KI: Softbanks Strategiewechsel zahlt sich aus, aber nur langsam
Tokio. Nicht einmal der Aufschwung an der Börse konnte den japanischen Investmentkonzern Softbank aus der Verlustzone befreien.
Zwar senkte der größte Technikinvestor der Welt seinen Reinverlust von 970 Milliarden Yen im Jahr 2022 im abgelaufenen Geschäftsjahr 2023 drastisch auf 227 Milliarden Yen (1,45 Milliarden Euro).
Besonders die großen Investmentfonds wie die Softbank Vision Funds (SVF) 1 und 2 verbesserten ihren Beitrag von minus 5322 Milliarden auf minus 167 Milliarden Yen. Doch Verluste auf Investitionen der Softbank-Gruppe selbst drückten die Konzernbilanz wieder ins Minus.
Das durchwachsene Ergebnis zügelt die Ambitionen von Konzerngründer Masayoshi Son weiterhin. Er will zum führenden Investor in Künstlicher Intelligenz (KI) aufsteigen.
Aber seit sein Unternehmen 2022 in die Verlustzone gestürzt ist, überlässt er die Bilanzpressekonferenzen seinem Finanzchef Yoshimitsu Goto und investiert für Softbank nur kleine Summen.
Softbank investiert zurückhaltender
Goto bilanzierte an diesem Montag das abgelaufene Geschäftsjahr 2023 dennoch mit den Worten: „Wir haben gute Fortschritte gemacht.“
Im Jahr 2023 steckte Softbank 3,9 Milliarden Dollar vornehmlich in Start-ups, die KI für die Industrie und autonomes Fahren entwickeln. Weitere fünf Milliarden Dollar sind derzeit für Investitionen freigegeben, sagte Goto. Vor wenigen Jahren, als Gründer Son den SVF 1 mit auflegte, setzte der Konzern derartige Summen noch auf einzelne Start-ups.
Das war jedoch eine andere Zeit, die der gewagten Wetten. Mit großem Kapitaleinsatz von Sovereign Wealth Funds aus den Golfstaaten und kleineren Summen von Unternehmen wie Apple und Daimler investierte Softbank ab 2017 mit seinem ersten Investmentvehikel nahezu 100 Milliarden Dollar in Start-ups wie den Mobilitätsdienst Uber.
Seither hat Softbank mit seinen Fonds in insgesamt 477 Start-ups investiert. Das Problem: Einige Wetten platzten – wie jene auf Wework, das ist der größte Anbieter von Gemeinschaftsbüros. Andere Start-ups stürzten nach einem anfänglichen Höhenflug mit den globalen Technologieaktien ab.
Doch inzwischen trägt wenigstens der erste Softbank Vision Fund positiv zu Softbanks Wert bei, sagte Goto, auch dank Börsengängen. Etwa 50 Prozent der Firmen sind inzwischen an die Börse gegangen. Beim SVF 2 und einem auf Lateinamerika konzentrierten Fonds ist es noch nicht so weit.
Aber Goto gibt sich zuversichtlich, dass sich auch deren Firmen bei Börsengängen auszahlen werden. Die Unternehmen hätten sehr herausfordernde Jahre durchgestanden und an ihren Stärken gearbeitet, sagte Softbanks Finanzchef. „Nun haben wir höhere Erwartungen als zuvor.“
Der Chipdesigner ARM ist Softbanks neue Stütze
Als Paradebeispiel für die Investmentstrategie des Gründers Son führte Goto den Börsengang des britischen Chipdesigners ARM an, der zuerst energiesparende Chips für mobile Geräte entwickelte. Softbank hatte das Unternehmen 2016 für 31 Milliarden Dollar gekauft, weil es ihm eine weltbeherrschende Stellung in der globalen Chipindustrie zutraute.
Dies bewahrheitete sich: Inzwischen ist ARMs Chipdesign auch bei Computerchips und Halbleitern für KI-Anwendungen gefragter denn je. Apple wechselte beispielsweise von Intel- auf ARM-Chips.
Son wollte das Unternehmen sogar vom Grafikkartenhersteller Nvidia aufkaufen lassen, um einen weltbeherrschenden Chipkonzern aufzubauen. Als Kartellbehörden die Fusion allerdings ablehnten, griff er vorigen September zu Plan B, einem Börsengang. Nach diesem besitzt Softbank allerdings weiterhin rund 91 Prozent der Aktien.
ARMs Aktienkurs hat sich seither mehr als verdoppelt und damit Softbanks Nettovermögenswert im Laufe des Geschäftsjahrs 2023 um 97 Prozent auf das Rekordniveau von 27,8 Billionen Yen (165 Milliarden Euro) erhöht.
Für Son ist der Nettovermögenswert, der sich aus dem Vermögen abzüglich Verbindlichkeiten und Kosten eines Investmentfonds errechnet, ein entscheidendes Erfolgskriterium.
Softbank: Schuldenstand so niedrig wie lange nicht
Softbanks Schuldenstand ist so niedrig wie seit Jahren nicht, die Bargeldreserven liegen mit 4,7 Billionen Yen (27,9 Milliarden Euro) auf hohem Niveau. Auch andere Risiken hat Son inzwischen abgewickelt, namentlich die einst überwältigende Abhängigkeit von seinem Chinageschäft.
So zog sich Son wegen der wachsenden geopolitischen Spannungen zwischen China und den USA sowie Pekings Regulierung der Technologieindustrie nahezu vollständig von seinem früher größten Investment zurück, der Online-Handelsplattform Alibaba.
Dadurch sank der Anteil chinesischer Firmen an Softbanks Wert in den vergangenen vier Jahren von 52 auf sechs Prozent. Der Anteil von ARM stieg hingegen von zehn auf 57 Prozent. Goto erklärte, Softbank sei auf größere Investitionen vorbereitet.
Allerdings ließ er offen, wann Gründer Son wieder aggressiver investieren wird. Laut einem Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“ plant Son die Produktion von KI-Chips und den Bau von KI-Datenzentren. Goto lehnte einen Kommentar zu den Plänen ab.