US-Wahl: Der Tweet aus Berlin ist völlig unnötig

Dass das Auswärtige Amt Falschnachrichten aktiv bekämpfen will, ist gut und richtig. Dass es das in einer Sprache macht, die den sozialen Netzwerken angepasst ist, auch.
Doch es gibt Grenzen, insbesondere in der Außenpolitik. Die hat das Auswärtige Amt am Mittwoch überschritten, als es auf seinem englischen offiziellen X-Account in Reaktion auf eine Äußerung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump während der TV-Debatte mit Kamala Harris eine flapsig formulierte Richtigstellung twitterte.
Es ging um Äußerungen Trumps zur deutschen Energiepolitik. Als besondere Pointe fügte das Auswärtige Amt hinzu: „PS: Wir essen auch keine Hunde und Katzen“ – eine Anspielung darauf, dass Trump in der Debatte Einwanderer beschuldigte, die Haustiere von US-Bürgern zu verspeisen.
Der Trump-Vertraute Richard Grenell, der zu seiner Zeit als US-Botschafter in Berlin giftige Tweets Richtung Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft sendete, warf dem Außenministerium „eklatante Wahlbeeinflussung“ vor. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich Grenell selbst zu seiner Berliner Zeit massiv in die deutsche Innenpolitik eingemischt hatte.
Natürlich hat der Tweet mit Wahlbeeinflussung nichts zu tun. Kein Amerikaner wird sich in seiner Wahl davon beeinflussen lassen, was das Auswärtige Amt in Berlin zu Trump denkt.
Dennoch war das deutsche Statement unnötig. Es konterkariert die eigentlich richtige Strategie von Außenministerin Annalena Baerbock mit Blick auf die Wahl Anfang November. Sie lautet: Vorbereitet zu sein auf etwas, auf das man eben keinen Einfluss hat – eine zweite Amtszeit von Trump.
Das bedeutet, auch auf die bekennenden Trump-Anhänger unter den Republikanern zuzugehen, Kontakte zu knüpfen – ohne dabei seine eigenen Werte und Überzeugungen aufzugeben. Mit vermeintlich lustigen Tweets erreicht das Auswärtige Amt das Gegenteil.