Intel: Chiphersteller spricht offenbar mit Qualcomm über Übernahme
Qualcomm-Chef Cristiano Amon sei persönlich in die Verhandlungen involviert, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gespräche seien in einem frühen Stadium, ein Angebot sei noch nicht vorgelegt worden, sagte eine andere Person.
Zuerst hatte das „Wall Street Journal“ darüber berichtet. Weder von Qualcomm noch von Intel war eine Stellungnahme zu erhalten. Sollte es zu einer Einigung kommen, wäre es die größte Übernahme in der Technologiebranche aller Zeiten. Intel wird an der Börse derzeit mit gut 93 Milliarden Dollar bewertet, Qualcomm kommt auf 188 Milliarden Dollar.
Die Aktien von Intel lagen am Freitag zum Handelsschluss drei Prozent im Plus, während Qualcomm-Papiere um vier Prozent nachgaben.
Der einst weltgrößte Chiphersteller Intel geht durch eine schwere Krise. Vorstandschef Pat Gelsinger kündigte deshalb zuletzt ein massives Sparprogramm an. Dabei werden mindestens 15.000 Stellen gestrichen.
Zudem entschloss sich der Manager, den lange geplanten Neubau eines Chipwerks in Magdeburg um mindestens zwei Jahre zu verschieben. Ursprünglich hatte der 63-Jährige vor, mehr als 30 Milliarden Euro in Sachsen-Anhalt zu investieren. Ein Drittel der Summe sollte der Staat beisteuern.
Die Intel-Aktie hat im laufenden Jahr bereits mehr als die Hälfte an Wert verloren. Der Grund: Dem Konzern ist es bislang nicht gelungen, Weltmarktführer Nvidia mit konkurrenzfähigen Chips für die Künstliche Intelligenz (KI) anzugreifen. Gleichzeitig schwindet die Nachfrage im Kerngeschäft von Intel mit Prozessoren für PCs und Notebooks. Prozessoren sind das „Gehirn“ eines jeden Rechners.
In der Folge musste Intel jüngst einen Milliardenverlust melden. Das Management will nun vor allem die Kosten senken. Mit dem Verkauf von Geschäftsteilen, geringeren Investitionen und Stellenstreichungen versucht Gelsinger, die Wende einzuleiten.
Intel greift Technologieführer TSMC an
Außerdem gliedert der Manager die Werke in eine eigenständige Einheit aus. Das ist ein epochaler Wechsel. Denn Intel will künftig nicht mehr nur seine eigenen Halbleiter fertigen, sondern will das in Zukunft auch für Drittkunden tun. Intel möchte es damit mit TSMC aus Taiwan aufnehmen.
Das Unternehmen ist seit vielen Jahren technologisch eine Klasse für sich und mit einem Marktanteil von 60 Prozent unumstrittener Marktführer bei den Auftragsfertigern der Chipindustrie. Die Abspaltung bei Intel erfolgt, um für andere Halbleiterhersteller attraktiver zu werden. Verkaufen will Gelsinger die Sparte aber nicht.
Einer der wichtigsten potenziellen Kunden von Intel ist Qualcomm. Die Firma aus San Diego unterhält keine eigenen Werke, sondern bezieht ihre Chips unter anderem von TSMC.
Qualcomm ist der weltgrößte Anbieter von Mobilfunkchips. Bekanntester Kunde ist iPhone-Hersteller Apple. Seit einiger Zeit drängt das Unternehmen aber auch ins Geschäft mit den Herstellern von PCs und Notebooks – und attackiert damit Intel.
Der größte Unterschied zwischen Intel und Qualcomm ist das Prinzip, nach dem die Prozessoren aufgebaut sind. Intel setzt auf die sogenannte X86-Architektur. Sie wird vor allem für Server sowie PCs und Notebooks genutzt. Qualcomm bedient sich dagegen der sogenannten Arm-Architektur. Diese hat sich in den vergangenen Jahren vor allem in mobilen Geräten durchgesetzt, weil sie sehr energieeffizient ist.
Falls Qualcomm tatsächlich Intel übernimmt, würde der Konzern das Geschäft mit Prozessoren für PCs, Notebooks, Server und Handys beherrschen. Bei den KI-Anwendungen in Rechenzentren hätte der neu geschaffene, riesige Chipkonzern dem Branchenführer Nvidia aber dennoch wenig entgegenzusetzen.
Erstpublikation: 20.09.2024, 22:31 Uhr