Hubert Hinterseher: Puma tauscht Finanzvorstand aus
München. Der Sportartikelkonzern Puma tauscht den Finanzvorstand aus. Der seit gut drei Jahren amtierende Hubert Hinterseher werde den Posten schon zum Monatsende abgeben und Puma Ende des Jahres verlassen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
Puma war zuletzt langsamer gewachsen als der größere Konkurrent Adidas. Auch der Aktienkurs hatte sich schwächer entwickelt.
Der Vertrag des 46-jährigen Hinterseher war erst im vergangenen Jahr bis 2027 verlängert worden. Er arbeitet seit mehr als 20 Jahren für Puma. Sein Nachfolger kommt vom US-Modeunternehmen Guess: Markus Neubrand (48) hatte seinen Posten als Finanzchef dort im August niedergelegt; er war erst ein Jahr zuvor vom Taschen- und Kofferhersteller MCM gekommen. Davor hatte er unter anderem für Hugo Boss gearbeitet.
Mit Hintersehers Abgang hat der Puma-Vorstand unter Arne Freundt ab 2025 ein völlig neues Gesicht: Außer Freundt selbst ist dann kein Vorstand mehr aus der Ära von Björn Gulden mehr im Amt, der vor knapp zwei Jahren zum Erzrivalen Adidas gewechselt war. Beschaffungschefin Anne-Laure Descours hatte im August ihren Abgang zum Jahresende angekündigt. Ihr Vorstandsposten fällt weg.
Eine Begründung für den CFO-Wechsel gab Puma nicht. Man habe sich mit Hinterseher einvernehmlich geeinigt. Der Finanzvorstand habe „mit seinem starken Engagement und Einsatz für die Marke und die Puma-Family“ in den vergangenen Jahren zum Erfolg beigetragen, sagte Freundt. Mit Nachfolger Neubrand solle nun „das nächste Kapitel unseres nachhaltigen Wachstums auf Basis einer gesteigerten Markenbegehrlichkeit“ geschrieben werden.
Mit Guldens Wechsel zu Adidas hatte auch das Momentum gewechselt. Unter seiner Führung war Puma schneller gewachsen. Während Adidas unter Ex-Chef Kasper Rorsted stark auf den margenträchtigen Direktvertrieb über das Internet setzte, hofierte Puma weiter die Fachhändler. Das erwies sich als die bessere Strategie.
Doch inzwischen hat Adidas deutlich an Schwung gewonnen. Das Verhältnis zu den Fachhändlern hat sich wieder verbessert, vor allem Retroschuhe wie der „Samba“ sind stark gefragt. Bei Puma hat sich das Wachstum dagegen etwas abgeschwächt.
Die unterschiedliche Dynamik zeigt sich zum Beispiel beim Blick auf das zweite Quartal: Die Puma-Umsätze stiegen von April bis Juni währungsbereinigt um gut zwei Prozent auf 2,1 Milliarden Euro; Adidas meldete für den gleichen Zeitraum ein Plus von elf Prozent auf 5,8 Milliarden Euro.
Weltmarktführer Nike steckt in der Krise
An der Börse konnte Adidas seit dem Amtsantritt Guldens um mehr als 80 Prozent zulegen, während die Puma-Aktie deutlich an Wert verloren hat. Freundt will die Begehrlichkeit der Marke wieder stärken und die Position in Märkten wie USA und China verbessern.
Auch wenn sich das Wachstum von Puma abgeschwächt hat: In einer Krise ist die weltweite Nummer drei nicht, die Umsätze legen weiter zu. Anders sieht es derzeit beim Weltmarktführer Nike aus. Die Amerikaner hatten zuletzt ihren Chef ausgetauscht und vor sinkenden Umsätzen im laufenden Geschäftsjahr gewarnt.
Nike hatte – ähnlich wie zwischenzeitlich Adidas – ebenfalls stark auf den Internetvertrieb gesetzt. Zugleich dünnten sie das Netz der Handelspartner deutlich aus. Die Branche hat inzwischen aber gelernt, dass viele Sportler zum Beispiel beim Kauf eines Laufschuhs noch immer gern in einen stationären Laden gehen und unterschiedliche Anbieter vergleichen.