Start-ups: Steuer-App Taxfix expandiert nach Großbritannien
Berlin. Das Steuer-Start-up Taxfix steigt mit einer Übernahme in den britischen Markt ein. Die Berliner Firma kauft den kleineren Londoner Konkurrenten Taxscouts, wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten.
„Durch die Fusion werden wir Marktführer in unserem Segment mit Präsenz in den vier größten europäischen Ländern Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien“, sagt Taxfix-Chef Martin Ott im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Übernahme werde dabei helfen, weiter zu wachsen und profitabel zu werden. Auch neue Produkte seien denkbar. Zuletzt waren Konsolidierungen in der Start-up-Branche selten.
Zu den finanziellen Details des Deals will sich Ott nicht äußern. Er verrät lediglich: „Für die Übernahme von Taxscouts nehmen wir kein neues Geld auf.“ Das bedeutet, dass Taxfix den Zukauf aus bisher eingenommenen Investorengeldern sowie den eigenen Einnahmen stemmt.
Seit der Gründung 2016 hat die Firma mehr als 320 Millionen Dollar eingesammelt. Zu den Investoren gehören der prestigeträchtige Fonds Teachers’ Venture Growth (TVG), der Risikokapitalzweig des Ontario Teachers Pension Plan (OTPP), der Wagniskapitalfonds Valar Ventures von Peter Thiel sowie Creandum und Index Ventures. Bei der sehr umfangreichen Finanzierungsrunde 2022 stieg Taxfix zu einem sogenannten Einhorn auf, also einem Start-up, das mehr als eine Milliarde Dollar wert ist.
Bereits zweite Übernahme für Taxfix seit 2023
Im Februar vergangenen Jahres tätigten die Berliner ihre erste Übernahme: die des kleineren Stuttgarter Konkurrenten Steuerbot, der vor allem für seinen Chatbot bekannt ist. Die Marke gibt es weiterhin innerhalb des Taxfix-Angebots. Auch die Marke Taxscouts soll nach der Übernahme erst mal weiter unabhängig agieren.
Katharina Wilhelm vom Bestandsinvestor Index Ventures lobt den jüngsten strategischen Zukauf: „Taxfix ergänzt durch die Akquisition das bestehende Angebot und gewinnt neue Marktanteile in wachsenden Kundensegmenten. Wie bei Steuerbot können hier Learnings von beiden Seiten geteilt und umgesetzt werden, um Taxfix’ führende Position in Europa weiter auszubauen.“
Die britische Firma Taxscouts wurde 2017 gegründet. Zu ihren Investoren gehören unter anderen Speedinvest, Seedcamp und Picus Capital. Insgesamt hat Taxscouts laut dem Datendienst Dealroom rund elf Millionen Dollar bei seinen Geldgebern eingesammelt und kam zuletzt auf eine Bewertung von fast 40 Millionen Dollar.
„Während wir mit einem Do-it-Yourself-Produkt gestartet sind, hat Taxscouts zunächst einen Expertenservice aufgebaut, mit dem sie auch Steuerberatern ihr Geschäft erleichtern“, erklärt Ott, der die Taxscouts-Gründer schon seit Langem kennt: „Unsere Branche ist klein.“
Auf dem Weg zur Profitabilität
Wie die meisten Start-ups hält sich Taxfix sehr bedeckt, wenn es um Zahlen geht. So ist unbekannt, wie viele Kunden das Unternehmen hat. Es heißt lediglich, bisher seien über die Plattform in Deutschland, Italien und Spanien mehr als fünf Millionen Steuererklärungen abgegeben worden.
Lediglich den Umsatz für 2022 gab die Firma nun erstmals bekannt. Nach eigenen Angaben erlöste Taxfix rund 38,5 Millionen Euro, was in etwa einem Plus von 77 Prozent zum Vorjahr entsprach.
Seither ist einiges passiert. Wie viele andere Start-ups musste Taxfix im vergangenen Jahr auf die veränderten Marktbedingungen reagieren. Die Firma entließ ähnlich wie viele andere Tech-Konzerne und Jungfirmen Mitarbeiter, um die Kosten zu senken. Der Schritt wurde als notwendig begründet, um sich langfristig als unabhängiges Unternehmen aufzustellen.
Insgesamt strich Taxfix im Sommer 2023 ein Fünftel der Stellen. Rund 120 Mitarbeiter mussten die Firma verlassen. Inzwischen sind noch rund 400 Leute beschäftigt. Um Kosten zu sparen, hat Taxfix auch das Angebot wieder abgeschafft, die zu erwartende Steuerrückerstattung sofort auszuschütten.
Taxfix: Kein Börsengang in Sicht
Die Maßnahmen haben sich positiv auf die Profitabilität ausgewirkt. So sagt Ott: „Wir sind heute noch nicht profitabel. Aber wir sind auf einem sehr guten Weg dahin.“ Erst wenn Taxfix dieses Ziel erreicht hat, ist die Firma unabhängig und nicht mehr von Geldspritzen der Investoren abhängig.
Dann wäre wohl auch der Weg an den Aktienmarkt frei: „Wir halten uns alle strategischen Optionen offen – ein Börsengang ist ein spannender Weg, um weiterhin unabhängig zu sein“, sagt Ott.
Taxfix hat die schwer verständlichen Steuerformulare in einen simplen Fragebogen übersetzt, den die Nutzer in der Regel am Handy oder PC innerhalb kurzer Zeit beantworten können. Auf Basis der Daten füllt Taxfix die Steuerformulare und schickt sie elektronisch ans Finanzamt. Das kostet Kunden zwischen 40 und 70 Euro. Inzwischen bietet Taxfix auch an, dass Steuerberater diese Arbeit gegen ein höheres Entgelt übernehmen.