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LeserdebatteWie geht es nach Bidens Rücktritt aus dem Wahlkampf jetzt in den USA weiter?

Welche Chancen hat die amtierende Vize-Präsidentin Kamala Harris gegenüber Donald Trump? Darüber diskutiert diese Woche die Handelsblatt-Leserschaft.Johanna Müller 25.07.2024 - 12:22 Uhr
Biden schlägt seine Vize Harris als Ersatzkandidatin für die Demokraten vor. (Archivbild) Foto: dpa

Der amtierende US-Präsident Joe Biden hat sich aus dem Wahlkampf zurückgezogen. Vor diesem Hintergrund haben wir die Handelsblatt-Leserschaft gefragt, wie es ihrer Meinung nach jetzt in den USA weitergeht.

Alle Leserinnen und Leser sind sich einig: Die Entscheidung war richtig und wichtig. Für einige kam die Entscheidung allerdings „zu spät“, wie ein Leser schreibt. Anderen geht der Schritt noch nicht weit genug: Sie fordern von Biden auch den Rücktritt von seinem aktuellen Amt. Das hätte den Vorteil, dass Kamala Harris, die als Spitzenkandidatin bei den Demokraten gilt, Erfahrungen als Präsidentin sammeln und mit dem Bonus als Amtsinhaberin in den Wahlkampf gehen könnte.

Dass die aktuelle Vizepräsidentin Kamala Harris für das Amt geeignet ist, davon sind alle Leserinnen und Leser überzeugt. Sie sei eine Frau mit „Besonnenheit, Klugheit, Charme und Spitzfindigkeit“, wie ein Leser sie beschreibt, andere loben die starke Rhetorik der ehemaligen Staatsanwältin Harris.

Viele Leserinnen und Leser sind deswegen auch der Meinung, dass die 59-jährige Kamala Harris den Präsidentschaftswahlkampf für sich entscheiden kann. Zusätzlich zu ihrer Eignung als Präsidentin komme hinzu, dass dem 78-jährigen republikanischen Gegenkandidaten Trump mit Bidens Rücktritt nun ein großer Kritikpunkt, nämlich dessen hohes Alter, jetzt auf die eigenen Füße falle. Eine Leserin schreibt: „Bislang lag ein beträchtlicher Teil der Stärke Donald Trumps an der Schwäche Joe Bidens.“ Jetzt würde Trumps eigene „Senilität in den Vordergrund“ gerückt, führt sie weiter aus. Dem stimmen auch andere Leserinnen und Leser zu. „Der neue alte weiße Mann“ Donald Trump, wie ihn ein Leser bezeichnet, sei jetzt zum „Opa des Wahlkampfs“ geworden, schreibt ein anderer Leser.

Für die aktuelle Ausgabe unseres Leserforums haben wir aus den unterschiedlichen Zuschriften eine Auswahl für Sie zusammengestellt.

Gerade noch rechtzeitig

„Der Verzicht von Biden kam noch rechtzeitig. Kamala Harris ist in der Lage, in der verbleibenden Zeit bis zur Wahl das amerikanische Volk mehrheitlich auf ihre Seite zu bringen.

Ich bin überzeugt, dass sie die Wahl gewinnt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Mehrheit der Amerikaner einen vielfach vorbestraften Präsidenten will. Im Übrigen, so glaube ich, wird Kamala Harris eine gute Präsidentin.“
Manfred Weiglein

Er hätte auch als Präsident zurücktreten sollen

„Ein wirkliches ‚endorsement‛ wäre gewesen, wenn Biden gleichzeitig auch als Präsident zurückgetreten wäre.
Harris hätte dann als Amtsinhaberin mit Bonus in den Wahlkampf gehen können, und die Aufregung bei den Demokraten wäre nun kleiner.
Die Hoffnung darauf ist zwar gering, aber hoffen darf man immer.“ Thomas Bäurer

Michelle Obama als Vize?

„Joe Biden hat richtig gehandelt. Seine Entscheidung bringt seinen verurteilten Kontrahenten ziemlich in Bedrängnis, auch wegen dessen Alter.
Kamala Harris benötigt nur noch einen guten Vize an ihrer Seite, vielleicht Michelle Obama?“
Frank Sprey

Fehlende Nachfolge

„Mein Vater hat zwar noch mit 91 eine präsidiale Geburtstagsrede geschwungen, aber ein Land führen – das hätte ich ihm schon mit 80 auf keinen Fall mehr zugetraut. Da wich die eigene Wahrnehmung von den tatsächlichen Fähigkeiten doch erheblich ab.

Präsident Biden hätte viel früher einen Nachfolger aufbauen und auf den Wahlkampf von vornherein verzichten sollen. Ein Amt mit dieser ungeheuren Machtfülle und erheblichem Einfluss auf das Schicksal vieler Millionen Menschen sollte man keinem Greis anvertrauen, Erfahrung hin oder her.“
Hendrik Meyer

Aus der Sackgasse raus

„Joe Bidens Rückzug war ein strategisch kluger Schritt, der die Demokraten aus einer Sackgasse befreit hat. Damit hat er den Weg für Kamala Harris frei gemacht, die mit 59 Jahren eine dynamische Alternative zum 78-jährigen Donald Trump darstellt.

Die USA brauchen in dieser Zeit des digitalen Umbruchs und der Künstlichen Intelligenz eine Führung, die die Potenziale dieser Technologien richtig einschätzen und nutzen kann. Die Demokraten sollten sich jetzt sofort hinter Harris versammeln.

Jeder interne Machtkampf würde nur Zeit kosten und die Spaltung vertiefen. Harris hat bereits breite Unterstützung und eine starke Spendenkampagne. Eine geschlossene Partei hat die besten Chancen gegen Trump und zur Kontrolle beider Kammern des Parlaments.

Die Zeit für eine Kandidatenauswahl ist vorbei – jetzt zählt Entschlossenheit.“
Sebastian Heckler

Gute Chancen, Trump noch zu verhindern

„Der Rückzug ist sicherlich aufgrund der bekannten Fakten der richtige Schritt. Trotz seiner zweifellosen Verdienste um die transatlantischen Beziehungen wäre es aussichtsreicher gewesen, wenn der Schritt ohne die ‚negativen Begleiterscheinungen‛ der letzten Tage und Wochen eher erfolgt wäre.

Nicht zuletzt auch, um der oder dem neuen Kandidaten beziehungsweise Kandidatin mehr Zeit zu geben. Dennoch sehe ich gute Chancen, einen Präsidenten Trump noch zu verhindern.“
Michael Vornweg

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Der neue Opa im Wahlkampf

„Joe Biden hat das Richtige getan. Bei einer Wiederwahl hätte er schließlich nicht nur heute, sondern auch in vier Jahren noch die nötige geistige Fitness an den Tag legen müssen. Es wird jetzt spannend, welche Themen die Wahlkampfteams beider Seiten auswählen.

Falls sich Kamala Harris bei den Demokraten durchsetzt, könnte Trump ihre magere Bilanz als Vizepräsidentin und insbesondere das Thema Migration in den Vordergrund stellen.

Hier wäre Harris angreifbar. Andererseits ist jetzt Trump plötzlich der ‚Opa des Wahlkampfs‛. Werden es die Demokraten zu nutzen wissen?“ Christian Lenz

Donald Trump nach dem Attentatsversuch auf ihn am 13. Juli. Das Ereignis gab dem Wahlkampf eine ganz neue Dynamik. Foto: AP

Ein Sprungbrett für Kamala

„Ich denke, Joe Biden hat die für ihn sicherlich sehr schwere Entscheidung richtig getroffen. Leider – wie zuletzt oft in der Politik – zu spät, zu wenig.

Er sollte konsequenterweise auch zeitnah vom Präsidentenamt zurücktreten, weniger aufgrund entsprechender Forderungen der Trumpisten als vielmehr, um Kamala Harris ein optimales Sprungbrett in einen Wahlkampf mit Amtsbonus zu ermöglichen.

So könnte sie die wirtschafts- und sozialpolitischen Erfolge der letzten Jahre optimal für sich nutzen und mit einer Akzentuierung der Nahostpolitik verlorene Wählergruppen zurückgewinnen. Das Amt würde sie zudem in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit befördern und ihr echte Chancen gegen den neuen alten weißen Mann Donald Trump bringen.“
Martin Kahmeyer

Extrem verantwortungslos

„Joe Biden hat sehr egoistisch gehandelt, dass er sich trotz seiner physischen und geistigen Beeinträchtigungen nochmals zur Wahl für dieses weltweit so wichtige Amt hat aufstellen lassen.

Grobe Verantwortungslosigkeit gegenüber der Weltpolitik!
Er hätte schon vor mindestens einem Jahr komplett zurücktreten müssen und der Vizepräsidentin die Amtsgeschäfte überlassen sollen.

Ich hoffe so sehr, dass Kamala Harris die Wahl gewinnt. Wir können es kaum erahnen, was dieser Despot Donald Trump der Welt wieder an Schaden zufügen wird.“
Ingrid Hitzeroth

Stärke Trumps war Bidens Schwäche

„Bislang lag ein beträchtlicher Teil der Stärke Donald Trumps an der Schwäche Joe Bidens. Nun ist nicht nur dieser Vorteil entfallen, sondern die voraussichtliche Kandidatur Kamala Harris‘ wird seine eigene Senilität in den Vordergrund rücken.

Zudem ist Frau Harris ein anderes Kaliber als Frau Clinton vor acht Jahren. Trump wird sich an ihr abarbeiten müssen – und sich die Zähne an ihr ausbeißen. Ich freue mich auf das nächste Fernsehduell!“
Sylvia Grossmann

Eine Frau voller Besonnenheit und Klugheit

„Die ersten Auftritte von Kamala Harris zeigen eine Frau, die mit Besonnenheit, Klugheit, Charme und Spitzfindigkeit aus dem Schatten der Vizepräsidentschaft getreten ist. Sie hat das Potenzial, die Wahl zu gewinnen!“
Winfried Bohn

Ganz und gar nicht zu spät

„Joe Biden hat mit seinem Schritt höchsten Respekt verdient. Die Meinung, dass dieser Schritt zu spät kam, teile ich nicht. Es bedurfte wohl dieser Zuspitzung, um die wirkliche Dimension klarzumachen.

Neben Russland und China braucht es eine starke Allianz des sogenannten Westens, damit die Welt nicht in Autokratien versinkt.“ Andreas Bahnmüller

Wie geht es nun weiter?

„Mit Kamala Harris. Sie ist im richtigen Moment in den Ring gestiegen. Trump versucht verzweifelt, seine Rhetorik zu finden. Kamala hat sie. Denn sie hatte genügend Zeit, sich darauf vorzubereiten. An der Seite von Joe Biden.“
Heide Schwarzweller

Bidens Starrsinn ist plötzlich vergessen

„Better late than never! Biden zieht die Reißleine, indem er im letztmöglichen Moment als Präsidentschaftskandidat zurücktritt und gleichzeitig die Chance ergreift, seine Vize, Kamala Harris, als Kandidatin der Demokraten vorzuschlagen.

Bidens Starrsinn ist vergessen, das Blatt wendet sich spontan, indem er nun international Bewunderung und Hommage genießt! Für den US-Wahlkampf sind die Demokraten neu motiviert.
Plötzlich sieht Trump richtig alt aus, die Trumpisten müssen sich von jetzt auf gleich völlig neu sortieren.

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Und ja, Kamala Harris hat durchaus Chancen, Trump die Show zu stehlen und zu gewinnen. Sie wird sich als ehemalige Staatsanwältin nicht einschüchtern lassen, wenn Trump im Vorfeld verkündet, die Wahl dann nicht anzuerkennen!“
Barbara Schmidt

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