Konjunktur: Japan korrigiert Wachstumsrate leicht nach unten
Tokio. Die japanische Wirtschaft ist im zweiten Quartal etwas langsamer gewachsen als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt stieg von April bis Juni auf das Jahr hochgerechnet um 2,9 Prozent, wie aus am Montag veröffentlichten revidierten Regierungsdaten hervorgeht. Das liegt unter der ursprünglichen Schätzung von 3,1 Prozent und unter den Prognosen der Ökonomen, die ein Wachstum von 3,2 Prozent erwartet hatten.
Die Revision zeigt, dass sowohl die Unternehmens- als auch die Haushaltsausgaben nach unten korrigiert wurden, was auf ein schwierigeres zweites Halbjahr für den Konsum und die Zinspläne der Zentralbank hindeutet.
Trotz der Verlangsamung geht die Mehrheit der Analysten davon aus, dass sich die japanische Wirtschaft weiter allmählich erholen wird, unterstützt durch positive Trends bei Löhnen und Gehältern sowie bei den Ausgaben von Privathaushalten und Unternehmen. Privatausgaben waren zuvor vier Quartale in Folge gesunken.
Einige Ökonomen bleiben allerdings skeptisch, was die Erholung angeht. Es blieben Risiken durch externe Faktoren wie eine mögliche Verlangsamung der US-amerikanischen und chinesischen Wirtschaft bestehen. Zudem sei weiterhin nicht eindeutig zu erkennen, wie die Verbraucher mit der ersten anhaltenden Inflation seit Jahrzehnten umgehen würden.
Der wichtigste Indikator für die Verbraucherinflation liegt seit 28 Monaten bei oder über der von der Bank of Japan (BOJ) angestrebten Marke von zwei Prozent, für den August werden ähnliche Zahlen erwartet. Taro Kimura, Ökonom der Nachrichtenagentur Bloomberg schätzt die Auswirkungen auf die Zinsentwicklung ein: „Wegen der hohen Inflation und dem Wachstum der Reallöhne gehen wir weiter davon aus, dass die BOJ bei ihrem Treffen im Oktober eine Zinserhöhung beschließen wird.“
Die Sorgen im Land um die Entwicklung der Lebenshaltungskosten sind Thema im Wettstreit um den Vorsitz von Japans regierender Liberaldemokratischer Partei (LDP). Der neue Vorsitzende wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch den Posten des Premierministers übernehmen. Die Wahlen sind für den 27. September angesetzt.