Kommentar: Meyer Burger – Ein Rettungsversuch geht nach hinten los

Der Solarmodulproduzent Meyer Burger wollte dem deutschen Markt den Rücken kehren und sein Heil in den USA suchen. Dort werde einem immerhin der rote Teppich ausgerollt, hieß es noch vor einem halben Jahr mit deutlichen Worten in Richtung Bundesregierung. Heute sind die Pläne zum Aufbau einer Zellfabrik im US-Bundesstaat Colorado Geschichte.
Das hat mehrere Gründe. Vor allem aber zeigt es deutlich, dass das milliardenschwere Subventionsprogramm Inflation Reduction Act (IRA) eben nicht die Lösung für alle Probleme ist. Und nicht alles Gold ist, was glänzt.
Mit Steuererleichterungen, Direktsubventionen und günstigen Energiepreisen lockt der IRA Industrieproduktionen nach Nordamerika. Auch einige deutsche Unternehmen zieht es seitdem wieder vermehrt in die Staaten.
Wer allerdings schon finanziell mit dem Rücken zur Wand steht, für den kann der in den USA auch „Hail Mary“-Pass (spielentscheidender Zug im Football) genannte Rettungsversuch über den IRA schnell nach hinten losgehen. Das berichten deutsche Unternehmen immer wieder. Erst ist die Euphorie groß und dann kommt die Ernüchterung.
Denn auch in Nordamerika ist die überbordende Bürokratie ein Problem, stimmen die ausgerechneten Steuervorteile in der Theorie oftmals doch nicht mit der Praxis zusammen und sind größere Darlehen bei US-Banken auch nicht einfacher zu bekommen als bei deutschen Geldgebern. Eine schmerzhafte Erfahrung, die nun auch Meyer Burger machen musste.
Das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz war vor vier Jahren mit dem Versprechen angetreten, der deutschen Solarindustrie zu einem Comeback zu verhelfen. Photovoltaik made in Germany. Ganz wie zu Zeiten von Solarworld, Q-Cells und Solon, als deutsche Unternehmen den Weltmarkt anführten. Aber erst die Konkurrenz aus China hatte Solarstrom in den Jahren danach zur günstigsten Energieerzeugung der Welt gemacht und die deutschen Pioniere mit ihren Billigmodulen reihenweise in den Ruin getrieben.
Mit fairen Arbeitsbedingungen, mehr Leistung und der Produktion im eigenen Land wollte Meyer Burger zeigen, dass es auch anders gehen kann. Und scheiterte zumindest in Deutschland schon wieder an den marktbeherrschenden Wettbewerbern aus Asien. Nun ist auch die Flucht in die USA misslungen, zumindest halb. Module rollen in Arizona schon vom Band. Nur die Zellen kommen jetzt weiterhin aus Deutschland, statt wie geplant ebenfalls in den USA produziert zu werden. Was nun?
Meyer Burger konnte preislich noch nie mit der Konkurrenz aus China mithalten. Die Module kosteten nicht nur doppelt so viel wie vergleichbare Produkte aus Asien, sie waren auch teurer als andere europäische Produzenten. Der Leistungsunterschied war am Ende augenscheinlich nicht groß genug, um den hohen Preis wettzumachen. Hinzu kamen eine weltweite Pandemie, Lieferkettenchaos, Inflation und im vergangenen Jahr ein Preissturz am Solarmarkt, ausgelöst durch eine erneute Flut von Billigmodulen aus Fernost.
Die Situation auf dem europäischen Markt hat sich seitdem nicht maßgeblich verändert. Wettbewerbsfähig kann Meyer Burger also ohne Subventionen hier nicht produzieren. Die Flucht nach vorn, in die USA, ist nicht gelungen. Die Frage ist nun, wie lange das Unternehmen noch durchhält.