Rückversicherer: Munich Re verdient Milliarden und erhöht Dividende deutlich
Frankfurt. Die Munich Re hat im vergangenen Jahr mehr verdient als erwartet und bleibt angesichts steigender Preise auch für 2024 zuversichtlich. Der Nettogewinn habe sich 2023 auf 4,6 Milliarden Euro verbessert, teilte der weltgrößte Rückversicherer am Dienstag mit. Das Unternehmen hatte sich selbst 4,5 Milliarden Euro als Ziel gesetzt, Analysten hatten mit knapp 4,6 Milliarden Euro gerechnet.
Zum dritten Mal in Folge habe die Munich Re das Gewinnziel übertroffen und die operative Leistungsfähigkeit aller Segmente unter Beweis gestellt, sagte Vorstandschef Joachim Wenning. „Bis auf systemische Risiken – zum Beispiel Cyber und Pandemie – ist unser Appetit, existenzielle Risiken für Menschen und Unternehmen zu decken, noch lange nicht erschöpft.“
Die Aktie notierte am Dienstag unverändert bei rund 422 Euro. In den vergangenen zwölf Monaten stiegen die Kurse der Anteilsscheine um ein Drittel. Und Analysten sehen noch Luft nach oben.
Barclays-Analystin Claudia Gaspari sieht das Kursziel bei 441 Euro, die Berenberg Bank bei 440 Euro. Berenberg-Analyst Michael Huttner sieht eine „Sympathie der Investoren“ für europäische Rückversicherer insbesondere in den USA und Kanada. Auch die Großbank UBS und das Bankhaus Metzler zählen Munich-Re-Aktien zu ihrer präferierten Wahl.
Das hat vor allem auch mit dem Geschäft der Rückversicherer zu tun. Rückversicherer versichern Endkundenversicherer wie Allianz oder Axa gegen unkalkulierbare Großschäden wie Tsunamis oder verheerende Unwetter. Dafür erhalten sie einen Teil der Kundenprämien.
Munich Re profitierte im vergangenen Jahr von einem für Rückversicherer günstigen Marktumfeld und konnte zuletzt höhere Preise durchsetzen. Gleichzeitig musste der Konzern im abgelaufenen Quartal weniger Geld ausgeben, weil es kaum versicherte Großschäden gegeben hatte.
Warum Versicherer Milliarden verdienen
Auch das Zinsumfeld trägt dazu bei, dass Versicherer aktuell viel Geld verdienen. Die Konzerne investieren Milliarden von Kundengeldern an den Kapitalmärkten, hauptsächlich in festverzinsliche Papiere wie Staats- oder Unternehmensanleihen. Viele davon sind besser verzinst, seit vor allem Zentralbanken in Europa und den USA ihre Leitzinsen angehoben haben.
Auf der Kostenseite zeigt sich ein Vorteil gegenüber klassischen Industriefirmen und ihren Aktien: Denn eine Versicherung braucht zwar Büros, aber keine Fabrik und entsprechend weniger Investitionen. Und die Schäden, für die eine Versicherung in einem Geschäftsjahr aufkommen muss, lassen sich vorab abschätzen. Mit anderen Worten: Die Vorstände einer Versicherung wissen am Anfang des Jahres meist schon recht gut, wie viel das Unternehmen an dessen Ende verdienen wird.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr war der größte Schaden, für den die Munich Re aufkommen musste, eine Erdbebenserie im Südosten der Türkei sowie im syrischen Grenzgebiet. Der Rückversicherer zahlte hierfür nach eigenen Angaben 700 Millionen Euro. Zuletzt hatte das Unternehmen Perils, eine spezialisierte Beratungsfirma für die Modellierung von Schäden nach Katastrophen, ihre Prognose zu den Kosten des Erdbebens in der Türkei massiv angehoben.
Gewinnziel bekräftigt
Für das laufende Jahr bekräftigte der Dax-Konzern sein Gewinnziel von fünf Milliarden Euro. In einem anhaltend günstigen Marktumfeld werde die Munich Re ihre starke Position nutzen, um noch mehr profitables Wachstum zu generieren, hieß es. Bei den Vertragsverhandlungen mit den Erstversicherern zum Jahreswechsel habe die Munich Re 3,5 Prozent mehr Geschäft abgeschlossen, hieß es weiter. Dabei seien die Preise risikoadjustiert um 0,3 Prozent erhöht worden.
Bei riskanten Engagements rief Munich-Re-Chef Wenning nach dem Staat. Es gebe einen „Trend zu hohen Schäden durch immer häufigeres Extremwetter“, hieß es. Der Staat solle mit Präventionsmaßnahmen dafür sorgen, dass die Schäden durch Flut und andere Naturkatastrophen kleiner ausfallen.
Noch deutlicher wurde Wenning beim Thema Cyberrisiken. Der globale Cyberversicherungsmarkt habe sich zwar innerhalb von fünf Jahren verdreifacht. „Trotzdem sind heutzutage weniger als ein Prozent der globalen Schäden durch Cyberangriffe versichert“, warnte er.
Der Ausfall kritischer Infrastruktur oder ein Cyberkrieg könnten auch von den Versicherern nicht allein getragen werden. „Das würde bei Weitem das Eigenkapital der gesamten Branche übersteigen.“ Ein staatlicher „Backstop“, also die Übernahme der Kosten durch den Staat ab einer gewissen Schadenhöhe, habe „das Potenzial, eine Lösung für dieses komplexe Problem zu sein“, meinte Wenning.
Munich Re erhöht Dividende und kauft Aktien zurück
Der Rückversicherer hatte zudem bereits am Montag angekündigt, seine Dividende deutlich anzuheben und weitere 1,5 Milliarden Euro über einen Aktienrückkauf an seine Aktionäre auszuschütten. Die Dividende für das abgelaufene Jahr solle auf 15 Euro erhöht werden, teilte der Konzern mit. 2023 hatte das Institut 11,60 Euro je Aktie gezahlt. Analysten hatten jetzt mit einer Ausschüttung von 12,49 Euro gerechnet.
Zusätzlich will der Dax-Konzern eigene Aktien im Wert von bis zu 1,5 Milliarden Euro zurückkaufen und einziehen. Insgesamt erhielten die Aktionäre damit 3,5 Milliarden Euro.
Der Aktienkurs der Münchener hatte sich zuletzt außerordentlich gut entwickelt und viele Konkurrenten hinter sich gelassen. Nach der Anhebung der Dividende wird die Dividendenrendite von aktuell 2,75 auf 3,6 Prozent steigen.
Außerdem sollen von März bis Ende des Jahres eigene Aktien für bis zu eine Milliarde Euro aufgekauft und danach eingezogen werden. Ein 1,5 Milliarden Euro schweres Rückkaufprogramm hatte die Allianz bereits im November abgeschlossen.
Mit Agenturmaterial.