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Globale TrendsWie Mütter aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden

Zunehmende Defizite in der Kinderbetreuung sorgen dafür, dass viele junge Frauen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. Für die Wirtschaft ist das eine Katastrophe.Thomas Hanke 21.05.2024 - 18:36 Uhr
Spielplatz einer Kindertagesstätte: Sowohl in den USA als auch in Deutschland mangelt es zunehmend an Betreuungsangeboten. Foto: dpa

Das US-Arbeitsministerium ging mit einer guten Nachricht in den Mai: In den Vereinigten Staaten arbeiten mittlerweile mehr Mütter minderjähriger Kinder als vor der Covidkrise. Auf dem Tiefpunkt der Pandemie hätten 16 Prozent der Mütter ihre Arbeit aufgeben müssen, erläutert das Ministerium.

Auch in Europa gab es während der Pandemie einen Einbruch, doch dieser war weniger stark als in den USA. Auch verlief die Erholung schneller. Das ist deshalb überraschend, weil der US-Arbeitsmarkt als ausgesprochen dynamisch gilt: Aufgrund eines weniger ausgeprägten Kündigungsschutzes verlieren Menschen zwar schneller ihren Job, aber wenn die Krise abflaut, finden sie schneller wieder eine Beschäftigung.

Bei der Pandemie jedoch handelte es sich nicht um eine konventionelle Krise, denn tatsächlich überlagerten sich zwei Störungen. Die Seuche störte das Wirtschaftsgeschehen, zugleich traf sie arbeitende Mütter besonders hart, weil Schulen und Kindertagesstätten geschlossen wurden.

Aber ist das alles wirklich nun abgehakt? Den positiven Zahlen zum Trotz hält die Krise der Kinderbetreuung in den USA an, wie das Ministerium hervorhebt, und die Folgen treffen vor allem arbeitende Mütter.

Betreuung sei entweder nicht verfügbar oder so teuer, dass ärmere Haushalte sie sich nicht leisten können. Das erklärt, wieso die Beschäftigungsquote von Frauen mit minderjährigen Kindern (71,7 Prozent) deutlich unter der von Vätern (92 Prozent) liegt. Mütter sind die Sollbruchstelle am Arbeitsmarkt.

Ungewöhnlich, aber wahr: Das US-Arbeitsministerium stellt Deutschland, wo es mehr bezahlten Urlaub und umfassendere familienunterstützende Maßnahmen gibt, als Vorbild für die USA hin. Hätten die USA eine ähnliche Erwerbsquote wie Kanada oder Deutschland, würde die Zahl der beschäftigten Frauen um etwa fünf Millionen steigen und die Wirtschaftstätigkeit um über 775 Milliarden Dollar pro Jahr zunehmen.

Was bei diesem Vergleich nicht deutlich wird: Auch in Deutschland stecken frühkindliche Bildung und Betreuung in der Krise. Der Bertelsmann-Stiftung zufolge fehlen in Deutschland, vor allem im Westen, rund 430.000 Plätze. In den ostdeutschen Bundesländern aber wird die Lage besser dargestellt, als sie ist. Nach Personalschlüssel müssen die Fachkräfte dort fast doppelt so viele Kinder betreuen wie im Westen. Legte man Wert auf Gleichbehandlung, wäre der Bedarf im Osten deutlich höher.

Das System bricht gerade zusammen, zunehmend kürzen Kitas aus der Not heraus die Betreuungszeiten.
Anette Stein, Bertelsmann-Stiftung

Auch bei der Beschäftigungsquote deutscher Mütter darf man nicht übersehen: Sehr viele von ihnen arbeiten nicht voll. Deutschland ist gemeinsam mit Österreich Vize-Europameister in Sachen Teilzeitarbeit von Frauen. Die Hälfte aller deutschen berufstätigen Frauen arbeitet in Teilzeit, Tendenz steigend.

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Künftig könnten es noch mehr werden, konstatiert Anette Stein, Direktorin für Bildung und Next Generation in der Bertelsmann-Stiftung: „Das System bricht gerade zusammen, zunehmend kürzen Kitas aus der Not heraus die Betreuungszeiten.“ Massive Kürzungen seien beim Bundesfamilienministerium angekündigt, das geschehe dann „da, wo gesetzlich keine finanziellen Verpflichtungen bestehen, also bei der Kinderbetreuung“. Möglicherweise werde der Bund sich ganz aus der Kita-Finanzierung zurückziehen.

Es ist bedenklich, dass dies in einem Moment geschieht, in dem der Mangel an Arbeitskräften das deutsche Wachstum abwürgt. Längst ist bekannt, dass gute frühkindliche Betreuung nicht nur der Schlüssel für den Lernerfolg von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund ist, sondern auch die Voraussetzung dafür, dass Frauen, die arbeiten wollen, es auch können.

Aber Erkenntnis und Umsetzung, Wahlkampfsprüche und politisches Handeln klaffen in der Bundesrepublik auseinander. Davon dürften allein Extremisten profitieren.

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