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AufsichtsratWarum Kontrollgremien mehr digitales Know-how brauchen

Mit der Digitalisierung bauen viele Unternehmen ihre Geschäftsmodelle um. Auch die Aufgaben von Aufsichtsräten ändern sich. Was das in der Praxis bedeutet.Dirk Wohleb 09.10.2024 - 13:59 Uhr Artikel anhören
Viele Geschäftsmodelle verändern sich schnell und passen sich immer wieder einem veränderten Umfeld an. Foto: Moment/Getty Images

Köln. Die Digitalisierung verschärft den Wettbewerb in vielen Branchen. 70 Prozent der Unternehmen berichten, dass durch die Digitalisierung Wettbewerber aus der IT-Branche auf ihren Markt drängen. 2023 waren es nur 59 Prozent, wie aus einer Befragung des Branchenverbands Bitkom hervorgeht.

„Wir sehen in vielen Unternehmen verstärkte Bemühungen, die Digitalisierung voranzutreiben. Zu oft bleiben sie aber bei Diskussionen stehen und kommen nicht in die Umsetzung“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.

Mit der Digitalisierung verändern sich viele Aufgaben in Unternehmen. „Der Aufsichtsrat kann durch die richtigen Weichenstellungen entscheidende Beiträge leisten“, sagt Professor Thorsten Grenz, der selbst mehrere Aufsichtsratsmandate ausübt sowie geschäftsführender Gesellschafter einer Beteiligungs- und Beratungsgesellschaft in Berlin ist. In erster Linie brauchen Aufsichtsräte ein Verständnis neuer Geschäftsmodelle.

„Grundsätzlich beobachten wir mit der Digitalisierung einen Wechsel von produktorientierten zu eher serviceorientierten Geschäftsmodellen“, sagt Christian Sengewald, Partner bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Forvis Mazars. Immer stärker an Bedeutung gewinnen auch Abomodelle. Menschen kaufen nicht mehr ein Auto, sondern nutzen verschiedene Autos. In der Folge wird der Umsatzanteil von Dienstleistungen zunehmen.

Viele Geschäftsmodelle verändern sich schnell und passen sich immer wieder einem veränderten Umfeld an. Dabei verbringen Mitarbeiter in der Finanzabteilung häufig noch viel Zeit mit manuellen Tätigkeiten, um Daten zu sammeln, zu bündeln und abzustimmen.

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In Zukunft werden viele Arbeiten für den Geschäftsabschluss stärker von Tools übernommen, viele Prozesse werden automatisiert. Unternehmen müssen sich daher auch viel stärker mit potenziellen Technologien auseinandersetzen. „Aufsichtsräte brauchen zukünftig noch stärker ein ausgeprägtes Verständnis für Technologien und Prozesse“, sagt Grenz.

Weiterbildung für Aufsichtsräte wird wichtiger

Deswegen wird das Thema Weiterbildung für Aufsichtsräte immer wichtiger. „Die Technologien entwickeln sich schnell weiter, der Aufsichtsrat muss durch systematische Fortbildung auf der Höhe bleiben“, sagt Grenz und fügt hinzu: „Heute dürfte Weiterbildung für Aufsichtsräte in vielen Unternehmen eher ein Lippenbekenntnis als ein Fakt sein.“

Dennoch sieht Grenz nicht die Notwendigkeit eines Digitalexperten für den Aufsichtsrat. Es gehe nicht um spezialisiertes Wissen, sondern um die Fähigkeit und den Willen, digitale Tools in die Arbeit des Aufsichtsrats einzubringen und zu nutzen.

„Der Aufsichtsrat muss gewährleisten, dass das Unternehmen die Potenziale der Digitalisierung zukünftig überhaupt umfassend zu nutzen vermag und Risiken bei der Anwendung kontrolliert“, sagt Grenz. In erster Linie gehe es darum, die Digitalisierung des Unternehmens zu überwachen und auch Impulse zu setzen.

Der Aufsichtsrat müsse darauf drängen, ein klare und eindeutige Datenbasis zu schaffen. „Ohne saubere Datenstrukturen wird ein Unternehmen digitale Tools nur zu einem Bruchteil ihres Potenzials nutzen können“, so die Erfahrung von Grenz.

In Zukunft passen Unternehmen Geschäftsmodelle häufiger an. „Damit wird sich auch die Arbeitsweise von Aufsichtsräten ändern müssen“, sagt Christian Sengewald von Mazars. Sich zweimal im Jahr als Aufsichtsratsgremium zu treffen und anhand von ausgedruckten Tischvorlagen zu entscheiden, wird in Zukunft nicht mehr ausreichen.

„Die Mitglieder des Aufsichtsrats werden sich häufiger, auch auf digitalem Weg, treffen und sich intensiv mit dem Vorstand oder der Geschäftsführung auseinandersetzen müssen, um schnell reagieren zu können“, sagt Sengewald.

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Aufsichtsräte brauchen Zugang zu Daten in Echtzeit

Diese Entwicklung führt dazu, dass Aufsichtsräte in Zukunft einen Zugang zu Daten in Echtzeit benötigen, um stets den Überblick zu behalten und das Geschäft jederzeit kontrollieren zu können. Eine wichtige Rolle wird dabei auch ein digitales Reporting spielen. Wenn die Aufsichtsräte über digitale Tools permanent Zugang zu relevanten Firmendaten haben, wird das ihre Kontrollarbeit vereinfachen.

Für Thorsten Grenz bedeutet die Digitalisierung auch, dass der Aufsichtsrat in der Königsdisziplin der Aufsichtsratsarbeit, der Personalauswahl, aktiv wird: „Es geht darum, das Finanzressort im Vorstand kompetent, fachlich, professionell, persönlich zu besetzen.“

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