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GeopolitikFünf Wege für Trump zu Grönland-Annexion – Treffen am Mittwoch

Er werde die Arktisinsel notfalls mit Gewalt einnehmen, sagt der US-Präsident. Klingbeil und Wadephul versuchen, in Washington zu vermitteln. Sie bereiten sich auf mehrere Szenarien vor.Jakob Hanke Vela, Dana Heide, Jan Hildebrand und Annett Meiritz 13.01.2026 - 04:05 Uhr Artikel anhören
Eisberge vor dem grönländischen Nuuk: Der Streit zwischen den USA und Dänemark wird härter. Foto: AFP

Brüssel, Washington, Berlin. Die zeitgleich stattfindenden Reisen von Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) nach Washington gelten offiziell als Arbeitsbesuche. Doch die diplomatische Routine wird von einer eskalierenden Krise überschattet: US-Präsident Donald Trump drohte erneut, Grönland notfalls mit militärischer Gewalt unter US-amerikanische Kontrolle zu bringen.

Beide Minister nutzen ihren Aufenthalt in der US-Hauptstadt am Montag, um diese Aussagen offen zurückzuweisen und auf die völkerrechtliche Ordnung zu pochen. Er mache sich „große Sorgen“ um das transatlantische Verhältnis, sagte Klingbeil. Die Diskussionen würden „immer schwieriger, die Differenzen immer größer“. Deshalb seien er und Wadephul fast parallel aufgebrochen. Die Bundesregierung wolle „alle Möglichkeiten nutzen, mit unseren amerikanischen Partnern im Dialog zu sein“.

Außenminister Wadephul stimmte nach einem etwa 1,5 Stunden dauernden Gespräch mit seinem Amtskollegen Rubio in Washington am Montag optimistische Töne an. Er habe keinen Anhaltspunkt dafür, dass ein militärischer Angriff auf Grönland „ernsthaft erwogen wird“, sagte er vor dem Kapitol. „Sondern ich glaube, dass es ein gemeinsames Interesse gibt, dass wir uns um die Sicherheitsfragen, die im arktischen Raum auftreten, kümmern sollten und kümmern werden.“

Trump hatte am Sonntag gesagt, die USA würden Grönland „auf die eine oder andere Weise“ bekommen. Zuvor hatte Regierungssprecherin Karoline Leavitt gesagt, dass Trump als Oberbefehlshaber „selbstverständlich“ auch „der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung“ stehe.

Gipfel zwischen Dänemark und USA für Mittwoch angesetzt

Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen warnte vor dem Ende des Verteidigungsbündnisses Nato, sollten die USA Grönland annektieren. Die Arktisinsel gehört offiziell zum Königreich Dänemark, das ebenso wie die USA und viele weitere europäische Länder Mitglied des Bündnisses ist.

Eine direkte Konfrontation mit Trump will Kopenhagen dennoch vermeiden. Man wolle weder mit Strafzöllen noch mit Sanktionen drohen, berichten europäische Diplomaten dem Handelsblatt. Stattdessen versuche Dänemark, Abgeordnete im US-Kongress auf den hohen politischen Preis einer Annexion hinzuweisen.

Russland und China erforschen da nicht Robben und Polarbären
Alexus Grynkewich, oberster Befehlshaber der Nato-Truppen

Trump scheut eine Konfrontation weniger. Auf die Frage der „New York Times“, ob ihm der Erhalt der Nato oder die Einnahme Grönlands wichtiger sei, antwortete er: „Da könnte es eine Wahl geben.“ Die Nato brauche Washington mehr als umgekehrt.

Berlin versucht  indes, zu deeskalieren – auch wenn es für Vertreter der Bundesregierung zuletzt immer schwieriger wurde, hochrangige Termine in Washington zu bekommen. Klingbeil machte bei einem Abendessen mit US-Finanzminister Scott Bessent deutlich, dass Deutschland von den USA erwarte, dass sie Souveränität und Völkerrecht achten.

Schon vor seinem Treffen mit Rubio hatte Wadephul erklärt, dass über territoriale Fragen allein Grönland und Dänemark zu entscheiden hätten. Rubio wiederum kündigte Gespräche mit seinem dänischen Amtskollegen Lars Løkke Rasmussen und der grönländischen Außenministerin Vivian Motzfeldt in dieser Woche an.

Wie der US-Sender CBS unter Berufung auf Diplomatenkreise berichtet, soll ein Treffen am Mittwoch stattfinden. Auch die dänische Nachrichtenagentur Ritzau berichtet am Dienstag unter Berufung auf Rasmussen, dass das Treffen am Mittwoch stattfinden soll. Teilnehmer  von US-Seite soll neben Rubio auch Vizepräsident JD Vance sein. „Ich vertraue voll und ganz darauf, dass man im partnerschaftlichen Dialog zu gemeinsamen Ergebnissen kommt“, sagte Wadephul in Washington mit Blick auf das Treffen.

Grönland ist mit seinen 57.000 Einwohnern zwar dünn besiedelt, strategisch aber zentral: Die Insel liegt an den Seewegen zwischen Nordamerika und Europa, beherbergt wichtige Frühwarn- und Militäranlagen der USA und wird durch das Abschmelzen des Eises wirtschaftlich und militärisch noch bedeutsamer. Wenn die USA Grönland nicht „nehmen“, so der US-Präsident, würden Russland oder China dort Fuß fassen.

Mette Frederiksen: Die dänische Premierministerin will ihr Territorium verteidigen. Foto: AP

Bei einer Konferenz in Schweden berichtete der militärisch verantwortliche oberste Befehlshaber aller Nato-Truppen, Alexus Grynkewich, dass russische und chinesische Schiffe gemeinsam in der Nähe Kanadas und im Norden des US-Bundesstaates Alaska patrouilliert hätten.

„Sie tun das nicht für friedliche Zwecke. Sie erforschen da nicht Robben und Polarbären“, sagte Grynkewich. China und Russland versuchten vielmehr, unter anderem durch Messungen herauszufinden, wie sie Nato-Fähigkeiten auf und unter dem Meer entgegenwirken könnten, warnte er.

Chinas Außenministerium kritisierte am Montag erneut die Äußerungen der USA. Die Arktis betreffe die Interessen der gesamten internationalen Gemeinschaft, betonte eine Sprecherin. Zuvor hatte das chinesische Außenministerium den USA vorgeworfen, eine angebliche Bedrohung durch China als Vorwand zu nutzen, um sich selbst Vorteile zu verschaffen.

Fünf US-Strategien zur Eroberung Grönlands

Trump hatte schon während seiner ersten Amtszeit gesagt, er wolle Grönland erwerben. Damals wurde dies kaum ernst genommen – die grönländischen und dänischen Regierungen ließen nur knapp mitteilen, Grönland stehe nicht zum Verkauf. Doch in seiner zweiten Amtszeit treibt der Präsident sein Ziel nun voran.

Der kürzlich ernannte US-Sondergesandte in Grönland, Jeff Landry, verteidigte Trumps Pläne am Montag in einem Post auf der Social-Media-Plattform Facebook als historisch legitimiert: „Die USA verteidigten während des Zweiten Weltkriegs die Souveränität Grönlands, als Dänemark dazu nicht in der Lage war.“

Faktisch hätten die USA mehrere Wege, Grönland unter amerikanische Kontrolle zu bringen:

  1. Kauf per Referendum: Im Weißen Haus werde unter anderem erwogen, Grönlands Bürger mit finanziellen Anreizen zu locken, berichtet das „Wall Street Journal“. Außenminister Rubio erklärte vergangene Woche vor Kongressabgeordneten, Ziel sei ein „Erwerb“ des Territoriums. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge könnten die USA zwischen 10.000 und 100.000 US-Dollar pro Person zahlen, wenn sich die Grönländerinnen und Grönländer in einem Referendum für eine Loslösung von Dänemark und einen Anschluss an die USA entschieden. Die daraus entstehenden Milliardenkosten würden als strategische Investition betrachtet.
  2. Unabhängigkeit mit anschließendem US-Assoziierungsvertrag: Eine weitere Option ist, Grönland zunächst aus dem dänischen Staatsverband zu lösen und es dann über einen Assoziierungspakt an die USA zu binden. Washington hat solche Verträge – sogenannte Compact of Free Association (COFA) – mit Mikronesien, Palau und den Marshallinseln geschlossen. Die USA garantieren darüber militärischen Schutz, wirtschaftliche Unterstützung sowie den Zugang zu zentralen Dienstleistungen. Im Gegenzug erhalten sie weitgehende sicherheitspolitische Kontrolle. In Grönland selbst gibt es bereits starke politische Bestrebungen für eine Unabhängigkeit, die die USA instrumentalisieren könnten.
  3. Freihandels- und Sicherheitsabkommen: Parallel dazu wird laut US-Berichten ein Freihandelsabkommen diskutiert, das den US-Streitkräften erlauben würde, sich ohne Einschränkungen auf Grönland zu bewegen. Im Gegenzug würden die USA Schutz, bestimmte staatliche Dienstleistungen und zollfreien Handel anbieten. Trumps Umfeld argumentiert, Washington könne Grönland wirtschaftlich attraktivere Konditionen bieten als Kopenhagen oder die EU.
  4. „Unblutige Übernahme“ durch Lieferketten und Medienmanipulation: Ein vom Magazin „Foreign Affairs“ beschriebenes Gedankenspiel prophezeit „eine neue Form von Imperialismus, bei der die Kontrolle über ein Gebiet nicht durch offene Gewalt, sondern durch Investitionen, Infrastruktur, Medien und Versorgungsketten entsteht“. In diesem Szenario finanzieren und fördern die USA eine grönländische Identität gegen den dänischen „Kolonialismus“ und investieren Milliarden in Infrastruktur und Rohstoffförderung. Gleichzeitig setzen sie dänische Versorgungsrouten unter Druck und erzwingen eine Zuwendung Grönlands zu den USA, die als einzige verlässliche Versorger auftreten. Parallel weitet das US-Militär seine Präsenz aus. Grönland würde so nicht erobert, sondern „schrittweise absorbiert“, so das Magazin.
  5. Militärische Besetzung: Militäranalysten zufolge könnte Washington jederzeit große Verbände per Luft- und Seeweg landen lassen und das Gebiet als amerikanisches Territorium deklarieren. Europäische Gegenwehr wäre kaum durchsetzbar – eine Operation könnte binnen Minuten entschieden sein.

Die Möglichkeiten der Europäer, Trump zu bremsen oder einzuhegen, sind begrenzt – im Hintergrund wird dennoch hektisch daran gearbeitet. In der Nato wird etwa über eine neue Überwachungsmission nach dem Vorbild bestehender Einsätze in Ostsee und Baltikum beraten, die den Namen „Arctic Sentry“ tragen soll, eine „Wache der Arktis“. Sie soll offiziell dem Schutz vor russischen und chinesischen Aktivitäten dienen. Gemeinsam mit Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den nordischen Ländern wirbt Kopenhagen für eine solche Mission.

Trump dürfte internen Widerstand ignorieren

Nato-Generalsekretär Mark Rutte soll ein entsprechendes Konzept ausarbeiten. Und Wadephul dürfte die angedachte Mission auch bei seinem Treffen mit Rubio ansprechen. So könnte er den Amerikanern zeigen wollen, dass die Europäer nicht untätig sind gegen mögliche Bedrohungen aus Russland und China. Zudem soll dies von der Diskussion um die Souveränität Grönlands wegführen.

Allerdings existieren bislang weder ein Mandat noch ein Zeitplan. Und als wichtigstes Nato-Mitglied müssten die USA einer solchen Mission auch zustimmen.

Gleichzeitig wächst in den USA selbst der Widerstand gegen Trumps Kurs. Der demokratische Senator Ruben Gallego kündigte an, einen Antrag in der Kongresskammer einzubringen, um militärische Aggressionen gegen Grönland zu blockieren. Ein längerer Einsatz von US-Truppen, der 60 Tage überschreitet, erfordere ohnehin die Zustimmung des Kongresses.

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Selbst der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, – sonst ein Verbündeter Trumps – erklärte, eine gewaltsame Eroberung Grönlands sei „nicht angemessen“. Zuvor hatten die US-Republikaner Trumps Grönland-Drohungen als Verhandlungstaktik dargestellt.

Jüngste Interventionen, etwa in Venezuela, haben jedoch gezeigt, dass das Weiße Haus bereit ist, Einwände des Kongresses zu ignorieren.

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