Seite gestellt. Zusätzlich hat Signa den Sanierungsexperten Grossnigg als neuen Vorstandschef der Gesellschaften Prime und Development eingesetzt.
Unter dem Dach der Signa Prime hatte René Benko die prestigeträchtigsten Immobilien und Bauvorhaben der Gruppe gebündelt. Dazu zählen das Betongerippe des Hamburger Elbtowers, die Warenhäuser KaDeWe in Berlin, Oberpollinger in München, Alsterhaus in Hamburg und die Luxuseinkaufsmeile Goldenes Quartier in Wien. Die Signa Development entwickelte Bauprojekte abseits der Top-Lagen.