1. Startseite
  2. Technologie
  3. Forschung + Innovation
  4. Warum München deutschlandweit die meisten Start-Ups hervorbringt

Start-up-ÖkosystemMünchen statt Berlin – Wie an deutschen Unis mehr Start-ups entstehen sollen

Die TU München führt alle Start-up-Ranglisten an. Das Konzept dient nun als Vorlage für einen Wettbewerb, der aus mehr Akademikern Gründer machen soll. Reicht das aus?Nadine Schimroszik 27.02.2024 - 15:47 Uhr
Absolventen der Technischen Universität München stehen hoch im Kurs sowohl bei deutschen als auch bei internationalen Arbeitgebern. Foto: Andreas Heddergott /TUM

Berlin. Daniel Khachab ist von Berlin enttäuscht. „Ich lebe seit zehn Jahren hier und war anfangs zuversichtlicher, was den Standort betrifft“, sagt der Chef und Gründer der Gastro-App Choco dem Handelsblatt. Inzwischen mangele es an Wohnraum, und die universitäre Ausbildung hinke hinterher. „Wir brauchen in Berlin eine Uni, die internationale Top-Talente hervorbringt“, sagt der gebürtige Münchener mit Blick auf das Start-up-Ökosystem.

Statt der Hauptstadt gilt München inzwischen als Leuchtturm in Deutschland – zumindest wenn es um Innovationen geht, die direkt an den Hochschulen entstehen und in die Wirtschaft übertragen werden.

Das passiert nach Meinung der Vorsitzenden des Start-up-Bundesverbands, Verena Pausder, noch viel zu selten: „Deutschland hat eine Weltklasse-Forschung. Doch aus dieser Forschung entstehen noch zu selten echte Produkte und Unternehmen.“

Nun soll München und allen voran die dortige Technische Universität (TUM) als Blaupause für Hochschulen in ganz Deutschland dienen, um  mehr Akademiker zu Gründern zu machen. Dafür startet das Bundeswirtschaftsministerium nun – mit einiger Verspätung wegen des Haushaltsstreits – den sogenannten „Leuchtturmwettbewerb Startup Factories“, wie das Handelsblatt exklusiv erfuhr.

„Damit wird ein zentrales Vorhaben der Start-up-Strategie der Bundesregierung umgesetzt, nämlich Ausgründungen aus der Wissenschaft zu forcieren“, sagt die Start-up-Beauftragte Anna Christmann (Grüne). 

TU München führt Start-up-Ranking an

Seit Jahren führt die TUM mit großem Abstand die Rangliste der Hochschulen in Deutschland an, die die meisten Start-ups hervorbringen. 2021 entstanden dort 114 Jungfirmen, wie aus einer von der TUM für das Handelsblatt erstellten Skala hervorgeht.

Die Nummer zwei – die Technische Universität Berlin – kam in dem Jahr auf weniger als die Hälfte. Jüngere Daten liegen noch nicht vor.

Der Erfolg der Münchener hängt im Wesentlichen mit dem von der Unternehmerin Susanne Klatten mit initiierten und finanzierten Innovations- und Gründungszentrum, der UnternehmerTUM GmbH, zusammen. Das Zentrum unterstützt seit 22 Jahren Start-ups und Gründer.

Mittlerweise waren das mehr als 1000 Jungunternehmen. Darunter befinden sich bekannte Namen wie der Mobilitätsanbieter Flix, die Raketenfirma Isar Aerospace, der Flugtaxi-Entwickler Lilium, das Heizungs-Start-up Tado und auch das derzeit wertvollste Start-up Deutschlands, das Softwareunternehmen Celonis.

„Die Gründungsberatung der TUM hat uns wichtige Hinweise und Hilfestellungen gegeben“, erinnert sich Bastian Nominacher, Co-Chef und Mitgründer von Celonis. „Darüber hinaus haben uns beispielsweise die Lehrstühle für Wirtschaftsinformatik, Industrial Design und Entrepreneurship dabei geholfen, ein tragfähiges Geschäftsmodell und eine klare Firmenidentität zu entwickeln.“

Bastian Nominacher ist Mitgründer des Softwareunternehmens Celonis. Foto: Deutscher Zukunftspreis

Solche Erfolgsgeschichten ermutigen Nachahmer. „Unsere Start-up-Pipeline ist trotz des schwierigen Finanzierungsumfelds voll“, sagt UnternehmerTUM-Geschäftsführer Helmut Schönenberger, der auch wesentlich an der Gestaltung des Leuchtturmwettbewerbs mitwirkte. „Die Hochschulen und die Wirtschaft müssen Hand in Hand gehen“, betont Schönenberger. Start-up-Fabriken wie die in München seien eine Chance für einen Aufbruch.

Dieser ist nötig. Deutschland ist im vergangenen Jahr in eine Rezession gerutscht. Die Zahl der Start-up-Insolvenzen ist so hoch wie nie zuvor. Zugleich ist es so schwer wie lange nicht, von Investoren Finanzierungen zu erhalten.

Insgesamt erhielten die Jungunternehmen im vergangenen Jahr sechs Milliarden Euro – das waren 39 Prozent weniger als im Vorjahr, wie aus einer Analyse der Beratungsgesellschaft EY hervorgeht. Inzwischen wird auch seltener gegründet.

Fünf bis zehn neue Ökosysteme geplant

Der Leuchtturmwettbewerb startet nun mit der Konzeptphase, in der interessierte Hochschulen zusammen mit Partnern ihre Vision entwickeln sollen. Diese muss bis Mitte April eingereicht werden. Danach werden die Konzepte bewertet und einer Jury vorgelegt, die entsprechend aussiebt.

Handelsblatt Disrupt

DHDL-Jurorin Tijen Onaran "Ich habe immer diese permanente Angst, dass morgen einfach alles weg ist"

14.09.2023
Abspielen 58:10

Wer es eine Runde weiter schafft, erhält 150.000 Euro für die weitere Ausarbeitung. Davon können bis zu 15 Hochschulen profitieren.

Ganz am Ende können laut der Grünen-Politikerin Christmann an fünf bis zehn Orten neue Start-up-Ökosysteme geschaffen werden. Einige Hochschulen wollen sich auch zusammentun. Wie die Zentren letztlich genau aussehen sollen und welche Leistungen sie anbieten, wird noch geklärt.

Anna Christmann, Start-up-Beauftragte der Bundesregierung, will Ausgründungen aus der Wissenschaft fördern. Foto: imago images/Arnulf Hettrich

Für die Finanzierung der „Startup Factory“ sind dann mindestens 50 Prozent private Mittel einzuplanen, heißt es weiter. Damit orientiert sie sich an der Münchener Handhabe. So liegt der finanzielle Beitrag der öffentlichen Hand bei UnternehmerTUM bei rund einem Fünftel.

„Bei bis zu zehn Startup Factories werden wir diese über fünf Jahre mit bis zu 100 Millionen Euro unterstützen, und die privaten Partner müssen mindestens die gleiche Summe obendrauf legen. Das ist schon ein neuer Wumms in der Gründungsfinanzierung“, sagt Christmann.

Verena Pausder: Fördersumme ist „Peanuts“

Ob das ausreicht, sieht Verbandschefin Verena Pausder allerdings kritisch. „Im Vergleich zu zweistelligen Milliardensubventionen für einen US-Chiphersteller sind das Peanuts“, sagt sie unter Verweis auf die Gelder, die für Intel in Magdeburg fließen. „Allein aus wirtschaftlicher Notwendigkeit heraus muss sich Deutschland die Frage stellen, wie wir ein gründungsfreundlicher Standort sein können.“

Verwandte Themen
Deutschland

Der Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer, Sebastian Stietzel, macht klar, wohin Deutschland seiner Meinung nach schauen sollte: „Unser Konkurrent ist nicht die nächste Großstadt in Deutschland, vielleicht noch nicht mal die nächste Metropole in Europa, sondern unser Wettbewerb findet mit Metropolen weltweit statt.“

Erstpublikation: 27.02.2024, 04:02 Uhr

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt