Siemens: Aufsichtsratschef Snabe kann Hauptversammlung nicht leiten
München. Siemens-Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe kann die Hauptversammlung im Februar nicht leiten. Wegen einer Beinverletzung könne Snabe nicht persönlich an der Veranstaltung teilnehmen, teilte Siemens am Mittwoch mit. Das Aktionärstreffen solle von Stellvertreter Werner Brandt geführt werden.
Er bedauere sehr, dass er sich nicht persönlich mit den Aktionären austauschen könne, sagte Snabe laut Mitteilung. Er sei dankbar, dass Brandt übernehme, während er sich erhole. Siemens-Chef Roland Busch sagte: „Wir wünschen Jim Snabe von ganzem Herzen alles Gute für seine Genesung.“ Brandt ist seit 2018 im Siemens-Aufsichtsrat, er führt auch das Kontrollgremium von RWE.
Snabe wird voraussichtlich noch öfters Gelegenheit haben, als Chefkontrolleur eine Siemens-Hauptversammlung zu leiten. Nach Informationen des Handelsblatts hat er sich intern entgegen ursprünglichen Ankündigungen zu einer dritten Amtszeit bereiterklärt. Wenn bis zum kommenden Sommer kein passender Nachfolger gefunden sei, gehe er in die Verlängerung.
Darum zögerte Snabe mit einer Verlängerung bei Siemens
Eigentlich wollte Snabe aus Gründen der guten Unternehmensführung im nächsten Jahr aufhören. Der Corporate Governance Kodex sieht nach zwölf Jahren Mitgliedschaft im Aufsichtsrat die Unabhängigkeit von Kontrolleuren gefährdet. Snabe erreicht diese Grenze im Verlauf des Jahres 2025.
Allerdings hat es Snabe versäumt, einen Nachfolger aufzubauen. „Wir sehen aktuell keine tragfähige Alternative“, sagte ein Aufsichtsrat dem Handelsblatt. Daher gebe es sowohl auf der Kapital- als auch auf der Arbeitnehmerseite in dem Kontrollgremium Unterstützung für eine weitere Amtszeit. „Er hat es gut gemacht und ist allseits akzeptiert.“
Intern gibt es niemanden, der sich für die Nachfolge aufdrängt. Zwischenzeitlich war Ex-Adidas-Chef Kasper Rorsted im Gespräch. Er hat aber nach Einschätzung in Aufsichtsratskreisen seit seinem Abgang bei dem Sportartikelkonzern keine Chancen mehr, zumal er bei den Arbeitnehmern kaum vermittelbar sei. Gesucht werde zudem ein Digitalisierer.
Daher läuft nun vieles auf Snabe zu, zumal ihm die Aufgabe laut seinem Umfeld weiterhin viel Spaß macht. Eine Vorentscheidung soll aber erst im Sommer fallen.
Die Hauptversammlung von Siemens soll auch in diesem Jahr – zum Unmut mancher Aktionärsvereinigung – rein virtuell stattfinden. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hatte bemängelt, dass es bei mehr als einem Drittel der rein virtuellen Aktionärstreffen Probleme gegeben habe.
Erstpublikation: 24.01.2024, 11:39 Uhr.