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LandesbankHelaba bildet deutlich mehr Risikovorsorge für faule Kredite

Das Frankfurter Institut muss im Firmenkundengeschäft deutlich mehr Rückstellungen bilden. Auch bei anderen Geldhäusern machen sich die steigenden Insolvenzahlen bemerkbar.Andreas Kröner 22.08.2024 - 15:09 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Helaba im Main Tower in Frankfurt: Im Firmenkundengeschäft hat sich die Risikovorsorge mehr als verzehnfacht. Foto: dpa

Frankfurt. Die maue Wirtschaftsentwicklung und steigende Insolvenzzahlen setzen den deutschen Geldhäusern verstärkt zu. Bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) stieg die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite im ersten Halbjahr um 60 Prozent auf 173 Millionen Euro, wie das Institut am Donnerstag bei Vorlage der Halbjahreszahlen mitteilte.

Während sich die Lage im Immobiliensegment leicht entspannte, hat sich die Risikovorsorge im Firmenkundengeschäft auf 107 Millionen Euro mehr als verzehnfacht. Vorstandschef Thomas Groß sagte, Hauptgrund seien die gestiegenen Insolvenzzahlen, von einem sehr niedrigen Niveau aus kommend. „Es ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den vergangenen ein, zwei Jahren.“

Risikochefin Tamara Weiss berichtete, die schleppende Konjunktur in Deutschland, die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit und geopolitische Risiken forderten die Unternehmen heraus. Bei der Helaba sei die gestiegene Vorsorge bisher „aber kein Breitenphänomen in unserem Kreditbuch, sondern auf einige wenige Einzelengagements im Firmenkundenbereich zurückzuführen, die wir konsequent abgeschrieben haben“.

Auch bei anderen Geldhäusern wie der Deutschen Bank und der BayernLB ist die Risikovorsorge im ersten Halbjahr deutlich angestiegen. Bei der Hamburg Commercial Bank (HCOB), die am Donnerstag ebenfalls Halbjahreszahlen vorlegte, stieg sie auf 40 Millionen Euro nach Auflösungen von zwei Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Bei der HCOB war die höhere Risikovorsorge genauso wie bei der BayernLB vor allem auf ausfallgefährdete Immobilienkredite zurückzuführen. Die Helaba stockte ihre Vorsorge im Immobiliensegment ebenfalls auf, mit 49 Millionen Euro lagen die Zuführungen aber deutlich unter dem Wert von 179 Millionen Euro aus dem ersten Halbjahr 2023.

Immobiliengeschäft wird deutlich reduziert

Der Immobilienmarkt befindet sich wegen der gestiegenen Zinsen und Baukosten seit zwei Jahren in der Krise. Aufgrund des Trends zu mehr Homeoffice ist der Druck auf Gewerbeimmobilen besonders groß, vor allem in den USA. Dort standen laut der Ratingagentur Moody’s Ende vergangenen Jahres fast 20 Prozent aller Büros leer.

„Von einer echten, nachhaltigen Erholung des Marktes über alle Nutzungsarten hinweg ist noch wenig zu spüren“, sagte Helaba-Risikochefin Weiss. Bei Wohnhäusern gebe es in Deutschland und den USA zwar eine Stabilisierung. „Im Markt für Büroimmobilien erwarten wir aber im zweiten Halbjahr weitere Preisrückgänge, wenn auch voraussichtlich etwas verlangsamt.“

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Die Helaba hat ihr Immobilienportfolio seit Anfang 2023 um neun Prozent auf 35,7 Milliarden Euro heruntergefahren – und will diese Reduktion laut Vorstandschef Groß „auf absehbare Zeit“ fortsetzen.

„Es ist gut, in Märkten, die schwierig sind, auf Sicht zu fahren“, sagte er. Irgendwann werde die Helaba in dem Segment aber auch wieder auf Wachstum setzen. „Für uns ist und bleibt das Immobilienkreditgeschäft ein sehr zentrales Geschäftsfeld.“

Helaba peilt weiteres Rekordergebnis an

Dank der gesunkenen Risikovorsorge verbuchte das Immobiliensegment im ersten Halbjahr einen Vorsteuergewinn von 93 Millionen Euro nach einem Verlust von 25 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Zudem baute das Privatkundengeschäft der Tochter Frankfurter Sparkasse den Gewinn deutlich aus, ebenso das Asset-Management.

Unter dem Strich stieg das Vorsteuerergebnis der Helaba deshalb im ersten Halbjahr um 23 Prozent auf 413 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr traut sich das Geldhaus weiterhin zu, das Rekordergebnis des Vorjahres von 722 Millionen Euro zu wiederholen.

Die Helaba ist nach der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) aus Stuttgart und der BayernLB aus München die drittgrößte deutsche Landesbank. Zuletzt schnitt sie beim Gewinn schlechter ab als ihre beiden größeren Konkurrenten. Die BayernLB hat im ersten Halbjahr einen Vorsteuergewinn von 944 Millionen eingefahren. Die LBBW legt ihre Halbjahreszahlen erst am kommenden Montag vor.

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Die Helaba gehört mehrheitlich den Sparkassen in Hessen und Thüringen, deren Anteil jüngst aber von 69 Prozent auf 50 Prozent gesunken ist. Hintergrund ist, dass das Land Hessen seine Beteiligung an der Helaba auf Druck der Bankenaufsicht umbauen musste.

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Die bereits im April verkündete Neustrukturierung sei im August erfolgreich umgesetzt worden, sagte Groß. Hessen hat dabei 1,5 Milliarden Euro als Bareinlage in die Helaba gesteckt und für weitere 500 Millionen Euro eine sogenannte AT1-Anleihe der Bank gekauft. Das sind Wertpapiere, die im Krisenfall herangezogen werden können, um die Eigenkapitalbasis eines Geldhauses zu stärken.

Der Anteil des Landes Hessen ist durch diesen Umbau von acht auf gut 30 Prozent gestiegen. Darüber hinaus sind noch andere Sparkassen aus Deutschland sowie der Freistaat Thüringen an der Helaba beteiligt.

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