Immobilien: Vier Umweltrisiken, die Sie vor dem Hauskauf kennen sollten
Frankfurt. Das Klima ändert sich schneller als bislang angenommen – darin sind sich Forscher einig. Beispiel Hitze: In 40 Jahren soll es in München so heiß sein wie heute in Marrakesch. Dazu kommen intensivere Gewitter, Starkregenfälle und Waldbrände. Das hat Folgen für Hausbesitzer, die in gefährdeten Gebieten wohnen, aber auch für potenzielle Immobilienkäufer.
So zahlten Versicherungen 2023 insgesamt 3,6 Milliarden Euro für Unwetterschäden an Wohnungen, Hausrat und Gewerben, berichtet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). In einigen Fällen können sich die Klimarisiken auch auf Immobilienwerte auswirken, zeigen Studien.
- Hitze
Wenn Temperaturen wie in Südfrankreich das neue Normal werden, kommt es schnell zur Überhitzung in Dachgeschosswohnungen. „Darauf sind unsere Gebäude gar nicht ausgerichtet“, sagt die Immobiliensachverständige Stephanie Schäfer. Wohnraum in der obersten Etage verliere dadurch an Attraktivität.
Um Hitze zu reduzieren, müssen Immobilienbesitzer investieren: eine bessere Dämmung, eine Klimaanlage oder Schatten spendende Jalousien. Das kostet Geld und müsste in den Wert einer Immobilie eingepreist sein – ist es in vielen Fällen aber noch nicht. Die Immobiliensachverständige ist sich sicher: „Das wird kommen.“
- Sturm und Hagel
Sturm und Hagel verursachen bei Versicherungen meist die höchsten Schäden: 75 Prozent der Versicherungszahlungen für Unwetterschäden gingen 2023 darauf zurück. Experten geben hier aber Entwarnung: „Wir haben keinen Anhaltspunkt dafür, dass sich die Sturmgefahr in Deutschland durch den Klimawandel erhöht“, sagt Andreas Becker, Abteilungsleiter für Klimaüberwachung beim Deutschen Wetterdienst (DWD).
Auch die Zahl der Hagelschauer werde konstant bleiben, aber die Größe der Körner könne zunehmen. Als besonders schadenträchtig gilt eine Größe ab fünf Zentimetern, von da an können Fassaden, Dachziegel oder Solaranlagen kaputt gehen. Auch solche Risiken sollten Hauskäufer einkalkulieren. Der Hagelhotspot liegt in Baden-Württemberg, in einem Streifen von Reutlingen über die Schwäbische Alb.
- Starkregen
Zunehmen hingegen wir das Risiko durch Überflutungen nach Regenfällen. „Starkregen trifft jeden“, warnt Wetterexperte Becker, Intensivität und Häufigkeit nähmen zu. Starkregenfälle mit Gewittern kommen nicht mehr nur alle 20 Jahre, sondern alle fünf bis zehn Jahre vor, sagt Becker.
Wie stark sich Flutrisiken auf den Wert einer Immobilie auswirken, hängt von Details ab. Zwei Häuser in der gleichen Straße können unterschiedlich betroffen sein, je nach Lage. Das klingt logisch, Beachtung findet es aber noch nicht: „Ob das Haus höher oder tiefer liegt, wird von Käufern nicht berücksichtigt“, sagt Immobilienexpertin Schäfer. „Aber das wird kommen, sobald der Markt transparenter ist.“
Noch fehlen allerdings Informationen, um solche Klimarisiken einzuordnen. Daher rät Schäfer, Adressen auf den Flutrisikokarten zu suchen, die Kommunen veröffentlichen.
Zudem können Studien Hinweise auf eine mögliche Größenordnung von Wertverlusten bei Immobilien geben. Laut einer Studie der Universität Regensburg führt die Lage eines Hauses innerhalb eines Flutgebiets in Regensburg zu einem Preisabschlag von zehn Prozent.
Außerdem können große Flutereignisse wie die Ahrtalkatastrophe von 2021 die Risikowahrnehmung der Menschen ändern. Eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, in einem Umkreis von 150 Kilometern um eine Flut sinken die Immobilienangebote um bis zu sieben Prozent – obwohl die Häuser nicht direkt betroffen waren.
Immobilienmärkte reagieren also auch abhängig von der räumlichen Distanz zu Flutkatastrophen. Ähnliches gilt für den Faktor Zeit. Zehn Jahre nach einer Überflutung verschwänden die Preisabschläge, aber das sei trügerisch, erklärt Sven Bienert, Professor für Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft, denn das statistische Risiko bleibe unverändert.
- Versicherung
Auch der GDV warnt mittlerweile vor höheren Versicherungsbeiträgen, sollte der Klimawandel nicht gebremst und sollten keine Anpassungsmaßnahmen getroffen werden: „Innerhalb der nächsten zehn Jahre könnte es zu einer Verdoppelung der Prämien für Wohngebäudeversicherungen kommen“, sagte GDV-Geschäftsführer Jörg Asmussen im vergangenen Juni. Manche Kunden könnten sich die Gebäudeversicherung dann nicht mehr leisten.
Die Immobiliensachverständige Schäfer kann nur mutmaßen, was eine fehlende Versicherung für den Wert einer Immobilie bedeutet. Auf jeden Fall sei es ein Problem für die Finanzierung, weil Banken ihre Kredite an den Versicherungsnachweis knüpfen.