Kommentar: Importeure werden zu Opfern ihrer eigenen Kasino-Mentalität

Der traditionelle Gruß des Händlers ist in diesen Tagen, anders als vom Bundeskanzler vermutet, nicht allein die Klage. Bei vielen kommen seit Kurzem wilde Spekulationen hinzu.
Die global operierenden Reedereien, heißt es, hielten bewusst Schiffskapazitäten zurück, um durch das knappe Angebot die Frachtpreise nach oben zu jazzen. Nicht anders können sie sich erklären, dass ein Containertransport aus China nach Europa, der noch vor einem Jahr für 763 Dollar zu haben war, heute mehr als 4800 Dollar kostet.
Spitzenmanager großer Handelsketten, die auf Einfuhren aus Fernost angewiesen sind, sprechen bereits von Piraterie. Der finanziell gescheiterte Saisonartikel-Filialist Depot nennt die massiv gestiegenen Frachtraten sogar als einen gewichtigen Grund für seine Insolvenz.
Um es gleich vorwegzusagen: Die aufgebrachten Importeure liegen damit falsch. Nur 77 der weltweit 6900 Containerschiffe sind aktuell beschäftigungslos, ermittelte die maritime Beratungsfirma Alphaliner. Selten waren es noch weniger. Im Oktober 2023 noch zählte sie 315 „aufliegende Schiffe“, wie Seeleute die Frachter außer Betrieb nennen. Drei Viertel dieser Auflieger sind heute wieder im Einsatz.