Intel: USA könnten größter Anteilseigner des Chipherstellers werden
Zum einen kündigte Softbank am Dienstag an, zwei Milliarden Dollar in neue Intel-Aktien zu investieren. Die Japaner würden damit zum sechstgrößten Aktionär des angeschlagenen Chipherstellers aufsteigen.
Zudem bestätigte Handelsminister Howard Lutnick, dass die US-Regierung bereit sei, sich am Chipkonzern zu beteiligen. In welchem Ausmaß, war zunächst unklar. US-Medien berichteten, dass die Regierung rund zehn Prozent der Anteile erwerben will. Damit würden die USA zum größten Anteilseigner des Konzerns.
Im Zuge des diskutierten Deals würde Intel kein frisches Kapital erhalten: Geplant ist offenbar, einen Teil oder die Gesamtheit der staatlichen Zuschüsse, die das Unternehmen infolge des Fördergesetzes „Chips and Science Act“ erhalten hatte, in Eigenkapital umzuwandeln.
Intel soll in diesem Rahmen insgesamt rund 10,9 Milliarden Dollar zugesprochen bekommen haben, etwa um die Chipproduktion in den USA auszuweiten. Ein Großteil des Geldes wurde noch von der Vorgängerregierung von Ex-US-Präsident Joe Biden zugesagt. Diese Summe dürfte in etwa ausreichen, um die geplante Beteiligung zu finanzieren.
Legt man Intels aktuelle Marktkapitalisierung zugrunde, wären zehn Prozent der Anteile derzeit rund 10,5 Milliarden Dollar wert. Die genaue Summe sowie die Frage, ob das Weiße Haus den Plan wirklich umsetzen wird, sind vorherigen Berichten zufolge bisher nicht geklärt.
Die Verwendung der Gelder aus dem „Chips Act“ würde bedeuten, dass Intel nicht unbedingt mehr staatliche Mittel als erwartet erhält – möglicherweise nur eine schnellere Auszahlung.
Softbank wird sechstgrößter Intel-Aktionär
Wie bei allen Begünstigten des „Chips Act“ war auch die Förderung für Intel ursprünglich an die Erreichung bestimmter Ziele geknüpft. Bis Januar hatte Intel der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge 2,2 Milliarden Dollar an Fördermitteln erhalten.
Softbank wiederum beabsichtigt, 23 Dollar pro Stammaktie von Intel zu zahlen, wie beide Konzerne in einer gemeinsamen Mitteilung erklärten.
Die Investition sei Teil einer Initiative beider Unternehmen, ihr Engagement für US-Technologie zu vertiefen und US-Chip-Innovationen zu unterstützen, hieß es. Diese Ziele hatte jüngst auch die US-Regierung als Teil ihrer Prioritäten definiert.
„Seit mehr als 50 Jahren ist Intel ein vertrauenswürdiger Innovationsführer“, sagte Softbank-Chef Masayoshi Son. „Diese strategische Investition spiegelt unseren Glauben wider, dass die fortschrittliche Halbleiterproduktion und -versorgung in den USA weiter ausgebaut wird – mit Intel in einer Schlüsselrolle.“ Softbank habe mit Intel auch über den Kauf der kriselnden Auftragsfertigung verhandelt, berichtete die „Financial Times“ am Dienstag.
Der Chipkonzern war Anfang August in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, als US-Präsident Donald Trump den sofortigen Rücktritt des Chefs Lip-Bu Tan gefordert hatte. Ein republikanischer Senator aus Arkansas, hatte dem Manager zuvor seine Investitionen in chinesische Unternehmen vorgeworfen. Tan hatte die Führung der einstigen Industrieikone erst im März übernommen und ein umfangreiches Sparprogramm umgesetzt.
Nach einem Treffen im Weißen Haus in der vergangenen Woche fand der Präsident plötzlich lobende Worte für den CEO. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, Tans „Erfolg und sein Aufstieg“ seien „eine erstaunliche Geschichte“. Kurz darauf wurden die Gespräche über eine mögliche Regierungsbeteiligung bekannt.