Kommentar: Die Lebensversicherung überzeugt aus zwei Gründen nicht

Mehrere Versicherer erhöhen derzeit die Überschussbeteiligung für Lebenspolicen. Im Branchenschnitt werden sie ihren Kundinnen und Kunden im nächsten Jahr 2,6 bis 2,7 Prozent gutschreiben, prognostiziert das Analysehaus Assekurata. Zusammen mit dem Schlussüberschuss ist eine Gesamtverzinsung von etwa vier Prozent drin.
Der weitere Anstieg der Überschussbeteiligungen ist zwar eine gute Nachricht. Doch er sagt wenig darüber aus, ob sich eine Lebensversicherung für die private Altersvorsorge noch lohnt.
Denn mit ETF-Sparplänen, bei denen Sparern im Schnitt sechs bis sieben Prozent Rendite pro Jahr winken, können Lebensversicherungen trotz höherer Verzinsung nicht mithalten. Wenn es um den Vermögensaufbau geht, haben Banken und Neobroker wohl den Wettbewerb um die Kunden gewonnen – mit einfachen Produkten und niedrigen Kosten. Und das ist auch gut so.
Die Lebensversicherer überzeugen nicht
Die Lebensversicherer sollten sich stattdessen auf das besinnen, was ihre eigentlichen Kernkompetenzen sind: solide Altersvorsorgeprodukte, die eine lebenslange Rentenzahlung bieten, und eine professionelle Kapitalanlage, die stabile Renditen über die gesamte Laufzeit liefert.
Doch bei beidem überzeugt die Branche vielfach nicht. Nicht nur gibt es einen Tarifdschungel und intransparente Kostenstrukturen, die kaum ein Verbraucher mehr versteht. Fehlinvestments – besonders offenkundig zum Beispiel bei den Engagements bei der insolventen Signa-Gruppe – lassen sie auch immer wieder daran zweifeln, ob ihr Geld bei einem Lebensversicherer tatsächlich in den besten Händen ist.
Den Umbau hin zu einem modernen Anbieter mit einem attraktiven Produktangebot und einem starken Risikomanagement wird nicht jeder Lebensversicherer schaffen, auch wegen der notwendigen IT-Investitionen. Dass Kritiker, darunter viele Verbraucherschützer, die Lebensversicherung als geeignetes Produkt für die Altersvorsorge längst abgeschrieben haben, ist trotzdem wenig verständlich.
Denn während die Politik noch um die künftige Ausgestaltung der privaten Altersvorsorge ringt, ist eines klar: Sich selbst das Vermögen bis zum Lebensende einzuteilen, ist nicht jedermanns Sache. Eine staatliche Förderung in der Ansparphase bringt also wenig, wenn das Geld im Alter nicht verrentet, sondern auf einen Schlag ausgezahlt – und ausgegeben – wird. Es bleibt daher zu hoffen, dass eine umsichtige Regulierung die Lebensversicherung künftig wieder lohnenswert macht.