Ukraine-Krieg: Wie die Ukraine die wichtige Frontstadt Pokrowsk verteidigt
Pokrowsk. Es ist drei Uhr früh, als das Funkgerät im Bunker knackt: „Russischer Sturmangriff in zwei Stunden. Ständige Überwachung eures Abschnitts!“ Sofort sind Ragnar und Chimik hellwach.
Die beiden Ukrainer steuern ihre Überwachungsdrohne über die feindlichen Stellungen im besetzten Donbass, zwanzig Kilometer östlich der Stadt Pokrowsk. Aus einer Höhe von 700 Metern sieht die Nachtsichtkamera fast jede Bewegung. So wissen die Verteidiger, woher die Soldaten und Panzer der Angreifer kommen.
Ragnar und Chimik, die nur mit ihren Kampfnamen genannt werden dürfen, finden mit ihren Drohnen seit Monaten Ziele für die ukrainische Artillerie. An diesem Augustmorgen zeigen sie auf ihren Bildschirmen abgefeuerte Raketen und ein russisches Fahrzeug, das auf einer Landmine explodiert.
Die Drohnenpiloten wissen, dass auch sie innerhalb von Sekunden zum Ziel werden können. Ihr Bunker bleibt daher die ganze Nacht dunkel. Nicht einmal eine Zigarette rauchen sie unter freiem Himmel. Die feindlichen Drohnen könnten die Glut sehen.
Nach Tagesanbruch attackieren die Russen an der Front von Pokrowsk zehn Mal – mit Infanterie, Gleitbomben und Artillerie. Die kampferprobte 110. Brigade hält ihren Abschnitt. Auch Ragnar und Chimik kämpfen mit ihren Drohnen gegen die Russen: Am Tag hängen sie Granaten daran und machen damit Jagd auf den Feind. Minutenlang führt Chimik schwer erträgliche Videos seiner Einheit vor. In Nahaufnahme fällt eine Bombe nach der anderen auf die Russen, manche zerfetzen Gesichter.