Bezahlbares Bauen: Wohnungswirtschaft sieht keine Entspannung
Berlin. Die Wohnungswirtschaft steckt weiter tief in der Krise. Der Spitzenverband der sozial orientierten Wohnungswirtschaft (GdW) geht weder für 2024 noch für das kommende Jahr von einer Besserung aus. Im Gegenteil: Derzeit verschärft sich die Krise. Das erklärte GdW-Präsident Axel Gedaschko am Montag in Berlin.
Es sind vor allem drei Gründe, die nach Meinung des GdW dafür sprechen.
- So habe die Baukostendynamik zwar nachgelassen, gleichzeitig verharrten die Baukosten aber auf einem hohen Niveau.
- Zugleich wachse die Bevölkerung und lasse vor allem in den Ballungsräumen den Wohnungsmangel weiter steigen.
- Gleichzeitig könnten aufgrund schlechter Rahmenbedingungen immer weniger Wohnungen gebaut oder auch saniert werden. Der GdW spielt damit vor allem auf hohe staatliche Anforderungen beim Wohnungsbau und schwierige Finanzierungsbedingungen an.
Der GdW vertritt rund 3000 kommunale, genossenschaftliche, kirchliche, privatwirtschaftliche sowie landes- und bundeseigene Wohnungsunternehmen, also Bestandshalter. „Wenn nicht neu gebaut wird, schadet es uns eher nicht“, sagte Gedaschko. „Aber es schadet den Menschen in Deutschland.“ Denn es fehlten zunehmend Wohnungen auf dem Markt.
Die GdW-Unternehmen repräsentieren eigenen Angaben zufolge fast 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland und befinden sich nach Darstellung Gedaschkos in einer „dramatischen Lage“. 2023 waren die Wohnungsfertigstellungen der GdW-Unternehmen um 13 Prozent auf 28.000 gesunken und damit erstmals deutlich zurückgegangen. Eine Umfrage zeige, dass 2024 voraussichtlich weitere 19 Prozent weniger und damit nur noch knapp 23.000 Wohnungen entstehen.
2025 wird dann die Zahl der neu gebauten Wohnungen nochmals um ein Fünftel auf nur noch gut 18.000 Wohnungen sinken. Es gibt viele Unternehmen, die sich komplett vom Neubau verabschiedet haben“, sagte Gedaschko.
Die Bundesregierung strebt eigentlich an, dass 400.000 neue Wohnungen pro Jahr gebaut werden. 2023 waren es aber nur gut 294.000 Wohnungen. Die Zahl der Baugenehmigungen, ein Hinweis auf die Bautätigkeit in den nächsten Monaten, ist seit Anfang 2022 rückläufig. Der GdW prognostiziert für 2024 auf Basis der Planungen bei seinen Unternehmen für den gesamten Wohnungsbau in Deutschland nur 256.000 fertiggestellte Wohnungen, für 2025 nur noch 229.000.
Ein Drittel der geplanten Modernisierungen entfällt
Ähnlich kompliziert ist die Lage beim Thema Sanierung. So zeigt die Umfrage, dass die GdW-Mitgliedsunternehmen in diesem Jahr ihre Modernisierungspläne statt bei 110.000 Wohnungen nur bei 75.000 Wohnungen vollständig umsetzen wollen. Weitere 21.000 Wohnungen würden weniger modernisiert als geplant. Sanierungspläne bei weiteren 14.000 Wohnungen würden zurückgestellt.
Besserung ist auch 2025 nicht in Sicht: Von rund 102.000 geplanten Modernisierungen könnten laut Gedaschko nur 63 Prozent vollständig realisiert werden. 20 Prozent fänden in vermindertem Umfang statt, 16 Prozent würden vorerst storniert.
GdW-Präsident Gedaschko rief Bund, Länder und Kommunen dazu auf, „endlich konsequent zusammenzuarbeiten“ und gemeinsam alles für den bezahlbaren Wohnungsbau zu tun. Es müsse endlich Schluss sein mit immer höheren und kostspieligen Vorgaben. Zudem seien zielgenauere Förderprogramme notwendig. Ansonsten würden die Neubau- und die Klimaziele „nie und nimmer“ erreicht.
Negativbeispiel „Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment“
Als Beispiel für eine nicht funktionierende Fördersystematik nennt Gedaschko das geplante Programm „Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment“, kurz KNN. Knapp sechs Monate habe es gedauert, bis die erste konkrete Ausgestaltung des Programms vergangene Woche vorlag, kritisierte der GdW-Präsident. Die bislang geplanten Anforderungen des Programms sieht er als zu hoch an.
Anders als bei anderen Förderprogrammen soll bei KNN nach dem Effizienzhausstandard EH55 gebaut werden können. EH55 bedeutet, dass ein Gebäude nur 55 Prozent der Energie verbraucht, die ein gesetzlich definiertes Standardhaus benötigt. Andere Förderprogramme schreiben den strengeren EH40-Standard vor. Hier darf ein Gebäude im Vergleich zum gesetzlich definierten Standardhaus nur 40 Prozent der Energie verbrauchen. Verhandelt wird aber noch über eine Begrenzung der Treibhausgasemissionen. Das geht der Bau- und Wohnungswirtschaft zu weit.
Der GdW hält an seiner schon früher erhobenen Forderung nach einem „breit angelegten Zinsprogramm für den bezahlbaren Wohnungsbau“ fest. Ein Zinssatz von einem Prozent könnte die Bautätigkeit enorm ankurbeln, sagte Gedaschko. „Die daraus entstehenden Steuereinnahmen für den Staat gleichen die Kosten der Zinssubvention wiederum aus.“