VW: Volkswagen fehlen weiterhin Elektromotoren
Düsseldorf. Bei Volkswagen sind zurzeit Elektromotoren knapp. Das Werk in Zwickau – VWs einziger reiner Elektro-Standort – produziert seit vergangener Woche darum nur noch gedrosselt, wie ein Sprecher auf Nachfrage bestätigt. Konkret wird in einer Fertigungshalle nur noch an drei statt an fünf Tagen in Früh-, Spät- und Nachtschicht gearbeitet.
Betroffen sind die bei VW Sachsen gefertigten Modelle ID.4 und ID.5 sowie das Audi-Kompakt-SUV Q4 e-tron. Die gedrosselte Produktion soll noch mindestens die komplette nächste Woche gelten. Für die betroffenen Mitarbeiter hat Volkswagen entweder Kurzarbeit angemeldet oder führt Weiterbildungsmaßnahmen durch.
Auch bei der Volkswagen-Tochter Skoda läuft die Produktion des Elektro-SUV Enyaq wegen fehlender E-Motoren weiterhin gedämpft, wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage mitteilt. Dafür haben die Tschechen die Produktionszahlen für das Verbrennermodell Octavia erhöht. Im Hauptwerk in Mlada Boleslav fertigt Skoda beide Modelle auf einer Linie und kann die Produktion flexibel anpassen.
Eine neue Anlage macht VW Probleme
Grund für die Einschränkungen ist eine neue Anlage im VW-Komponentenwerk Kassel, die schon länger Ärger macht. An dem Standort in Nordhessen fertigt Volkswagen seit dem vergangenen Jahr seinen neuen Hochleistungselektromotor APP550. Dieser kommt in den VW-Modellreihen ID.4, ID.5, ID.7, dem Audi Q4 e-tron, dem Skoda Enyaq sowie dem gerade erst angelaufenen Cupra Tavascan zum Einsatz. Beim Hochlauf der Motorenproduktion kam es jedoch zu Problemen in der Statorenfertigung. Ein Stator bildet mit seinem beweglichen Gegenstück, dem Rotor, den Kern eines Elektromotors.
Konkret schaffte die Anlage im November nur etwa ein Drittel der technisch versprochenen Kapazität, wie das Handelsblatt damals berichtete. Mittlerweile weisen die Produktionszahlen deutlich nach oben, wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist. Von 800 bis 900 Motoren am Tag ist die Rede. Damit ist VW aber immer noch nicht dort, wo sie sein wollen. Intern waren ursprünglich 1500 Motoren am Tag für die Anlage anvisiert. Volkswagen wollte sich auf Nachfrage nicht zu konkreten Produktionszahlen in Kassel äußern.
Nachfrage nach Elektroautos rückläufig
Ein Sprecher des Komponentenbereichs erklärt lediglich: Der Standort habe „umfangreiche Maßnahmen umgesetzt, um die Hochlaufkurve der E-Antriebsproduktion zu erreichen. Alle Teams arbeiten mit Hochdruck daran, die Produktion von E-Antrieben weiter hochzufahren, etwaige Rückstände abzubauen und die Auftragseingänge der jeweiligen Marken zu erfüllen“.
Der E-Motoren-Mangel ist ein weiterer Dämpfer für die Elektromobilität bei Deutschlands größtem Autobauer. Gerade einmal 8,3 Prozent aller 2023 im VW-Konzern verkauften Autos fuhren elektrisch – der Wert liegt am unteren Ende dessen, was man sich in Wolfsburg für vergangenes Jahr vorgenommen hatte. Seit Monaten verharrt die Elektro-Nachfrage im Privatkundenbereich branchenweit auf niedrigem Niveau. Bei VW fielen deshalb immer wieder Schichten weg, Bänder standen still, Hunderte befristet Beschäftigte verloren ihre Jobs. Mit dem Produktionsdämpfer jetzt setzt sich der Trend fort.
Die Nachricht kommt in einer Zeit, in der Volkswagen großzügige Rabatte auf seine Elektromodelle gewährt. Ein ID.4 kostet seit Januar in der Basisausstattung weniger als die günstigste Variante des kleineren Kompaktstromers ID.3. Auch in anderen europäischen Ländern hat VW die Preise seiner ID-Modelle vorübergehend rabattiert. Die Preisnachlässe gelten vorerst bis Ende März.
Aktuell spürten Kunden durch den E-Motoren-Engpass noch keine Auswirkungen auf die Lieferzeiten, heißt es bei VW. Dennoch sind die Lieferzeiten bei den betroffenen Modellen unterschiedlich hoch. So müssen Kunden laut dem Vergleichsportal Carwow derzeit sieben bis acht Monate auf einen Skoda Enyaq warten, was auf eine hohe Nachfrage oder zu geringe Produktionszahlen hindeutet. Für einen Audi Q4 e-tron müssen sich Kunden derzeit vier bis sechs Monate gedulden. Und für die beiden VW-Modelle ID.4 und ID. 5 beträgt die Wartezeit aktuell drei bis vier Monate.
Lange Wartezeiten für Käufer von Elektroautos
Wann die Situation in Kassel vollständig gelöst ist, ist derzeit unklar. In Unternehmenskreisen ist vom Sommer als angepeiltem Zeitraum die Rede. VW wollte die Zeitpläne nicht kommentieren.
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Zurzeit soll sich eine zweite Produktionslinie in Kassel für den Hochleistungsmotor im Aufbau befinden. Ein Teil einer dritten Fertigungslinie, die ursprünglich im ungarischen Györ geplant war, soll ebenfalls nach Kassel kommen.
Mitte Februar findet ein Standortsymposium bei VW in Kassel statt, zu dem unter anderem VW-Markenchef Thomas Schäfer und Technikvorstand Thomas Schmall erwartet werden. Dort dürfte das E-Motoren-Thema unweigerlich adressiert werden. Der Termin findet nämlich in einer der Hallen statt, in der eine künftige Produktionslinie für den APP550 aufgebaut werden soll.
Erstpublikation: 25.01.2024, 12:17 Uhr.