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SolarkriseMeyer-Burger-Chef Gunter Erfurt verlässt das Unternehmen

Der Solarkonzern steckt in einer tiefen Krise. Jetzt hat das Unternehmen erste Schritte zur Restrukturierung unternommen. Nicht nur der Firmenchef muss den Konzern verlassen.Kathrin Witsch 18.09.2024 - 08:16 Uhr Artikel anhören
Nach neun Jahren verlässt Gunter Erfurt das Unternehmen. Foto: dpa

Düsseldorf. Er war das Gesicht der deutschen Solarindustrie, jetzt verlässt Firmenchef Gunter Erfurt den Modulhersteller Meyer Burger. Das gab das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz am Mittwochmorgen bekannt. Auch Finanzchef Markus Nikles muss seinen Posten räumen. Außerdem entlässt das Unternehmen bis Ende nächsten Jahres 200 Beschäftigte, den Großteil davon in Europa.

Vor vier Jahren war Gunter Erfurt mit Meyer Burger angetreten, um eine Renaissance der deutschen Solarindustrie einzuläuten. Aber die Pläne sind gescheitert, der Modulhersteller steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Eine Restrukturierung soll das Unternehmen retten, dazu gehört auch ein neues Management: Neuer CEO wird der bisherige Verwaltungsratschef Franz Richter.

„Gunter Erfurt hat in den vergangenen Jahren Meyer Burger als CEO und CTO entscheidend geprägt und den Wandel vom Anlagenlieferanten zum Hersteller von Solarzellen und Modulen in einem herausfordernden Umfeld vollzogen. Mit seinem unermüdlichen Einsatz für Meyer Burger und die europäische und amerikanische Solarindustrie ist er zu einem renommierten Fürsprecher für die Branche weltweit geworden“, kommentierte Richter den Wechsel an der Spitze. Erfurt selbst wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Neue Finanzchefs sollen die beiden Manager Ralf Hermkens und Frank Zimmermann werden und das Geschäft in den Vereinigten Staaten und Europa unter sich aufteilen. Damit reduziert sich die Geschäftsleitung von Meyer Burger auf nunmehr drei Mitglieder. Man wolle sich nun auf die Produktion von Solarzellen im deutschen Thalheim und die Produktion der Module im US-amerikanischen Goodyear konzentrieren, heißt es. Auch das Technologiezentrum in Hohenstein-Ernstthal soll erhalten bleiben.

Dem Unternehmen geht es finanziell schlecht. Vor drei Wochen musste Meyer Burger den Aufbau einer geplanten US-Zellfabrik in Colorado stoppen, weil das Geld ausgegangen war. Seit Jahren schreibt der Solarkonzern nur Verluste.

Die USA waren für Meyer Burger daher der letzte Versuch einer Flucht nach vorn. Das Unternehmen hatte vor allem auf die hohen Subventionen durch das Investitionsprogramm Inflation Reduction Act (IRA) gehofft. Aber geplante Steuergutschriften in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar waren nicht in der erwarteten Höhe eingetroffen.

Mit einer Mischung aus Subventionen, Krediten und Kapitalerhöhung wollte Meyer Burger aus den roten Zahlen kommen. Insgesamt hätte es dafür Mittel in Höhe von rund 450 Millionen Franken gebraucht. Die hat das Unternehmen allerdings nicht zusammenbekommen. Der Aktienkurs des Solarkonzerns ist innerhalb von nur einem Jahr um fast 100 Prozent eingebrochen.

Zusätzliche Verkäufe werden geprüft

Mit dem Verkauf von Modulen, Technologie und Equipment versucht sich das Unternehmen jetzt aus der Misere zu retten. Auch die Veräußerung weiterer Vermögensgegenstände werde aktuell geprüft. Weitere Möglichkeiten zur Schließung der Finanzierungslücke würden aktuell analysiert. Ab dem Jahr 2026 peilt Meyer Burger einen Umsatz von 350 bis 400 Millionen Schweizer Franken an.

Wie lange Meyer Burger noch durchhält, fragen sich aktuell viele in der Solarbranche. Dabei hatte das Unternehmen als eines der wenigen die Solarkrise 2012 überstanden. Meyer Burger ist ein Name, den man in der Photovoltaikbranche auf der ganzen Welt kennt.

Aber nicht als Modulhersteller, sondern als Maschinenbauer der Solarindustrie. Oder wie Ex-Solarworld-Chef Frank Asbeck sie einst nannte: „die Totengräber der Branche“. Sie verkauften ihre Technologie in die ganze Welt – auch nach China. Dort wurden die Anlagen bald kopiert und billiger weiterverkauft. Meyer Burger gingen die Kunden aus.

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Statt anderen die Maschinen für deren Fabriken zu liefern, entschied man sich, selbst Solarmodule und Zellen herzustellen. Erfurt, der nach der Solarworld-Pleite 2015 zu Meyer Burger wechselte, wurde zum CEO ernannt und tingelte mit viel Kampfgeist durch deutsche Talkshows, Radiosender und Zeitungen. Selbstbewusst versprach der gebürtige Chemnitzer ein „Comeback der deutschen Solarindustrie“. Und für eine kurze Weile schöpfte die Branche wieder Hoffnung auf eine Rückkehr zu alten Zeiten, mit Erfurt an der Spitze.

Die Marktführer aus Asien scheinen schier übermächtig

Aber eine nennenswerte Solarproduktion gibt es in Deutschland seit Jahren nicht mehr. Gegen die günstige Konkurrenz aus China konnte man schon 2012 nicht bestehen. Erfurt war fest davon überzeugt, das ändern zu können – nur um jetzt erneut an der Übermacht der Marktführer aus Asien zu scheitern.

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Obwohl die Nachfrage nach Solarmodulen auf einem Rekordhoch ist, steckt die europäische Photovoltaikindustrie in der Krise. Schon vor Monaten warnte die Branche vor den Folgen einer rasant zunehmenden Anzahl von Billigmodulen aus China, die auf den europäischen Markt drängen.

Deswegen hatten Meyer-Burger-Chef Gunter Erfurt und andere CEOs von Solarunternehmen um Hilfe aus Berlin gebeten. Die Bundesregierung konnte sich jedoch nicht einigen und kam auch nach intensiven Diskussionen zu keiner Lösung. In der Folge kündigten die letzten verbliebenen Modulproduzenten in Deutschland Schließungen, Kürzungen und Restrukturierungen an. Mit Gunter Erfurt ist nun auch die letzte Hoffnung auf eine Renaissance der deutschen Solarindustrie gegangen.

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