Halbleiter: Sprunghaftes Wachstum bei TSMC – Chip-Anleger fassen Zuversicht
München. Nach dem kräftigen Kursrutsch der Halbleiteraktien am Mittwoch kehrt unter den Investoren die Zuversicht zurück. Angesichts starker Quartalszahlen stieg der Aktienkurs des weltgrößten Chip-Auftragsfertigers TSMC am Donnerstag im frühen Handel in New York um rund zwei Prozent .
Der Umsatz von TSMC ist wegen der hohen Nachfrage nach KI-Chips im zweiten Quartal um fast ein Drittel auf umgerechnet 20,8 Milliarden Dollar in die Höhe geschossen. Das sind 400 Millionen mehr, als der Konzern aus Taiwan selbst prognostiziert hatte. Der Gewinn stieg um 36 Prozent auf knapp sieben Milliarden Dollar, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
TSMC ist Seismograf für die ganze Chipbranche
Die Aussichten sind ebenfalls positiv: So kündigte TSMC an, in diesem Jahr zwischen 30 und 32 Milliarden Dollar in neues Equipment und weitere Werke zu stecken. Bislang hatte das Unternehmen als untere Grenze 28 Milliarden genannt.
Das sei eine positive Nachricht für Halbleiterhersteller und Chipausrüster und sollte dazu beitragen, dass sich die unter Druck geratenen Kurse wieder erholen, urteilten die Analysten von Jefferies. Da TSMC weite Teile der Chipindustrie beliefert, ist der Konzern ein Seismograf des Zustands der gesamten Branche.
Am Mittwoch hatten Anleger fast panisch Chipaktien verkauft. Binnen weniger Stunden löste sich ein Börsenwert von mehr als 500 Milliarden Dollar in Luft auf. Zu den größten Verlierern gehörten die TSMC-Aktien, die in New York mehr als sieben Prozent an Wert verloren.
Auslöser des Kurssturzes waren Aussagen von Donald Trump. Der Präsidentschaftskandidat ließ Zweifel aufkommen, ob die USA Taiwan im Falle eines Angriffs der Volksrepublik China verteidigen würden.
Trump sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg über Taiwan: „Ich kenne die Leute sehr gut und respektiere sie sehr. Sie haben etwa 100 Prozent unseres Chipgeschäfts übernommen. Ich denke, Taiwan sollte uns für die Verteidigung bezahlen.“ China betrachtet die Insel als Teil des Landes und hat wiederholt gedroht, Taiwan politisch einzugliedern.
80 Prozent Kursplus seit Jahresbeginn
Der Aufwärtstrend von TSMC an der Börse war damit binnen kürzester Zeit vorüber. Vergangene Woche hatte der Börsenwert des Unternehmens erstmals die Marke von einer Billion Dollar überschritten. Seit Jahresbeginn hatten die Aktien gut 80 Prozent zugelegt.
TSMC gehörte damit zu den größten Gewinnern im Philadelphia Semiconductor Index der wichtigsten in den USA gehandelten Halbleiterpapiere.
Noch etwas beunruhigte die Anleger: Medienberichten zufolge plant US-Präsident Joe Biden, noch strengere Ausfuhrbeschränkungen für Chips, Halbleitermaschinen und die für die Anlagen nötigen Wartungsarbeiten. Das könnte den China-Umsatz der Hersteller drücken.
Besonders zugesetzt hat diese Nachricht dem Chipausrüster ASML. Der Aktienkurs der Niederländer brach am Mittwoch um elf Prozent ein, am Donnerstag lagen die Papiere des wertvollsten europäischen Tech-Konzerns erneut leicht im Minus.
TSMC ist der wichtigste Lieferant von Nvidia
Dabei läuft das Geschäft der Chipindustrie so gut wie lange nicht mehr. So lässt sich der Siegeszug der Künstlichen Intelligenz (KI) an den Zahlen von TSMC ablesen. Die Taiwaner sind der wichtigste Lieferant des Halbleiterherstellers Nvidia. Mit den Grafikprozessoren des US-Konzerns, den sogenannten GPUs, werden die rechenintensiven KI-Modelle trainiert, die bei vielen Unternehmen zum Einsatz kommen.
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Entsprechend anfällig sind die TSMC-Kunden, wenn es beim Zulieferer mal stockt: So konnte Nvidia während der vergangenen Monate längst nicht alle Bestellungen bearbeiten. Das lag an Kapazitätsengpässen bei einem wichtigen Verfahren von TSMC.
In Sachen Auftragsfertigung in der Chipindustrie steht TSMC mit Abstand an der Spitze. Den Experten des Marktforschungsinstituts Counterpoint zufolge kam der Konzern im ersten Quartal 2024 auf einen Marktanteil von 62 Prozent, zwei Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. Auf Rang zwei folgte Samsung aus Südkorea mit 13 Prozent.