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Bank of England„Swiftflation“? Britische Notenbank verschiebt die Zinswende

Die Inflation in Großbritannien ist zwar auf den Zielwert der Notenbanker von zwei Prozent gesunken. Doch der Leitzins bleibt bei 5,25 Prozent. Welche Rolle Taylor Swift dabei spielt.Torsten Riecke 20.06.2024 - 13:10 Uhr
Taylor Swift-Fans vor einem neuen Wandgemälde im Wembley Park in London. Der Popstar gibt in Hauptstadt mehrere Konzerte. Beeinflusst das gar die Geldpolitik? Foto: David Parry Media Assignments/PA

London. Die Bank of England (BoE) hat die Leitzinsen in Großbritannien am Donnerstag wie von den Finanzmärkten erwartet unverändert bei 5,25 Prozent belassen. Sie verzichtete damit auf die erste Zinssenkung seit 2020, obwohl die Inflationsrate im Königreich im Mai auf den Zielwert der Notenbank von zwei Prozent gesunken war. „Wir müssen sicher sein, dass die Inflation niedrig bleibt, und deshalb haben wir beschlossen, die Zinsen vorerst bei 5,25 Prozent zu belassen“, sagte BoE-Gouverneur Andrew Bailey.

Die Entscheidung des geldpolitischen Ausschusses fiel erneut mit einer deutlichen Mehrheit von sieben Stimmen. Zwei Notenbanker sprachen sich für eine sofortige Zinssenkung aus.

„Die Geldpolitik muss lange genug restriktiv bleiben, um die Inflation mittelfristig und nachhaltig auf das Zwei-Prozent-Ziel zurückzuführen“, begründete die BoE ihre Entscheidung. Diese sei „sorgfältig ausbalanciert“. Die Leitzinsen in Großbritannien bleiben damit vorerst auf dem höchsten Stand seit 16 Jahren.

Die Geldwächter ließen jedoch die Tür für eine Zinssenkung im August offen. Investoren wetten mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 40 Prozent auf eine Zinswende im Spätsommer. An den Finanzmärkten gaben die Anleihezinsen und das Pfund leicht nach, während der Aktienmarkt in London mit einem Plus reagierte.

Für den um seine Wiederwahl fürchtenden britischen Premierminister Rishi Sunak käme eine Zinssenkung im August allerdings zu spät. Die Parlamentswahlen im Königreich finden bereits am 4. Juli statt. Sunak hatte nach dem starken Rückgang der Inflationsrate gehofft, dass die Bank of England ihm mit einer konjunkturstimulierenden frühen Zinssenkung politischen Rückenwind geben würde.

Hoffnungen auf eine Zinssenkung im August

Die britischen Notenbanker blieben jedoch hart und folgen mit ihrer abwartenden Haltung dem Beispiel der Federal Reserve (Fed) in den USA. Die Fed zögert bislang wegen anhaltender Inflationsgefahren ebenfalls, die Leitzinsen zu senken. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat dagegen die geldpolitischen Zügel bereits gelockert. Die Schweizer Nationalbank SNB reduzierte am Donnerstag erneut die Kreditkosten und senkte den Leitzins auf 1,25 Prozent.

Dass die BoE mit der Zinswende wartet, liegt vor allem an der hartnäckigen Inflation im Dienstleistungsbereich. Die Preise für Services lagen im Mai immer noch 5,7 Prozent höher als vor einem Jahr. Preistreiber waren vor allem Restaurants und Hotels. Und hier könnte die amerikanische Pop-Sängerin Taylor Swift bereits für den nächsten Preisschub sorgen.

Swift wird im Juni und August allein in London insgesamt acht Konzerte geben, zu denen sich fast 640.000 Fans angesagt haben. „Ein Anstieg der Hotelpreise könnte dann wesentlich sein und die Dienstleistungsinflation vorübergehend um bis zu 30 Basispunkte erhöhen“, schreiben Lucas Krishan und James Rossiter, Marktstrategen beim Brokerhaus TD Securities.

Sadiq Khan, Bürgermeister von London, enthüllt die Swiftie Steps im Wembley Park, während Weltstar Swift ihre erste Londoner Show startet. Foto: David Parry Media Assignments/PA

Die Londoner Behörden schätzen, dass die Konzertbesucher im Durchschnitt etwa 471 Pfund in der britischen Hauptstadt ausgeben werden. Das würde einen Einkommensschub von rund 300 Millionen Pfund (etwa 354 Millionen Euro) bedeuten. Allein in Edinburgh haben die „Swifties“ die lokale Wirtschaft nach Angaben der dortigen Behörden mit rund 77 Millionen Pfund angekurbelt.

„Swiftflation“ bei Hotels und Gaststätten

Die bisherigen Erfahrungen mit der Auswirkung von Großereignissen auf die Inflationsrate sind gemischt. Während die Taylor-Swift-Konzerte im Frühjahr in Australien nach Angaben der dortigen Statistiker die Preisentwicklung nicht wesentlich beeinflusst haben, machten die Behörden in Schweden die Konzerte der Sängerin Beyonce in Stockholm für einen zeitweisen Inflationsschub verantwortlich. Die Bank of England weist darauf hin, dass sie für ihre Zinsentscheidungen immer eine große Zahl von Konjunkturindikatoren in Betracht ziehe.

Zeigen könnte sich die sogenannte „Swiftflation“ in Großbritannien vermutlich erst in der Preisentwicklung im August. Die BoE könnte dann frühestens auf ihrer Sitzung am 19. September entscheiden, ob der Swift-Effekt stark und nachhaltig genug ist, um auf eine Zinssenkung zu verzichten.

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