Philanthropie: Melinda Gates verlässt die Gates-Stiftung
Düsseldorf. Drei Jahre nach der Scheidung von Bill Gates trennt sich Melinda Gates auch von der Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung. „Nach eingehendem Nachdenken und Reflexion habe ich mich entschieden, von meiner Aufgabe als Co-Chair zurückzutreten“, wird Gates in einem öffentlichen Schreiben zitiert.
Die Stiftung liegt damit allein in den Händen von Bill Gates, der den „Rat der Treuhänder“ anführt. Das ist eine Art Verwaltungsrat mit jetzt sieben Mitgliedern, zu dem auch der Geschäftsführer der Stiftung, Mark Suzman, gehört.
Mit einem Kapital von rund 75 Milliarden US-Dollar Ende 2023 und mit mehr als 2000 Mitarbeitern ist die Organisation eine der größten privaten Stiftungen der Welt. „Es schmerzt mich, sie gehen zu sehen“, sagte Bill Gates, „aber ich bin mir sicher, dass sie einen großen Unterschied mit ihrer künftigen Philanthropie machen wird.“
Melinda Gates erhält 12,5 Milliarden US-Dollar, „um mich für Frauen und Familien einzusetzen“, wie sie mitteilte. „Die Entscheidung fällt mir nicht leicht.“ Sie sei sehr stolz auf die Stiftung, die sie mit Bill aufgebaut hat.
Ihre Ehe ging 2021 aus unbekannten Gründen in die Brüche. Bill Gates hatte sich mehrfach mit dem Financier Jeffrey Epstein getroffen, der Minderjährige sexuell ausnutzte und sich 2019 im Gefängnis das Leben nahm. „Ich habe Schmerzen verursacht“, sagte der Microsoft-Gründer 2022 in einem Zeitungsinterview auf die Frage, ob er fremdgegangen sei.
Schon 2015 gründete Melinda Gates eine eigene Organisation
Melinda Gates gründete 2015 in Seattle die Organisation Pivotal Ventures, mit der sie den „sozialen Fortschritt in den USA“ fördern wollte. Die Firma ist ein Mix aus Risikokapitalgeber und Stiftung. 2019 spendete sie eine Milliarde US-Dollar, „um die Macht und den Einfluss der Frauen in den USA auszuweiten“ und sie bis 2030 in Schlüsselpositionen in Technologie, Medien oder öffentlicher Verwaltung zu bringen.
Sowohl Bill als auch Melinda Gates verpflichteten sich 2010 zu dem sogenannten „Giving Pledge“, 95 Prozent ihres Vermögens zu spenden. Der „Schenkungsschwur“ ist eine Initiative von Bill Gates und Investor Warren Buffett, mit der sie Superreiche dazu bringen wollen, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu stiften.
Nach der Scheidung 2021 erneuerte Melinda Gates ihren „Giving Pledge“. Demnach will sie das vom Finanzdienst Bloomberg geschätzte Vermögen von 13,5 Milliarden Dollar nicht nur der Gates-Stiftung, sondern hauptsächlich anderen Organisationen und Zwecken spenden.
Das Vermögen beläuft sich auf 13,5 Milliarden US-Dollar
In der Stiftung wird Melinda Gates fehlen. Sie galt als ausgleichendes Element zu dem kopflastigen Bill Gates, brachte Themen wie Gleichberechtigung und soziale Einbindung von Technologie stärker in den Vordergrund. Auch war sie als Botschafterin für die Stiftung von großer Bedeutung.
„Ich verehre Melinda wahrhaft und werde es sehr vermissen, mit ihr zu arbeiten und von ihr zu lernen“, schrieb Stiftungschef Suzman in einem Rundschreiben an die Belegschaft.
Der Rücktritt kommt ein Jahr vor dem Gründungsjubiläum der Stiftung, die 2025 ihr 25-jähriges Bestehen feiert. Insgesamt hat die gemeinnützige Organisation fast 78 Milliarden Dollar verschenkt, im vergangenen Jahr waren es allein 7,7 Milliarden.