Hannover Rück: Der dritte Dax-Versicherer erhöht die Dividende
Köln. Die Aktionäre der Hannover Rück dürfen sich angesichts steigender Gewinne über eine höhere Ausschüttung freuen. Der Rückversicherer hebt für das abgelaufene Jahr die Dividende um ein Fünftel an – auf 7,20 Euro je Aktie nach 6,00 Euro im Jahr zuvor. 1,20 Euro davon würden als Sonderdividende gezahlt, teilte der weltweit drittgrößte Rückversicherer am Montag in Hannover mit.
Der Nettogewinn hat sich 2023 von 0,8 auf 1,8 Millionen Euro mehr als verdoppelt und die eigenen Erwartungen von 1,7 Milliarden Euro übertroffen. Dabei profitierte die Tochter des Versicherungskonzerns Talanx von einer extrem niedrigen Steuerbelastung sowie einem unerwartet guten Kapitalanlageergebnis.
Damit steht Hannover Rück nicht allein da. Auch der Konkurrent und weltgrößte Rückversicherer Munich Re hatte 2023 seinen Gewinn auf 4,6 Milliarden Euro deutlich erhöhen können. Die Allianz, der dritte Versicherer im Deutschen Aktienindex Dax, erhöhte das operative Ergebnis um sieben Prozent auf 14,7 Milliarden Euro. Beide haben ebenso ihre Dividenden angehoben.
Zinssenkung und Großschäden sind Gefahren für Versicherer
Aktien europäischer Versicherer entwickeln sich derzeit prächtig. Der Wertzuwachs seit Jahresbeginn liegt bei elf Prozent, verglichen mit fünf Prozent im weiteren europäischen Markt, zeigen Daten der Deutschen Bank.
Für das aktuelle Jahr kommen einige Herausforderungen auf die Versicherungsbranche zu. Eine davon ist die Zinswende, die sich beim Kapitalanlageergebnis bemerkbar machen wird.
Sollten die Leitzinsen weltweit sinken, schrumpfen auch die Kapitalanlageergebnisse. Versicherer, die Milliardensummen investieren, würden darunter leiden. Bei Hannover Rück stieg der Ertrag aus eigenen Investments zwischen 2022 und 2023 noch von 0,96 auf 1,6 Milliarden Euro.
Außerdem könnten die Großschäden in diesem Jahr deutlich höher ausfallen als 2023, das als relativ mildes Schadensjahr gilt. Bei Hannover Rück blieben die Großschäden mit 1,6 Milliarden Euro im budgetierten Rahmen. Für das Jahr 2024 kalkuliert der Konzern 1,825 Milliarden Euro für Großschäden ein.
Die hohen Ausschüttungen ergeben daher doppelt Sinn: Einerseits haben Versicherer zuletzt viel Geld verdient und wollen ihre Aktionäre daran teilhaben lassen. Andererseits lauern Risiken, die künftige Anteilseigner abschrecken könnten. Mit einer höheren Dividende sollen bestehende Teilhaber gehalten und neue angelockt werden.
>> Lesen Sie hier: Wie der Fachkräftemangel deutsche Konzerne belastet
Analysten der UBS gehen davon aus, dass eine relativ harmlose Katastrophenaktivität es der Hannover Rück wahrscheinlich ermöglicht hat, ihre Reservepuffer im Jahr 2023 wieder aufzufüllen. Das dürfte auch 2024 der Fall sein, so die Experten – zulasten des Gewinnwachstums.
Die Hannover Rück bestätigt die Annahme zumindest für das abgelaufene Jahr. Der Konzern habe die Gelegenheit genutzt, mehr Rückstellungen in der Schaden-Rückversicherung zu bilden, um die Puffer für künftige Schäden zu erhöhen, erklärte Finanzvorstand Clemens Jungsthöfel. Auch deshalb blieb das operative Ergebnis (Ebit) in der Schaden-Sparte mit 1,1 Milliarden Euro um eine halbe Milliarde hinter den eigenen Erwartungen zurück.
Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz bekräftigte das Ziel, den Nettogewinn im laufenden Jahr auf mindestens 2,1 Milliarden Euro zu steigern: „Mit den erfolgreichen Vertragserneuerungen und dem weiteren Ausbau unserer Resilienz im Geschäftsjahr 2023 haben wir wichtige Voraussetzungen geschaffen, um zuversichtlich auf unsere gesetzten Ziele für 2024 blicken zu können.“
Der Rückversicherungsumsatz soll sich währungsbereinigt um mehr als fünf Prozent erhöhen. 2023 wäre er ohne Wechselkurseffekte um 4,9 Prozent auf 24,5 Milliarden Euro gestiegen.
Das Unternehmen gab zeitgleich den Nachfolger bekannt für Deutschlandchef Michael Pickel, der Ende des Jahres in Ruhestand gehen wird. Thorsten Steinmann soll in den Vorstand berufen werden. Der Manager arbeitet derzeit beim Konkurrenten Swiss Re, wo er zuletzt für das Rückversicherungsgeschäft in Deutschland, den nordischen Ländern, Österreich, Zentral- und Osteuropa, den Niederlanden und der Schweiz verantwortlich war.
Nach einer Übergangsphase soll er nach Pickels Pensionierung zum 1. Januar 2025 den Vorstandsvorsitz der E+S Rück übernehmen, die innerhalb des Konzerns für das Deutschlandgeschäft zuständig ist. Außerdem soll er die Aufsicht über weitere Märkte in Kontinentaleuropa erhalten.
Mit Agenturmaterial.