Geoökonomie: Chinas wichtigster Tech-Konzern erobert immer mehr Branchen
- Der Konzern Huawei ist der Schlüsselbaustein für Chinas Wachstumsstrategie. Trotz westlicher Sanktionen steigt das Unternehmen gerade zu einem Mega-Tech-Konzern auf und erscheint dabei faszinierend und bedrohlich zugleich.
- Verlässlicher Technologiepartner oder Trojanisches Pferd für Pekings Interessen? Handelsblatt-Reporter erhielten vor Ort tiefe Einblicke in Huaweis Geschäftspraktiken.
- Chinas technologische Aufholjagd verändert das Kräfteverhältnis in Asien. US-Historiker Chris Miller warnt deshalb im Interview mit dem Handelsblatt vor einem wachsenden Kriegsrisiko.
In einer unscheinbaren Halle am Stadtrand von Dongguan, Südchina, fertigt Huawei eine nationale Ikone. Die Maschinen bedrucken Platinen, bekleben sie mit winzigen Chips, montieren Hightech-Kameras. Dann spielen sie die Software auf: Ein Betriebssystem namens „Harmony“. Fotos sind nicht erlaubt. Die wenigen Besucher, denen hier Einlass gewährt wird, müssen Kameras oder Handys abgeben.
Pro Tag, sagt Huawei, entstünden hier 2600 Smartphones des Typs Mate 60 Pro. Huaweis Spitzenprodukt – und Quell tiefen Stolzes. Durch eine Glasscheibe ist zu sehen, wie Beschäftigte den Prozess steuern und überwachen. Die Verpackung am Schluss geschieht per Hand.
Auf Plakaten an der Wand werden die Innovatoren in der Belegschaft geehrt: Dort prangen Foto und Name neben der Angabe, um wie viele Sekunden ihre Idee die Produktion verkürzt hat. Für drei Sekunden gibt es einen Sack Reis, für sieben eine Mikrowelle, ausgestellt im Essensbereich am Ende der Halle.
Das Mate 60 Pro, das im Handel umgerechnet rund 1100 Euro kostet, gilt als Huaweis Befreiungsschlag. Es ist das erste Modell, das die hohen Geschwindigkeiten des neusten Mobilfunkstandards 5G erreicht. Damit kann der Konzern, der vor strengen Sanktionen der USA einmal der größte Smartphone-Hersteller der Welt war, wieder zu Konkurrenten wie Apple oder Samsung aufschließen.