Jason Furman: „Risiken eines geostrategischen Konflikts mit China wachsen“
Herr Furman, Europa beneidet die Amerikaner um ihr Wirtschaftswachstum. Die Amerikaner dagegen glauben, ihr Land befinde sich in einer Krise – wie erklären Sie sich das?
Es stimmt, dass die amerikanische Wirtschaft besser dasteht als alle anderen Industrieländer, aber das bedeutet nicht, dass sie den Standard erreicht hat, den die Amerikaner gern hätten. Unsere Arbeitslosenquote ist etwas höher als vor der Pandemie. Die Menschen haben einen rationalen Grund, über die Inflation besorgt zu sein. Die Löhne sind nur ein wenig stärker gestiegen als die Preise. Und zugleich gibt es auch eine irrationale Einstellung zur Inflation.
Was meinen Sie damit?
Ökonomen nennen das Phänomen „Geldillusion“: Wenn Preise und Löhne schneller steigen, geben die Menschen der Regierung die Schuld für die Preiserhöhungen, denken aber, dass sie persönlich die Lohnerhöhung verdient haben. Sie erkennen nicht, dass dieselbe Kraft, die ihnen Lohnerhöhungen beschert hat, auch Preiserhöhungen antreibt.
Ist in dieser Situation die Wirtschaftslage ein Vorteil oder ein Nachteil für die bisherige Vizepräsidentin Kamala Harris?
Wenn man sich die Umfragen anschaut, zeigt sich etwas Interessantes: Vor einem Monat war die Wirtschaft eine große Last für Biden. Jetzt gibt es einige Umfragen, aus denen hervorgeht, dass Harris von der wirtschaftlichen Lage leicht profitiert. Das zeigt vielleicht, dass es hier um etwas ganz anderes geht: Nämlich, dass die Wähler dachten, Biden sei zu alt, und dass sie aus diesem Grund negativer gestimmt waren als jetzt.