Kommentar: Deutschland braucht ein Cluster der Zuversicht

In dieser Kolumne behandle ich jede Woche Themen, die unsere Redaktion und auch mich persönlich beschäftigen. Oft geht es dabei um ökonomische oder politische Fragen, um Innovationen oder den Zustand der deutschen Wirtschaft. Heute soll es hier aber um das Handelsblatt gehen, mit dem wir nächstes Jahr ein ziemlich spannendes Projekt starten.
Unsere Redaktion will jeden Tag aufs Neue Wirtschaftsjournalismus bieten, der Debatten bereichert und immer wieder auch Märkte bewegt. Dafür beschreiben wir, was ist. Wir müssen aber auch beschreiben, was sein könnte mit Blick auf geopolitische Konflikte, die Klimakrise, die Gesellschaft. Diese Ausblicke machen selten Hoffnung, und Unternehmen haben diesen Teil der Zukunft nur bedingt in der Hand.
In der Technologie ist das anders. Disruptionen wie die Künstliche Intelligenz haben vor allem Unternehmen ausgelöst – und viele dieser Entwicklungen sind nicht nur beeinflussbar, sie machen auch Mut und Hoffnung. Denn wir erleben gerade das Zusammenwachsen ganz unterschiedlicher Technologien, KI und Biotech zum Beispiel, was bislang undenkbare technologische Durchbrüche möglich macht: in der Medizin, in der Ernährung und bei völlig neuen Materialien, die dabei helfen können, die Klimakrise zu bekämpfen.
Mein Anspruch als Chefredakteur des Handelsblatts ist es, dass wir bei diesen Entwicklungen nicht nur Beobachter sind, sondern auch einen Ort bieten, an dem die Zukunft von Technologie und Innovationen von den maßgeblichen Akteuren verhandelt wird. Gerade in schwierigen Zeiten braucht es Orte, an denen die verbliebenen Optimisten zusammenkommen, um genau das zu tun.
Europas neue Plattform für Technologie und Innovation
Deshalb baut das Handelsblatt etwas Neues: eine Plattform für all diejenigen, die diesen Raum des Möglichen für Europa neu ausleuchten wollen. Eine Plattform für Technologiebegeisterte aus allen erdenklichen Disziplinen.
Kern dieser neuen Initiative ist eine Technologiekonferenz, die wir nächstes Jahr erstmals in einem von Europas interessantesten Technologiezentren ausrichten werden: mitten in Heilbronn, wo gerade auch Europas größtes Cluster für Künstliche Intelligenz entsteht.
In einer aufwendig gestalteten mobilen City, ähnlich wie es viele von Ihnen vom Weltwirtschaftsforum in Davos kennen, wollen wir vom 25. bis 27. Mai zur ersten TECH zusammenkommen: zur Technology Experience Convention Heilbronn.
Wir erwarten dazu rund 1000 internationale Gäste und Redner, darunter führende Akteure von Technologiekonzernen, Wissenschaftlerinnen und vor allem Entscheider aus Industrie, Wirtschaft und Politik – ein sorgfältig kuratierter Kreis aus Menschen also, die dabei sind, die Zukunft des Technologiestandorts Europa zu prägen.
Zu besprechen gibt es wahrlich genug. Welche Rolle will Europa in den wichtigen Feldern KI, Deeptech, Robotics, Quantencomputing, Raumfahrt und Biotech spielen? Wie weit sind die Unternehmen wirklich? Und wie wettbewerbsfähig? Welche technologischen Fähigkeiten braucht der Kontinent, um seine Sicherheit in einer zunehmend unsicheren Welt zu organisieren? Wo ist Europa stärker als andere? Welche Fähigkeiten fehlen uns?
Das sind nur einige der Fragen, die wir dort diskutieren wollen. Vor allem aber diese: Wie müssen sich europäische Unternehmen positionieren, um im Wettstreit mit den technologischen Supermächten USA und China zu bestehen, um auch in Zukunft noch unabhängig zu sein?
All das diskutieren wir im Handelsblatt ohnehin. In Heilbronn werden wir das auf offener Bühne tun, ebenso wie in vertraulichen Gesprächen abseits des Hauptprogramms. Es wird dort viel Raum für Begegnungen geben, für Masterclasses und Best-Practice-Runden zu den wichtigsten Technologiethemen, die Europas Wirtschaft beschäftigen. Wir wollen mit der TECH einen Raum schaffen, um nicht nur von anderen, sondern auch voneinander zu lernen – um mit diesen Erkenntnissen dann wirklich etwas zu bewegen.
Deshalb wird die TECH nicht nur eine jährlich stattfindende Konferenz, sondern eine Plattform sein, auf der auch Neues entsteht, auf der Erfahrungen und Inhalte ausgetauscht werden. Denn bei all den wundervollen Dingen, die uns KI bringt, ist auch klar, dass Technologie niemals das ersetzen kann, was entsteht, wenn Menschen zusammenkommen, sich über unterschiedliche Perspektiven austauschen – und über die Zukunft nachdenken.
Wir sind davon überzeugt, dass Ideen größer werden, wenn man sie weiterspinnt, dass sie durch ergänzende Perspektiven wachsen. Dazu können wir nur einen kleinen Beitrag leisten. Es braucht viele solcher Orte, damit sich ein ganzer Kontinent verändert.
Von Technologieclustern ist ja oft die Rede. Weil wir uns aber gerade allzu oft erzählen, was nicht funktioniert, brauchen wir daneben auch mehr Orte des Optimismus, Orte, die irgendwann zu einem großen Cluster der Zuversicht zusammenwachsen.
