Finn-Gründer: Gericht erlässt Strafbefehl wegen sexueller Belästigung
Berlin. Dem Gründer und ehemaligen Chef des Auto-Abo-Start-ups Finn, Max-Josef Meier, könnte in einem Verfahren wegen sexueller Belästigung eine hohe Geldstrafe drohen. Das Amtsgericht München hat einen Strafbefehl gegen ihn wegen mehrerer mutmaßlicher Fälle erlassen. Gegen diesen wurde inzwischen Einspruch eingelegt, weswegen der Strafbefehl nicht rechtskräftig ist, wie das Amtsgericht München weiter mitteilte.
Die Ermittler werfen Meier vor, mehrere Frauen auf einer Weihnachtsfeier der Firma 2021 begrapscht zu haben. Der Strafbefehl sei beim zuständigen Amtsgericht München wegen sexueller Belästigung in sieben Fällen beantragt worden, teilte Oberstaatsanwältin Anne Leiding dem Handelsblatt auf Anfrage am Dienstag mit. Sollte der Strafbefehl vom 16. Mai Rechtskraft erlangen, könnte Meier eine „sehr hohe sechsstellige Geldstrafe“ bezahlen müssen.
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Finn teilte mit, es handele sich um ein laufendes Verfahren des ehemaligen Firmenchefs, die Vorgänge kommentiere das Unternehmen nicht. Meier war zunächst nicht zu erreichen.
Die Staatsanwaltschaft München 1 hatte im vergangenen April die Ermittlungen gegen Meier aufgenommen. Zuvor hatte die Start-up-Plattform Brutkasten ohne namentliche Nennung über die Vorfälle bei Finn berichtet. Daraufhin schrieb das Wirtschaftsmagazin „Capital“, dass Meier auf der Firmenweihnachtsfeier neun Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben soll. Dem Magazin gegenüber räumte Meier die Vorwürfe damals ein, gab jedoch an, stark alkoholisiert gewesen zu sein und keinerlei Erinnerungen an die Vorfälle zu haben.
Konkret sagte er: „Nach den Schilderungen habe ich an dem Abend, in Anwesenheit von anderen, gegenüber mehreren Frauen übergriffige verbale Äußerungen und Aufforderungen gemacht, sie am Gesäß angefasst und versucht, einige von ihnen ohne Einvernehmen zu küssen.“
Ein anderer Mitgründer des Unternehmens habe ihn der Party verwiesen. Meier trat kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe von der Firmenspitze zurück. Im vergangenen Dezember hielt er allerdings noch Anteile an Finn. Ob dies aktuell noch der Fall ist, war zunächst nicht zu erfahren.
Inzwischen leitet Mitgründer Maximilian Wühr die Firma.
Ihm gelang es, Anfang des Jahres eine neue Finanzierungsrunde über 100 Millionen Euro zu stemmen. Er will das Kapital nutzen, um die Firmenflotte schneller auf Elektroautos umzustellen.
Seit der Gründung 2019 hat Finn mehr als eine Milliarde Euro bei Investoren eingesammelt, davon rund 250 Millionen Euro Eigenkapital. Die Firma ist mit ihren Auto-Abo-Modellen in Deutschland und den USA aktiv. Mittlerweile zählt Finn mehr als 25.000 aktive Abonnements und erzielt damit einen jährlichen Umsatz von 160 Millionen Euro.
Meier war jahrelang eine konstante Größe in der deutschen Start-up-Szene. Er gehört auch zu den Mitgründern des Mode-Suchmaschinenanbieters Stylight, der 2016 von Pro Sieben Sat 1 übernommen wurde. Zugleich investierte er in Firmen wie Personio und Teleclinic.