Nvidia, Apple und Co.: Der Wettlauf um den Billionenrekord
Es ist ein ausgesprochen exklusiver Klub. Weltweit gibt es nur sieben Unternehmen, die an der Börse mehr als eine Billion Dollar wert sind. Mit Ausnahme des Ölriesen Saudi Aramco haben diesen Status nur die großen US-Technologiekonzerne erreicht.
Den spektakulärsten Aufstieg hat dabei, wie könnte es anders sein, der Chiphersteller Nvidia hingelegt. Innerhalb von nur zwei Jahren ist der Marktwert stark angestiegen – von 360 Milliarden Dollar im Jahr 2022 auf 3,34 Billionen Dollar, auf dem Höhepunkt der Rally Mitte Juni. Zeitweise eroberte Nvidia sogar den Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt und verwies die Tech-Titanen Microsoft und Apple auf die hinteren Plätze.
Wie wird das Rennen weitergehen? Wer aus dem Klub der Börsenstars hat die besten Chancen, eine Marktkapitalisierung von vier Billionen Dollar zu erreichen? Die Vergleichsplattform Bestbrokers kommt zu dem Schluss, dass Nvidia der wahrscheinlichste Kandidat ist. Bestbrokers traut sich sogar zu, ein mögliches Datum zu nennen, wann der Chipproduzent die Marke knacken könnte: Ende Januar 2025.
Nur leider sind die Berechnungen der Vergleichsplattform absolut unseriös und allenfalls eine amüsante Zahlenspielerei. Bestbrokers hat einfach die Wachstumsrate der Marktkapitalisierung der vergangenen drei Jahre genommen und sie in die Zukunft fortgeschrieben. Obwohl Apple mit einer aktuellen Börsenbewertung von 3,45 Billionen Dollar vor Nvidia mit 3,11 Billionen Dollar liegt, spricht die durchschnittliche Wachstumsrate von über 100 Prozent eindeutig für den Chipproduzenten. Denn der iPhone-Hersteller kommt nur auf gut neun Prozent.
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Ironischerweise könnte Bestbrokers mit seiner simplizistischen Rechnung am Ende sogar recht behalten, allerdings nur, wenn eine zentrale Bedingung erfüllt ist: Der Boom rund um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) muss weitergehen.
Damit der Hype anhält, müssen die Investoren und die Unternehmen weiter daran glauben, dass KI-Anwendungen der Produktivität einen massiven Schub verleihen und die Umsätze in neue Höhen treiben werden. Nur dann werden Konzerne wie Meta oder Amazon weiter in großem Stil in KI investieren.
Für die Tech-Konzerne bedeuten diese Investitionen erst einmal höhere Kosten, für Nvidia, den Produzenten der Chips, auf denen die Anwendungen beruhen, bedeuten sie höhere Umsätze.
Insofern ist die Gleichung recht simpel. Die Vier-Billionen-Marke wird nur geknackt, wenn der Aufschwung der großen Tech-Werte weitergeht. Der Aufschwung wird nur weitergehen, wenn der KI-Boom anhält; und wenn das passiert, hat Nvidia zumindest kurzfristig die besten Chancen, einen Rekord in Sachen Börsenwert aufzustellen.
Das sind allerdings sehr viele Wenns. Von Quartalssaison zu Quartalssaison wachsen die Zweifel an der Nachhaltigkeit des KI-Booms. Die Blitzkorrektur an den Börsen von Anfang August zeigt, dass die Zeit der ruhigen Märkte wohl erst einmal vorbei ist.
Bislang ist es Nvidia-Chef Jensen Huang mit bewundernswerter Präzision und Ausdauer gelungen, die hochgesteckten Erwartungen der Investoren zu übertreffen. Das ist allerdings ein heikler Balanceakt, der immer schwieriger wird. Wenn Nvidia am Mittwoch sein Zwischenergebnis vorlegt, dann erwarten die Analysten im Vergleich zum Vorjahresquartal eine Verdoppelung der Umsätze auf knapp 29 Milliarden Dollar. Das klingt beeindruckend, bedeutet aber tatsächlich eine Verlangsamung des Wachstums, denn im Vorquartal steigerte der Konzern den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 260 Prozent.
Die Gefahr eines Fehltritts wird größer. Und angesichts der fragileren Börsenlage könnten nur leichte Schwächen in den Nvidia-Zahlen für weitere Kursturbulenzen sorgen. Die Marke von vier Billionen Dollar könnte noch ziemlich lange ein unerreichbares Ziel bleiben.