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Märkte-InsightIndien setzt an der Börse zum Überholen an

Mumbai holt Hongkong ein. Das zeigt, wie stark sich die wirtschaftliche Dynamik in Asien verändert hat, analysiert Handelsblatt-Ressortleiter Michael Maisch. 31.01.2024 - 18:23 Uhr
Foto: Getty Images

Es ist nur eine Momentaufnahme, aber eine mit Bedeutung. Am 22. Januar übertraf der Wert aller an den indischen Börsen notierten Aktien zum ersten Mal die Marktkapitalisierung des Hongkonger Aktienmarkts. Zum Handelsschluss an diesem Tag kamen die indischen Börsen nach Daten des Informationsdienstes Bloomberg auf einen Wert von 4,33 Billionen US-Dollar, im Vergleich zu 4,29 Billionen Dollar für Hongkong.

Zumindest an diesem einen Tag löste Indien Hongkong als weltweit viertgrößten Börsenplatz der Welt ab. Die Momentaufnahme von Mitte Januar ist nur der vorläufige Höhepunkt einer langen Entwicklung.

Während sich der wichtigste indische Börsenindex Sensex in den vergangenen fünf Jahren beinahe verdoppelt hat, hat der Hongkonger Hang-Seng-Index 45 Prozent an Wert verloren. Auch im Jahr 2023 schnitten indische Aktien klar besser ab als chinesische. Während der Sensex um 19 Prozent stieg, sackte der Hang Seng um 14 Prozent ab.

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Die Misere trifft aber nicht nur Hongkong, wo einige der prominentesten und innovativsten chinesischen Konzerne gelistet sind, sondern auch die beiden Festlandbörsen in Shenzen und Shanghai. Die Entwicklung dort bildet der CSI-300-Index ab, und dieser fiel im vergangenen Jahr um rund elf Prozent.

Die Gegensätze könnten kaum klarer sein: Chinas Wirtschaft kämpft mit einer langen Liste von Problemen, von der chronischen Krise am Immobilienmarkt über den schwächelnden Konsum bis hin zu sinkenden Exporten. Offiziell wuchs die Wirtschaft der Volksrepublik 2023 um 5,2 Prozent und hätte damit die Erwartungen erfüllt. Doch Experten trauen den Daten nicht. Der US-Thinktank Rhodium geht davon aus, dass das Wachstum in Wirklichkeit eher bei mageren 1,5 Prozent lag.

Indien hat mehrere wirtschaftliche Stärken

Für Indien rechnet die Ratingagentur Standard & Poor’s dagegen im aktuellen Fiskaljahr, das bis Ende März 2024 läuft, mit einer Wachstumsrate von 6,9 Prozent. Das wäre zwar etwas weniger als die 7,2 Prozent aus 2022/23, aber Indiens Konjunktur würde damit noch immer schneller zulegen als alle anderen Staaten aus der G20-Gruppe.

Zu den wirtschaftlichen Stärken des bevölkerungsreichsten Landes der Erde zählen die S&P-Experten das rasante Wachstum des privaten Konsums, das Konzerne aus aller Welt anlocke. Im vergangenen Fiskaljahr stiegen die ausländischen Direktinvestitionen in Indien auf den Rekordwert von 85 Milliarden Dollar.

Die wirtschaftliche Dynamik im Kräfteverhältnis zwischen China und Indien dürfte sich so schnell nicht umdrehen. An der Börse könnte das allerdings anders aussehen. Sunil Tirumalai, Asienspezialist bei der Schweizer Großbank UBS, geht in einer Studie vom Ende des vergangenen Jahres davon aus, dass chinesische Aktien in diesem Jahr besser abschneiden werden als indische.

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Seine Begründung: Die Börsenbewertung der chinesischen Unternehmen sei mittlerweile so niedrig, dass schon einige wenige gute Nachrichten ausreichen würden, um den Kursen frischen Schwung zu verleihen. Am indischen Aktienmarkt seien die Bewertungen dagegen bereits weitgehend ausgereizt.

Allerdings warten die Investoren bislang vergeblich auf gute Nachrichten aus China. Gerade erst rutschte der angeschlagene Immobilienentwickler Evergrande mit einem Schuldenberg von 300 Milliarden Dollar in die Insolvenz. Derweil versucht die kommunistische Regierung mit einem ganzen Maßnahmenbündel zu verhindern, dass die Aktienkurse weiter fallen. Bislang ohne durchschlagenden Erfolg. In den ersten Wochen dieses Jahres hat der CSI-300-Index noch einmal fünf Prozent an Wert verloren.

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