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  4. Nordkorea macht Japan Hoffnung auf Gipfeltreffen – unter zwei Bedingungen

NordkoreaKims Schwester verblüfft mit „persönlicher Erklärung“

Seit Langem versucht Japans Regierungschef Kishida, Gespräche mit Nordkorea aufzunehmen. Nun überrascht die Schwester von Kim Jong Un mit einer diplomatischen Offerte.Martin Kölling 16.02.2024 - 18:21 Uhr
Kim Yo Jong, Schwester von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, wendet sich an Japan. Foto: AP

Tokio. Der Militärpakt mit Kremlchef Putin, die lauten Kriegsdrohungen gegen Südkorea, das Streben nach Atombomben: Mit zunehmender Besorgnis blickt der Westen auf die Gebaren von Kim Jong Un.

Doch nun gibt es nach langer Zeit wieder Hoffnung auf ein Ende der Sprachlosigkeit zwischen dem Westen und Pjöngjang. Das einzige demokratische Land in Asien, mit dem Nordkorea überhaupt noch redet, hat nun ein positives Signal aus der kommunistischen Diktatur erhalten: Kims Schwester Kim Yo Jong zog erstmals öffentlich die Möglichkeit eines Gipfeltreffens mit Japans Premierminister Fumio Kishida in Betracht. Es wäre das erste Spitzentreffen seit 2002 und eine diplomatische Sensation.

Nordkoreas staatliche Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichte dazu  eine „persönliche Erklärung“ von Kim Yo Jong, die offiziell stellvertretende Abteilungsleiterin im Zentralkomitee der nordkoreanischen Arbeiterpartei ist. Sie werde zwar die bilateralen Beziehungen nicht offiziell kommentieren, betonte Kim Yo Jong, doch es könne „der Tag kommen, an dem der japanische Premierminister Pjöngjang besucht“.

In Japans Regierung sorgte die Äußerung sofort für hohe Aufmerksamkeit. Man nehme die Äußerungen von Kims Schwester sehr ernst, antwortete der frühere japanische Außenminister und jetzige Regierungssprecher Yoshimasa Hayashi am Freitag. Tatsächlich steht die nordkoreanische Hauptstadt schon länger auf Kishidas Wunschliste. Seit rund zwei Jahren verhandelt seine Regierung mit Vertretern von Diktator Kim.

Im vergangenen Jahr verstärkte Kishida sein Werben. Immer wieder erklärte er öffentlich, er sei offen für Gespräche „ohne Vorbedingungen“. Einige Kommentatoren vermuten, er wolle seine geringe Popularität durch einen außenpolitischen Erfolg steigern. Politische Beobachter vermuten indes, dass es ihm vor allem aber um geostrategische Ziele geht, denn ein Krieg in Korea würde die ganze Weltregion in Aufruhr versetzen.

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Auch Nordkorea ist an Gesprächen mit Japan interessiert. Nordkorea-Experte Frederic Spohr, Büroleiter der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung in Südkorea, sagt: „Kims Motiv könnte es sein, einen Keil in die trilaterale Allianz zwischen Japan, Südkorea und den USA zu treiben.“

Während die US-Regierung die neuesten Signale aus Nordkorea  grundsätzlich positiv bewertete, ließ Südkorea Skepsis erkennen. Ein Sprecher des südkoreanischen Außenministers sagte, die Kontakte müssten auch einer Denuklearisierung Nordkoreas dienen.

Tatsächlich blickt Südkorea mit Sorge auf das zunehmend aggressive Verhalten Kims. Vielfach wird befürchtet, der Machthaber rüste sich für einen Krieg gegen das verfeindete Bruderland. Politische Beobachter gehen davon aus, dass die neue Waffenbruderschaft zwischen Nordkorea und Russland Kim einen enormen Schub an Selbstvertrauen gebracht hat. Pjöngjang liefert Russland Waffen für den Ukrainekrieg und erhält im Tausch wahrscheinlich auch militärische Hilfe.

Doch es könnte Kim nicht nur darum gehen, die fest gefügte Allianz gegen Nordkorea zu schwächen. „Ein weiteres Motiv könnte ganz profan auch Geld sein“, sagt Spohr. Japan war in der Vergangenheit nicht nur als offizieller Geldgeber wichtig, Nordkorea profitierte auch von den Überweisungen seiner in Japan lebenden Landsleute. Heute leben rund 600.000 Menschen mit koreanischer Staatsbürgerschaft in Japan.

Zwei Themen sollen tabu bleiben

Sollte es tatsächlich zu einem Gipfeltreffen kommen, wird dies für Kishida eine diplomatische Herausforderung sein. „Kims Schwester hat ihre persönliche Erklärung mit Giftpillen gespickt“, sagt Spohr. So gilt als sicher, dass der Premier auch die atomare Aufrüstung Nordkoreas ansprechen wird, denn auch Japan liegt in Reichweite von Kims Raketen. Doch genau dieses Thema will sie ausklammern. Nur so sei ein positiver Verlauf des Gesprächs möglich, sagt sie.   

Nordkoreas Diktator Kim mit seiner Schwester: Schwierige Diplomatie mit dem Westen. Foto: REUTERS

Und dann gibt es noch eine zweite Hürde für konstruktive Gespräche. Es geht um eine Geiselaffäre der Vergangenheit, die die Gemüter in beiden Ländern noch immer erhitzt. In den 1970er- und 1980er-Jahren waren Japaner nach Nordkorea entführt worden. Im Jahr 2002 traf der damalige Regierungschef Junichiro Koizumi mit Kims Vater Kim Jong Il zusammen, der sich für die Entführungen entschuldigte.

Nordkorea gab damals an, es habe sich bei den Entführten um 13 Japaner gehandelt, eine Zahl, die in Japan angezweifelt wird. Acht seien gestorben. Die fünf Überlebenden ließ Nordkorea nach Japan ausreisen, die angeblichen Gebeine der Toten wurden überstellt. Doch was zunächst wie eine Geste der Wiedergutmachung aussah, entwickelte sich zu einem diplomatischen Desaster.

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Es war ein Gentest, der die Empörung auslöste. Der Laborbefund bewies, dass es sich bei den von Nordkorea überstellten Gebeinen gar nicht um die Überreste der verstorbenen Entführten handelte. Der rechte Flügel der regierenden Liberaldemokratischen Partei unter dem damaligen Premierminister Shinzo Abe machte daraufhin die Lösung der Entführungsfrage zur Vorbedingung für Kontakte. Nordkorea besteht bis heute darauf, dass diese Frage bereits geklärt wurde.

Kims Schwester Kim Yo Jong ließ in ihrer Botschaft an Japan keinen Zweifel: Wenn Kishida darauf verzichte, die Themen atomare Bewaffnung und Geiselaffäre anzusprechen, „gibt es keinen Grund, warum sich die beiden Länder nicht annähern könnten“. Es dürfte Kishida allerdings schwerfallen, diese beiden für Japan so zentralen Themen komplett auszuklammern.

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