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LuftfahrtWarum German Airways ältere Flugzeuge kauft statt mietet

Die Fluggesellschaft aus dem Reich des Logistikers Zeitfracht will bisher geleaste Jets übernehmen. Das hat mit einem Geschäft zu tun, das in der Pandemie totgesagt wurde.Jens Koenen 17.10.2024 - 08:20 Uhr Artikel anhören
Embraer-Jet von German Airways: Die Fluggesellschaft will bisher geleaste Maschinen kaufen. Foto: NurPhoto via Getty Images

Köln. Es ist ein ungewöhnlicher Schritt: Die Fluggesellschaft German Airways, die zur Logistik-Gruppe Zeitfracht gehört, will bisher gemietete Jets übernehmen. „Wir werden unsere Flugzeuge aus den Leasingverträgen rauskaufen“, sagte Wolfram Simon-Schröter dem Handelsblatt. Schröters Frau Jasmin ist die Eigentümerin von Zeitfracht.

Die Entscheidung überrascht aus zwei Gründen: Zum einen handelt es sich um Flugzeuge, die bereits zwischen zwölf und 15 Jahre alt sind. Zum anderen nimmt German Airways damit teure Vermögenswerte in die Bilanz, was viele Unternehmen scheuen. Bisher hat die Fluggesellschaft acht Embraer E190 mit 88 Sitzen bei der amerikanischen Leasingfirma Azorra gemietet. Die Verträge zu verlängern wäre wahrscheinlich kein Problem gewesen.

Doch Simon-Schröter, der als Experte für Sanierungen und Restrukturierungen gilt, hat anderes im Kopf. „Die Transaktion rechnet sich für uns wirtschaftlich. Denn wir wollen die Flugzeuge länger nutzen“, sagte der Unternehmer: „Und wir bekommen damit Abschreibungspotenzial in unsere Bilanz.“

Simon-Schröter und Maren Wolters, Geschäftsführerin von German Airways, setzen bei ihren Plänen offensichtlich darauf, dass ein Geschäft in den kommenden Jahren deutlich wachsen wird, das in der Pandemie totgesagt worden war: das Vermieten von Flugzeugen samt Besatzung, im Fachjargon Wet-Lease genannt.

In der bislang schwersten Krise hatten viele Fluggesellschaften als Erstes die Verträge mit ihren Wet-Lease-Partnern gekündigt. Davon war auch die Vorgänger-Gesellschaft von German Airways, die LGW, betroffen. Sie war unter anderem für die Lufthansa-Tochter Eurowings im Einsatz.

Wet-Lease-Unternehmen wurde eine düstere Zukunft prophezeit. Die etablierten Fluggesellschaften hätten noch auf Jahre Mühe, ihre eigene Flotte samt Personal auszulasten, hieß es. Dennoch startete Zeitfracht 2020 mitten in der Pandemie mit German Airways im Wet-Lease-Geschäft neu durch.

German-Airways-Geschäftsführer Wolfram Simon-Schröter: „Die Transaktion rechnet sich für uns wirtschaftlich.“ Foto: PR

Mittlerweile hat sich das Bild komplett gedreht. Um ihre Kosten in den Griff zu bekommen, schrumpfen große Anbieter ihre eigenen Kapazitäten auf ein Niveau, das im reiseschwachen Winter benötigt wird. Für die Spitzen im Sommer holen sie sich Unterstützung von außen und mieten Jets samt Crews dazu. Lufthansa etwa setzt im Sommer unter anderem auf Air Baltic aus Lettland.

„Wet-Lease hat für eine Fluggesellschaft den großen Vorteil, die Kapazität an die saisonale Nachfrage anpassen zu können“, sagt Gerald Wissel von der auf Luftfahrt spezialisierten Beratungsfirma Airborne Consulting in Hamburg.

Für den Passagier bedeutet das allerdings: Er muss sich darauf einstellen, zuweilen im Flugzeug einer anderen Airline zu sitzen, als er gebucht hat. Stimmt die Qualität des Bordprodukts nicht, kann das zu Frust bei den Passagieren führen.  „Wenn eine Fluggesellschaft auf Wet-Lease setzt, braucht sie einen Partner mit der richtigen Qualität und den passenden Flugzeugen“, sagt Wissel: „Beides zu finden ist nicht einfach.“

800.000
Passagiere
hat German Airways im vergangenen Jahr befördert.

Dennoch brummt das Geschäft mit gemieteten Jets und Crews – auch bei German Airways. „Wir haben im vergangenen Jahr rund 800.000 Passagiere befördert. In diesem Jahr werden wir über eine Million Fluggäste befördern dürfen“, sagte Geschäftsführerin Wolters.

Wissel warnt allerdings vor zu viel Euphorie: „Zurzeit könnten die Wet-Lease-Firmen ihre Flugzeuge zigmal vermieten, weil allen Airlines Flugzeuge fehlen“, sagt der Luftfahrtexperte: „Das wird sich allerdings ändern, wenn Boeing wieder liefern kann. Dann drohen Überkapazitäten mit der Folge, dass die Raten deutlich sinken.“

Für wen German Airways fliegt, will Wolters nicht sagen. In der Branche ist es üblich, dass den Auftraggebern überlassen wird, ihre Wet-Lease-Partner zu nennen. Das hat zum Beispiel KLM gemacht, der niederländische Arm der Airline-Gruppe Air France-KLM. Die Fluggesellschaft hat bekannt gegeben, auch im Winterflugplan 2024/2025 die Dienste von German Airways nutzen zu wollen.

Geschäftsführerin Maren Wolters: „In diesem Jahr werden wir über eine Million Fluggäste befördern dürfen.“ Foto: PR

Wer zum Beispiel bei KLM Flüge an den deutschen Flughäfen in Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, München, Nürnberg oder Stuttgart bucht, wird mit recht großer Wahrscheinlichkeit in einem Flugzeug von German Airways Platz nehmen dürfen. Das muss nicht schlecht sein, die Regionaljets mit ihren 88 Sitzen gelten als durchaus komfortabel.

Dass sich der Kauf der bisher gemieteten Jets für German Airways am Ende rechnet, hat nach Aussagen von Simon-Schröter vor allem zwei Gründe. Zum einen könne man attraktive Finanzierungen nutzen, die Finanzpartner bereitstellen würden, weil die Fluggesellschaft ein nachhaltiges organisches Wachstum vorweisen könne.

Dazu komme: „Mit unserem eigenen Wartungsbetrieb trauen wir uns zu, die zwischen zwölf und 15 Jahre alten Flugzeuge weitere Jahre betreiben zu können – und das verlässlich und sicher.“

German Airways will die Flotte ausbauen

Die Wartungstochter der Airline bietet sogar noch Potenzial für weiteres Wachstum – über die aktuelle Flotte von acht Flugzeugen hinaus. „Wir könnten, gemessen an der Kapazität, bis zu 15 Flugzeuge in unserem Instandhaltungsbetrieb warten“, sagte Geschäftsführerin Wolters. Simon-Schröter will die Flotte deshalb mittelfristig weiter aufstocken.

Dabei versteht sich German Airways nicht nur als simpler Subunternehmer. „Wir sind kein einfacher Dienstleister, wir sind eher ein strategischer Partner. Wir haben eine gemeinsame, längerfristige Planung“, so Simon-Schröter. Wissel sieht hier allerdings ein grundsätzliches Problem. Natürlich hätten die Wet-Lease-Gesellschaften großes Interesse an langfristigen Partnerschaften. „Das steht allerdings im Widerspruch zur Flexibilität, wie sie die Kunden haben wollen.“

Simon-Schröter gibt sich gleichwohl entspannt. Zwar sei das Wet-Lease-Geschäft nicht einfach. „Aber anders als bei anderen in der Branche spielen bei unseren Kunden die Raten in den Gesprächen nicht die Hauptrolle, sondern Qualitätspunkte und Verlässlichkeit.“

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Erstpublikation: 16.10.2024, 03:48 Uhr.

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