Halbleiter: Biden verspricht Intel knapp 20 Milliarden Dollar für neue Werke in den USA
Chandler/Washington. Die US-Regierung will die Chipindustrie im Land mit weiteren Milliardensubventionen ankurbeln. Präsident Joe Biden kündigte am Mittwoch an, seine Regierung wolle dem US-Chipriesen Intel bis zu 8,5 Milliarden Dollar (rund 7,8 Milliarden Euro) an direkten Finanzmitteln und elf Milliarden Dollar (rund 10,1 Milliarden Euro) an Darlehen für Computerchipfabriken in vier US-Bundesstaaten zur Verfügung stellen.
Diese Finanzspritze solle dabei helfen, den US-Anteil an der weltweiten Produktion hochmoderner Chips bis zum Ende des Jahrzehnts auf 20 Prozent zu erhöhen.
Das kündigte Biden bei einem Besuch der Intel-Produktionsstätte in Chandler im Bundesstaat Arizona an. Bei dem Termin mit Intel-Chef Pat Gelsinger und anderen Mitarbeitern des Konzerns sagte Biden über Intel: „Sie bringen die Zukunft zurück nach Amerika.“
Aktuell werden fortschrittliche Chips, etwa für Smartphones, hauptsächlich in Taiwan vom Auftragsfertiger TSMC produziert. Die große Sorge im Westen ist, dass politische Spannungen mit China die Lieferungen der Halbleiter unterbrechen könnten – mit verheerenden Folgen für die Wirtschaft. Peking betrachtet den Inselstaat Taiwan als abtrünnige Provinz und Teil seines Staatsgebiets.
Die Intel-Aktie schloss am Mittwoch mit einem Plus von rund 0,3 Prozent. Auch die Papiere des Konkurrenten Nvidia legten zu.
Weitere Zusagen erwartet
Die Fördermittel sind Teil des „Chips and Science Act“, ein 2022 verabschiedetes Gesetzespaket, das rund 280 Milliarden Dollar für die heimische Chipforschung und -produktion vorsieht. Biden, der im November als Präsident wiedergewählt werden will, sieht im „Chips Act“ eines seiner zentralen politischen Vorhaben.
Biden erklärte am Mittwoch, die Covidpandemie habe zu einer akuten Verknappung von Halbleitern beigetragen, Fabriken zur Schließung gezwungen und die Preise in die Höhe getrieben. Schon davor sei ein großer Teil der Produktion nach Asien abgewandert. „Wir werden dafür sorgen, dass die fortschrittliche Halbleiterproduktion hier in Amerika nach 40 Jahren ein Comeback feiert.“
Handelsministerin Gina Raimondo sprach am Dienstag von einer der größten Investitionen, die jemals in die amerikanische Halbleiterindustrie getätigt wurden. Die Regierung hoffe, den Anteil der USA an der Weltproduktion fortschrittlicher Chips durch das Subventionsprogramm bis 2030 auf 20 Prozent zu erhöhen – von derzeit null Prozent.
Der Anteil der USA an der gesamten globalen Chipproduktion, die auch einfache Halbleiter umfasst, ist laut der Branchenorganisation Semiconductor Industry Association von 37 Prozent im Jahr 1990 auf zwölf Prozent im Jahr 2020 gesunken.
Die Fördervergabe an Intel ist die jüngste in einer Reihe von entsprechenden Entscheidungen Washingtons. In den kommenden Wochen wird die Bekanntgabe von Zuschüssen für das südkoreanische Unternehmen Samsung und das taiwanesische Unternehmen TSMC erwartet.
Insgesamt haben Privatunternehmen seit Bidens Amtsantritt Investitionen in Höhe von mehr als 240 Milliarden Dollar in die Halbleiter- und Elektronikfertigung angekündigt, wie die Zeitung „New York Times“ mit Berufung auf Regierungsangaben meldet.
In Deutschland wollen Intel in Magdeburg und TSMC in Dresden jeweils ebenfalls mit milliardenschweren Staatshilfen Chipfabriken hochziehen. In Italien und Frankreich dagegen hat Intel ähnliche Pläne nach Angaben der italienischen Regierung verschoben.
Mit Agenturmaterial.