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GKVDiese Krankenkassen halten den Zusatzbeitrag niedrig

Je höher die Finanzkraft einer Krankenkasse ist, desto länger kann sie die Zusatzbeiträge für ihre Kunden niedrig halten. Ein Rating gibt Aufschluss darüber, wie gut die Krankenkassen hierfür aufgestellt sind.Nils Heck 05.11.2024 - 09:14 Uhr Artikel anhören
Schon jetzt liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag bei 1,7 Prozent und damit so hoch wie noch nie. Foto: action press

Köln. Ob eine Krankenkasse teuer oder günstig ist, hängt von einem einzigen Faktor ab: dem Zusatzbeitrag. Das ist der Beitrag, den Krankenkassen auf den normalen Beitragssatz von 14,6 Prozent aufschlagen, um die Kosten für Behandlungen, Operationen oder Vorsorgeuntersuchungen zu decken. Schon jetzt liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag bei 1,7 Prozent und damit so hoch wie noch nie. Unterjährig haben zuletzt 25 für die Öffentlichkeit zugängliche Krankenkassen die Beitragssätze angehoben.

Thomas Lemke, Geschäftsführer des Deutschen Finanz-Service Instituts (DFSI), bewertet die Situation als besorgniserregend: „Die zahlreichen Beitragserhöhungen zeigen deutlich, dass die Krankenkassen unter enormem Druck stehen.“ 2025 dürfte es so weitergehen. So sagt der Schätzerkreis eine Erhöhung der Zusatzbeiträge um weitere 0,8 Prozentpunkte voraus. Dann dürfte der durchschnittliche Beitrag für die GKV bei 17,1 Prozent liegen. Selbstständige müssen ihn komplett bezahlen, Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen ihn jeweils hälftig.

Gründe der steigenden Krankenkassen-Beiträge

Gründe für die steigenden Beiträge gibt es viele. „Das Grundproblem der GKV liegt aber außerhalb der Gesundheitswirtschaft“, sagt Gösta Jamin, Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Denn wenn die Wirtschaft stagniert, „aber die Bevölkerung weiter altert und damit die Gesundheitsausgaben steigen, muss das irgendwie aufgefangen werden.“ Das geschehe meist über höhere Beiträge.

Krankenversicherung

Steigende Krankenkassenbeiträge – Für wen lohnt sich ein Wechsel?

Hinzu kommen steigende Preise für Medikamente, immer teurere Krankenhausaufenthalte – und dann stehen noch teure Reformen aus der Politik an, bemängelt beispielsweise der GKV-Spitzenverband. Er hat ausgerechnet, dass die Leistungsausgaben der GKV im ersten Halbjahr 2024 übermäßig stark gestiegen sind. Für das Gesamtjahr rechnet man nun mit einem Defizit von bis zu 4,5 Milliarden Euro. Das wiederum drückt auf die Reserven der GKV, bemängelt Doris Pfeiffer.

Die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands warnte jüngst in einer Mitteilung: „Damit stehen keine Reserven mehr zur Verfügung, um Beitragssteigerungen im nächsten Jahr zu verhindern oder auch nur abzumildern.“ Der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, warnt auch deshalb bereits öffentlich vor Krankenkassenbeiträgen von bis zu 20 Prozent zum Ende des Jahrzehnts.

Viele Verbraucher dürften hoffen, dass ihnen dieses Szenario erspart bleibt. Denn eine Veränderung der Zusatzbeiträge kann einen Unterschied von mehreren Hundert Euro bedeuten. So zahlt ein Arbeitnehmer, der monatlich 5175 Euro verdient und damit an der Beitragsbemessungsgrenze angelangt ist, zurzeit etwa 400 Euro bei Deutschlands bundesweit günstigster Krankenkasse, der BKK firmus.

Wechselt er nun zur teuersten bundesweiten Krankenkasse, der KKH, müsste der Arbeitnehmer rund 460 Euro im Monat bezahlen. „Die Zusatzbeiträge variieren nicht unerheblich“, sagt Jamin und erwartet eine noch stärkere Spreizung in den kommenden Jahren: „Das würde bedeuten, dass die effizienten Kassen im Vergleich zu den weniger effizienten Kassen immer besser werden und es gelingt, den Leistungsunterschied immer weiter zu erhöhen.“

Je stabiler die Krankenkassen heute aufgestellt sind, desto stabiler bleiben die Zusatzbeiträge

Bleibt die Frage, wie stark die einzelnen Kassen ihre Beiträge anpassen müssen. Einen Hinweis darauf kann schon jetzt die „Finanzkraft“ der Institute bieten, sagt Lemke. „Denn je stabiler die Krankenkassen schon heute aufgestellt sind, desto stabiler dürften auch die Zusatzbeiträge bleiben. Oder zumindest nur in einem moderaten Rahmen steigen.“ Zudem gebe die Finanzkraft auch Aufschluss darüber, ob die Krankenkasse mit ihrem aktuellen Zusatzangebot so gut wirtschaftet, dass dieses auch in den nächsten Jahren noch Bestand hat. „Das ist für Versicherte ein wichtiger Grund, auf die Finanzstabilität zu achten.“

Das DFSI hat in einem Rating für das Handelsblatt untersucht, wie die Krankenkassen in den Kategorien Leistungsangebot, Kundenservice und Finanzkraft abschneiden. Im aktuellen Teil des Ratings geht es um die Finanzkraft der Kassen. Dafür hat das Team um Lemke insgesamt 46 Krankenkassen verglichen. Geschaut wurde unter anderem auf die Liquidität, das Vermögen, die Verwaltungskosten, die Mitgliederentwicklung und die bisherige Beitragsstabilität. Taucht eine Krankenkasse nicht im Rating auf, hat sie die Fragen des DFSI nicht beantwortet.

Methodik
Das Rating

Ein Blick auf die Ergebnisse zeigt: Mit einem „Exzellent“ konnten lediglich die hkk Krankenkasse und die Audi BKK abschneiden. Sie sind mit einem Beitragssatz von 15,58 beziehungsweise 15,60 Prozent auch heute schon günstiger als viele Wettbewerber. Zum Vergleich: Die teuerste bundesweit aktive Krankenkasse ist laut DFSI-Rating die KKH Kaufmännische Krankenkasse. Sie nimmt aktuell einen Beitragssatz von 17,88 Prozent und liegt damit mehr als zwei Prozentpunkte über der HKK oder der Audi BKK.

Immer noch mit einem „Sehr gut“ behaupten sich in dem Rating acht weitere Krankenkassen, angeführt von der Techniker Krankenkasse (TK), gefolgt unter anderem von der WMF Betriebskrankenkasse und der TUI BKK. Auch sie haben vergleichsweise niedrige Beitragssätze von maximal 16,2 Prozent, was immer noch knapp unter dem Durchschnitt von 16,4 Prozent liegt.

Neben den bundesweit agierenden Krankenkassen gibt es auch viele regionale Anbieter. Sie sind teilweise nur in einem oder mehreren Bundesländern aktiv, und Versicherte können diese nur wählen, wenn sie in den entsprechenden Bundesländern ihren Wohn- oder Arbeitsort haben. Für viele Verbraucher kommen sie trotzdem infrage. So erhält die nur in Bayern tätige BKK Faber-Castell & Partner im aktuellen Rating ein „Exzellent“, sechs weitere Krankenkassen kommen immer noch auf ein „Sehr gut.“ Darunter ist etwa auch die SKD BKK, die in elf Bundesländern aktiv ist.

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Erstpublikation: 30.10.2024, 10:52 Uhr.

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