Asien: Japan verurteilt Luftraumverletzung durch chinesische Luftwaffe
Shanghai. Die japanische Regierung hat am Dienstag die Verletzung ihres Luftraums durch ein chinesisches Militärflugzeug am Montagabend als „völlig inakzeptabel“ verurteilt. Regierungssprecher Yoshimasa Hayashi sagte, der Vorfall sei „nicht nur eine schwere Verletzung der japanischen Souveränität, sondern bedroht auch unsere Sicherheit“.
Nach japanischen Angaben war ein chinesisches Aufklärungsflugzeug vom Typ Y-9 am Montag zwei Minuten lang im Luftraum der südjapanischen Danjo-Inseln geflogen. Die kleinen Inseln sind unbewohnt. Japan wies darauf hin, dass dies die erste Luftraumverletzung durch das chinesische Militär gewesen sei.
Als Reaktion auf den Vorfall ließ die Regierung in Tokio Kampfflugzeuge aufsteigen und bestellte einen chinesischen Botschaftsvertreter ein.
Chinas Außenamtssprecher Lin Jian sagte am Dienstag, die chinesische Seite wolle zunächst Informationen sammeln und die Vorwürfe gegen sein Land untersuchen. China beabsichtige nicht, in den Luftraum anderer Länder einzudringen. Beide Regierungen stünden in Kontakt.
Zuvor hatten einige Medien berichtet, dass ein japanischer Zerstörer im vergangenen Monat in chinesische Hoheitsgewässer eingedrungen war, obwohl er von chinesischen Schiffen gewarnt worden war. Das japanische Verteidigungsministerium lehnte es ab, diesen Bericht zu bestätigen.
Chinas verstärkte Machtambitionen
Japans Regierung lässt der Vorfall aufhorchen, denn in Tokio werden Chinas Machtambitionen im Ostchinesischen Meer und im Pazifik mit wachsendem Argwohn betrachtet. Zwar ist nicht auszuschließen, dass es sich um ein Versehen des chinesischen Militärs oder des Piloten handelt, doch testet China beispielsweise an seinen Seegrenzen zu den Philippinen verstärkt aus, wie weit sein Militär gehen kann – und welche Provokationen die Nachbarstaaten hinnehmen und welche nicht.
Japan ist wie die Philippinen ein enger Verbündeter der USA – seit Dienstag ist US-Sicherheitsberater Jake Sullivan zu Gesprächen in der chinesischen Hauptstadt Peking. Sullivan trifft hochrangige chinesische Beamte, darunter Außenminister Wang Yi. Dabei soll es auch um die Streitigkeiten mit den Nachbarstaaten in der Region gehen – und um die Taiwan-Frage. An den Grenzen des Inselstaates, den die Volksrepublik für sich beansprucht, hat China in den vergangenen Jahren seine militärische Präsenz verstärkt.
Die Regierung der Philippinen forderte nach dem Vorfall im japanischen Luftraum ein stärkeres internationales Vorgehen gegen China. Erst am Sonntag war es im Streit um Gebietsansprüche Pekings in der Region erneut zu einer Kollision zwischen einem Schiff der chinesischen Küstenwache und einem philippinischen Versorgungsschiff gekommen. Das chinesische Schiff soll auch Wasserwerfer eingesetzt haben. „China ist der größte Störenfried des internationalen Friedens in der Asean-Region“, sagte der philippinische Verteidigungsminister Gilberto Teodoro mit Blick auf die Vereinigung südostasiatischer Staaten.
„Das Gegenmittel ist ein stärkeres kollektives multilaterales Vorgehen gegen China“, betonte der Minister. Eine Resolution des UN-Sicherheitsrates, die China anweise, mit den aggressiven Manövern aufzuhören, wäre eine starke Maßnahme, die die internationale Gemeinschaft ergreifen könnte, fügte Teodoro hinzu. Er räumte aber gleichzeitig ein, dass dies nicht leicht zu erreichen sei. Als ständiges Mitglied hat China ein Vetorecht im Weltsicherheitsrat.
Sowohl das Ostchinesische als auch das Südchinesische Meer gehören zu den wirtschaftlich bedeutendsten Regionen der Welt – auch für deutsche Unternehmen. Im chinesischen Shanghai befindet sich der größte Containerhafen der Welt, im koreanischen Busan ein weiterer bedeutender Umschlagplatz. Ein Konflikt in dieser Region würde die globalen Lieferketten massiv stören.
Mit Material der Nachrichtenagenturen Bloomberg, Reuters und dpa.