Morning Briefing: Neuer Anschlagsversuch auf Trump – und eine neue Provokation
Trump-Anschlagsversuch: Schütze verhaftet, Fragen offen
Liebe Leserinnen und Leser,
auch zum Wochenauftakt beschäftigt uns der Übernahmeversuch der Commerzbank durch die italienische Unicredit, und ganz ehrlich: Mich erleichtert es, mal wieder über so ein urkapitalistisches Thema zu schreiben wie das Ringen zweier Großbanken. Oder naja, eher dem Ringen zwischen einer ziemlich großen und einer mittelgroßen.
In jedem Fall wohnt dem Thema eine gewisse Leichtigkeit inne verglichen mit dem, was uns dieser Tage sonst beschäftigt: Wie kann man es Flüchtlingen noch ein bisschen schwerer machen, die deutsche Grenze zu überschreiten? Wie lässt sich Russlands Morden in der Ukraine stoppen?
Stattdessen nun das große Glasperlenspiel, das sich Mergers & Acquisitions nennt, und bei dem zwar Arbeitsplätze und Karrieren auf dem Spiel stehen, aber zumindest im Normalfall niemand stirbt.
Im Handelsblatt-Interview äußert sich heute jener Mann, der das alles ausgelöst hat: Andrea Orcel. Bislang hatte der Unicredit-Chef offen gelassen, was er mit der frisch erworbenen Neun-Prozent-Beteiligung an der Commerzbank vorhat. Jetzt macht er deutlich, dass er eine Komplettübernahme favorisiert:
Er lässt auch keinen Zweifel daran, gegen wen sich die Kampfansage richtet:
Gleichzeitig erhöht er den Druck auf das Management der Commerzbank, das einer Übernahme bislang skeptisch gegenüber steht. Die Commerzbank müsse stärker wachsen und profitabler werden. Die Eigenkapitalrendite der deutschen Unicredit-Tochter Hypovereinsbank sei doppelt so hoch wie die der Commerzbank. Der Unicredit-Chef stellt den Frankfurtern in Aussicht:
In der Finanzsprache bedeutet das soviel wie: Entweder Ihr macht, was wir wollen, oder wir machen Euch das Leben zur Hölle.
Die kleine Schwester der Übernahme heißt Aufspaltung. Sie trägt gedecktere Farben, aber hinterlässt umso durablere Narben. Seit Monaten diskutieren die Eigentümer des Medienkonzerns Springer über eine Teilung. Nun könnte es ernst werden. Die „Financial Times“ berichtet, dass am Donnerstag der Aufsichtsrat von Springer über eine mögliche Struktur des Deals beraten soll.
Laut mehreren mit den Vorgängen vertrauten Personen steht Springer-Chef Mathias Döpfner in Verhandlungen mit dem größten Anteilseigner KKR, um das Unternehmen in das Mediengeschäft und das digitale Kleinanzeigengeschäft aufzuteilen. Döpfner, der einen Anteil von 22 Prozent am Unternehmen hält, würde nach diesen Plänen zusammen mit der Verlegerin Friede Springer das Mediengeschäft behalten. Dazu gehören neben den Marken „Bild“ und „Welt“ auch die US-Medien „Politico“ und „Business Insider“.
Der US-Finanzinvestor KKR und der kanadische Pensionsfonds CPPIB würden die Kontrolle über das sogenannte Classifieds-Geschäft bekommen. Dazu gehören etwa die Jobplattform Stepstone oder das Anzeigengeschäft mit Immobilien.
Wir kommen zum harten Brot der Tagespolitik. CDU-Chef Friedrich Merz hat seine Offenheit für das von Bundesfinanzminister Christian Lindner vorgeschlagene Spitzengespräch zur Migration mit Kanzler Olaf Scholz bekräftigt. Er habe seine Bereitschaft dazu erklärt, sagte der Unionsfraktionschef im ZDF:
FDP-Chef Lindner hatte nach dem Scheitern der Migrationsgespräche zwischen Ampel und Union einen neuen Anlauf gefordert. Merz solle mit Scholz, Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und ihm selbst persönlich verhandeln. Die Union fordert weitreichende Zurückweisungen von Asylbewerbern an den deutschen Grenzen.
Soviel zur Theorie, nun zur Praxis der neuen Migrationspolitik: Ab heute müssen Reisende an allen deutschen Landesgrenzen mit Kontrollen rechnen. Die Bundespolizei wird sie laut Innenministerium „flexibel und je nach den aktuellen Sicherheitserfordernissen“ vornehmen. Reisende und Pendler sollten ein Identitätsdokument wie Personalausweis oder Reisepass mitführen. Was ja auch bisher schon keine schlechte Idee war.
Alle anderen, und hier handelt es sich nicht mehr um die Empfehlung des Innenministeriums, sollten den Satz „Ich beantrage Asyl“ möglichst verständlich aussprechen können. Dann ist die Einreise weiterhin kein Problem.
Falls Sie sich nun fragen, was das Ganze soll: Das frage ich mich auch. Und hoffe, dass der zusätzliche Kontroll-Spuk schnell wieder verschwinden wird, wenn die SPD die Landtagswahl in Brandenburg am kommenden Sonntag überstanden hat.
Noch ein Gespenst könnte nach dem 22. September aufhören, durch die deutsche Politik zu geistern: die mögliche Kanzlerkandidatur von CSU-Chef Markus Söder. Unions-Fraktionsvize Jens Spahn sagte der „Rheinischen Post“, die Entscheidung falle nach der Brandenburg-Wahl:
Nach parteimenschlichem Ermessen lässt sich Merz die Kandidatur kaum noch nehmen. Was also sollen die CSU-Querschüsse der vergangenen Tage?
Meine durch keinerlei Insiderkenntnisse getrübte Vermutung: Es geht der CSU darum, einen möglichst hohen Preis dafür zu erzielen, dass man einer Merz-Kandidatur nicht im Weg steht. Dieser Preis könnte ein herausgehobenes Ministeramt in Berlin nach der nächsten Wahl sein, oder die Fast Lane für ein neues Autobahnprojekt im Freistaat.
Die US-Bundespolizei FBI geht nach den gestrigen Schüssen in der Nähe Donald Trumps von einem geplanten Attentat aus. Laut Secret Service befindet sich Trump in Sicherheit und ist unverletzt. Ein Mann habe sich mit der Waffe im Gebüsch an der Umzäunung von Trumps Golfplatz in West Palm Beach versteckt, als der republikanische Präsidentschaftskandidat dort gerade spielte, sagte der Sheriff von West Palm Beach, Ric Bradshaw. Einer der Personenschützer Trumps habe die Mündung der Waffe aus dem Zaun ragen sehen und das Feuer eröffnet. Der Verdächtige ließ daraufhin die Waffe fallen und flüchtete. Der Mann wurde später 70 Kilometer entfernt festgenommen.
Wie es aussieht, war der Secret Service diesmal besser auf dem Quivive als beim Attentatsversuch vor einigen Wochen, bei dem Trump leicht verletzt wurde. Gut möglich allerdings, dass Trump sich nun mit der hunderte von Millionen Köpfe zählenden Armee angelegt hat, vor deren Zorn ihn kein noch so effizienter Sicherheitsdienst schützen kann.
Auf seinem Netzwerk Truthsocial postete er in den trumptypischen Versalien und ohne weiteren Kontext: „I HATE TAYLOR SWIFT“
Niemand soll dem Handelsblatt nachsagen können, dass es nicht alles getan habe, um Cupcake-Würfe oder Schlimmeres zu verhindern. Deshalb hier der unmissverständliche Aufruf:
Swifties, stand back and stand by!
Ich wünsche Ihnen einen gemäßigten Wochenauftakt.
Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens