Microsoft: Wie der Kulturwandel von Bill Gates zu Satya Nadella lief
Redmond. Unter der Führung von CEO Satya Nadella ist der Börsenwert von Microsoft auf mehr als drei Billionen Dollar gestiegen. Das ist so viel wie nie zuvor und mehr, als jedes andere Unternehmen der Welt wert ist. Microsoft-Topmanager Yusuf Mehdi steuert die Marketingstrategie des Konzerns für Konsumentenprodukte und gehört zu den wenigen Führungskräften, die seit mehr als drei Jahrzehnten im Unternehmen sind.
In dieser Zeit hat er unter den sehr unterschiedlichen CEOs Bill Gates, Steve Ballmer und Satya Nadella gearbeitet. „Sie sind alle einzigartig und waren zur jeweiligen Zeit passend für das Unternehmen“, sagte Mehdi dem Handelsblatt.
Microsoft richtet in dieser Woche eine Reihe von Veranstaltungen aus, zum Beispiel die Entwicklerkonferenz Build, aber auch zur Vorstellung neuer Produkte. Das wichtigste Thema ist dabei Künstliche Intelligenz (KI), das vor allem der aktuelle CEO Nadella vorangetrieben hat. Aber auch die früheren Chefs haben die Unternehmenskultur stark geprägt.
Microsoft: Innovationen unter Bill Gates
Bill Gates als Gründer „war unglaublich, ein Genie, das so viel von Grund auf neu erfunden hat“, erinnerte sich Yusuf Mehdi. Unter Gates’ Führung erlebte Microsoft eine Phase intensiver Innovation.
Mit Steve Ballmer als CEO verlagerte sich der Fokus stärker auf das kommerzielle Geschäft. „Ballmer war ein phänomenaler Geschäftsführer, der das Unternehmen professionalisierte und eine starke Vertriebsstruktur aufbaute, die bis heute Bestand hat“, erklärte der Marketingexperte.
Mehdi äußerte sich wohlwollend über die Zeit unter Ballmer. Andere Microsoft-Mitarbeitende beschrieben Ballmer gegenüber dem Handelsblatt hingegen als einen cholerischen Chef, der in Meetings schon mal Stühle oder andere Gegenstände warf. Unter ihm verpasste Microsoft wesentliche Innovationen wie die erfolgreiche Entwicklung von Smartphones.
Der aktuelle Chef Nadella schließlich gab Microsoft eine Neuausrichtung. Als er 2014 die Firmenleitung übernahm, entließ der Tech-Konzern viele Mitarbeiter. Die zuvor von Ballmer aufgekaufte Mobilfunksparte von Nokia wurde fast komplett abgeschrieben. Dafür setzte Nadella auf das Cloudgeschäft, für das er bereits zuvor verantwortlich gewesen war.
Satya Nadella habe eine neue Kultur des Wachstumsdenkens ins Unternehmen gebracht, sagte Mehdi. „Er fördert die Einstellung, dass man lernwillig sein soll und nicht glaubt, schon alles zu wissen“, betonte er. Diese Denkweise habe Microsoft in der Welt der KI vorangebracht.
Dafür gab Mehdi ein Beispiel: Obwohl Microsoft selbst lange mit einem großen Team an KI forschte, erkannte Nadella, dass das Start-up OpenAI aus San Francisco schlicht eine überlegene Technologie entwickelt hatte. „Diese Technologie ist entscheidend für unsere Zukunft. Und er entschloss sich, dafür eine Partnerschaft mit einer externen Firma einzugehen“, sagte Mehdi weiter.
Innerhalb des Unternehmens gab es gegen die Entscheidung Widerstand, wie das Handelsblatt erfuhr. Etliche Mitarbeitende hatten Sorge, dass sich Microsoft zu abhängig mache. Als dann im November 2023 OpenAI-CEO Sam Altman als Chef vom Verwaltungsrat entlassen wurde, sahen sich die Kritiker bestätigt.
Marketingexperte Mehdi hingegen sagte, in der Krise habe sich der Führungsstil von Nadella bewährt. Ihm sei es gelungen, während der chaotischen Tage Kontakt mit Altman zu halten. Er habe Altman einen Job bei Microsoft angeboten und dieser habe zugesagt. Als Altman wenige Tage später seinen Posten als OpenAI-Chef zurückbekam, habe auch dies die Partnerschaft zu Microsoft gefestigt.
Copilot+PC: Microsoft stellte neue Surface-Laptops für KI vor
Diese Strategie zahle sich nun aus. Am Montag stellte Microsoft neue Surface-Laptops vor, die durch einen neuen Chip für KI optimiert sind. „Sie sind schneller als die Geräte von Apple“, so Mehdi. Apple habe während der vergangenen Jahre die Spitzenposition bei leistungsfähigen Laptops übernommen. Diese könne sich Microsoft zurückholen.
Dabei muss der Konzern jedoch auch seine eigenen Systeme verändern. Die Chips basieren auf der ARM-Architektur, die eigentlich für Smartphones entwickelt wurde und besonders energiesparend ist. Sie machen es aber nötig, dass Windows und andere Programme umgestellt werden.
2012 hatte Microsoft bereits einen Anlauf mit Systemen für ARM-Chips unternommen: Windows RT. Diese hatten jedoch große Qualitäts- und Geschwindigkeitsprobleme. „Wir haben es am Anfang einfach nicht richtig hinbekommen“, räumte der Microsoftmanager ein. Mittlerweile sei allerdings das gesamte Windows-System umgebaut worden. Die finale Version werde gemeinsam mit den neuen Surface-Laptops im Juli verbreitet.
Erstpublikation: 21.05.2024, 13:43 Uhr.