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Kanzlerkandidat der Union„Wir haben die K-Frage gelöst“

Friedrich Merz und Markus Söder präsentieren in Berlin das Europawahlprogramm von CDU und CSU. Sie wollen sich geschlossen geben und offenbaren doch, was sie trennt: die Kanzlerkandidatur.Daniel Delhaes, Lina Knees 11.03.2024 - 17:17 Uhr
CDU-Chef Friedrich Merz (l.) und CSU-Chef Markus Söder demonstrieren in Berlin Einigkeit. Foto: picture alliance/dpa

Berlin. Der seltene Gast verlässt so schnell es geht das Konrad-Adenauer-Haus. Durchs Treppenhaus? Nein, geradeaus weisen die Begleiter von Markus Söder den Weg nach draußen. Vor der Berliner CDU-Zentrale wartet ein dunkler 7er-BMW. Söder steigt ein, das Fahrzeug fährt los. Zurück bleiben sein Generalsekretär und die CSU-Entourage.

Der CSU-Chef hat gerade eine 45-minütige Pressekonferenz mit CDU-Chef Friedrich Merz, EU-Kommissionspräsidentin und Spitzenkandidatin der Europäischen Volkspartei (EVP) Ursula von der Leyen sowie dem Partei- und Fraktionschef der EVP, Manfred Weber, hinter sich gebracht. Söder ist erkältet, steht schwerfällig am Pult. Merz hingegen lehnt entspannt an seinem und lächelt. Der CDU-Parteichef will an diesem Tag keinen Zweifel lassen: Er ist die Nummer eins.

Auf der Bühne geht es vordergründig um das gemeinsame Programm für die Europawahl, um „Sicherheit im umfassenden Sinne“ und die  „Wettbewerbsfähigkeit der Industrie“, wie Merz erklärt. Es habe zwischen CDU und CSU selten „eine so persönliche und in der Sache große Übereinstimmung“ gegeben. Söder redet von einem „Signal des Vertrauens“ und dankt sogar Merz für „Union pur“ im Wahlprogramm.

Und doch stehen da vorn Rivalen um die Kanzlerkandidatur. Linksaußen der 68-jährige Sauerländer, der drei Anläufe brauchte, bevor ihm eine Mehrheit den CDU-Vorsitz übertrug. Rechtsaußen der 55-jährige Franke, der 2021 die Chuzpe besaß, den Chef der großen Schwester, Armin Laschet, in der Kandidatenfrage die Stirn zu bieten. Söder trauen sie in der CDU jederzeit einen neuen Vorstoß zu, auch wenn er eine Kandidatur selbst als „extremst unwahrscheinlich“ bezeichnet hat.

Merz hat die Schwesterparteien in den nunmehr zwei Jahren und 40 Tagen zu befrieden versucht. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit traf er sich mit Söder und sendete versöhnliche Bilder vom oberbayerischen Kirchsee in die Welt.

CDU-Chef Friedrich Merz (v. l.), EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Partei- und Fraktionschef der EVP, Manfred Weber, und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU): Die Union legt die Marschrichtung für die Europawahlen fest. Foto: REUTERS

Kein zerrissenes Tischtuch mehr wie in der Flüchtlingskrise. Beide stimmen sich eng ab, telefonieren montagsfrüh und legen die Marschrichtung für die Woche fest. Es gebe in vielen Fragen Übereinstimmung, zu 99 Prozent, heißt es in der CSU-Führung.

In der CDU reden sie von „Teamgeist“

In der CDU ist auch längst so etwas wie ein Teamgeist entstanden. Am Sonntagabend etwa trafen sich die Präsidiumsmitglieder zum Abendessen mit Merz, dieses Mal im Humboldtforum in Berlin-Mitte. Sie und ein paar Leute mehr haben das neue Grundsatzprogramm erdacht, waren dazu drei Tage lange im italienischen Cadenabbia in Klausur und haben später noch anderthalb Tage in der Parteizentrale am Entwurf gefeilt.

„Dieser ganze Grundsatzprogrammprozess war nicht nur wichtig für die Partei nach innen“, berichtet ein Teilnehmer. „Es war vor allem auch eine große Teambuilding-Maßnahme für und um den Parteivorsitzenden.“

Hinzu kamen Vieraugengespräche, regelmäßige Telefonate untereinander. Merz höre zu und zeige Verständnis für andere Positionen, berichten auch seine Gegner. „Seit der Neuaufstellung gab es keine neuen Gräben mehr“, heißt es zufrieden in der Parteiführung.

Parteitag

Bloß keine Unruhe um das Team Merz – CDU-Spitze will Kampfkandidaturen vermeiden

Den Entwurf des Grundsatzprogramms präsentiert Merz seit zwei Wochen auf Regionalkonferenzen und lässt sich dort feiern. Philipp Amthor, verantwortlich für das Kapitel Staatsmodernisierung, hat nach eigenem Bekunden gleich 15 neue Mitglieder geworben. Andere wie Parteivize Andreas Jung berichten, sie würden auf Terminen angesprochen, wie man Mitglied werden könne. „Die Stimmung ist gut“, heißt es unisono in der Partei. Merz sitze „fest im Sattel“.

Was wird aus Markus Söder?

Für Markus Söder steht die Frage im Raum, was er noch erreichen will. Die CSU zurück zur absoluten Mehrheit zu führen, dürfte angesichts von AfD und Freien Wählern kaum zu schaffen sein. Bundeskanzler hätte sich in seinem Lebenslauf gut gemacht. Superminister in Berlin scheidet derzeit für Söder aus.

Allein die Umfragewerte könnten Merz noch einen Strich durch die Rechnung machen. Dann stünde er bereit. Derzeit liegen die Werte aber stabil um die 30 Prozent, zu wenig für einen Wahlsieg, zu viel für laute Zweifler.

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Er habe 2021 gar nicht kandidieren wollen, man habe ihn gerufen, soll Söder in der Union kokettieren. Inzwischen frotzeln einige, er stünde jeden Tag auf dem Kirchturm von Nürnberg und horche, ob ihn nicht noch einmal jemand rufe. Doch da rufe niemand.

Auf die Frage nach der Kanzlerkandidatur pariert Merz an diesem Montag souverän mit dem Hinweis: Alles zu seiner Zeit. Söder hat sich sogar eine Antwort vorbereitet: „Wir haben die K-Frage gelöst“, sagt er. Schließlich solle doch Ursula von der Leyen Kommissionspräsidentin werden, Betonung auf dem K. „Damit ist die K-Frage entschieden.“

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